Ungebremst in Richtung Blamage

Es herrschte Konsternation an diesem Samstagabend im Fancar zurück nach Zürich, wohl aber auch im Car der Spieler. Man glaubte nicht, was in den letzten drei Tagen passieren konnte, bereits zum zweiten Mal in Serie verlor der ZSC gegen den Aufsteiger HC Lausanne mit 2:1 und schien dabei, zumindest in der Schlussphase, chancenlos gegen das klasse Betonhockey von Ehlers Team. Der klare Qualifikationssieger und Meisterschaftsfavorit chancenlos gegen den achten der Vorrunde – ein Witz? Absolut nicht, die Lausanner sind zwar in ihrem Spiel beschränkt, aber sie tun dies, was sie können, äusserst geschickt und so, dass der Z sich bereits dreimal daran die Zähne ausgebissen hat. Das Dilemma der Zürcher ist unlängst Tatsache, wenn Lausanne in den ersten Hälfte der Partie noch im Spiel ist, der ZSC einige Angriffe ohne Wirkung angesetzt hat, dann ist Lausanne voll im Geschäft um den Sieg. Nur einmal, nämlich beim knappen 2:1 Sieg nach Penaltyschiessen wurde diese Regel widerlegt.

Eine Serie, die nie länger als fünf Spiele hätte dauern dürfen, wird nun bereits zur Tortur, kostet viel Kraft und bedeutet im schlimmsten Falls sogar das Ausscheiden um den Titelkampf – im Viertelfinal. Beim Team von Marc Crawford war am Samstagabend eine gewisse Ratlosigkeit auszumachen, sie spielten die Scheibe immer wieder tief in die gegnerische Zone – was sie zuvor immer wollten und als Schlüssel für diese Serie sahen. Aber fast alle Zweikämpfe, die sie dort an der Bande zu führen hatten, verloren sie oder ein sofortiger Abspielfehler verhinderte, dass die Lausanner ernsthaft unter Druck kamen. Kam es dennoch zu einem Bully vor Huet, dann verloren die Zürcher dies oftmals auch noch in den letzten Partien und so mussten sie wieder von Vorne beginnen.

Die Balance zwischen Offensive und Defensive finden
Ein weiteres zu lösendes Problem scheint, wie die Zürcher die Konter der Lausanner unter Kontrolle kriegen können. Immer wenn die Welschen die Scheibe vor das Tor von Lukas Flüeler brachten, dann wurde es deutlich gefährlicher als dem Z lieb sein kann. Immer wieder herrschte Panik und teilweise sogar Chaos vor dem Zürcher Schlussmann, der in dieser Serie auch noch nicht über alle Zweifel erhaben ist und der Mannschaft aktuell nicht die nötige Ruhe gibt, die sie dringend braucht.

Was also ist der Lösungsansatz für die morgige Partie? Es wird ein nervöser, ja wohl ein ängstlicher Auftakt werden vom Z. Je schneller er dies allerdings ablegt, umso besser, Crawfords Team muss morgen  schnell ein bis zwei Tore vorlegen – die aufgekommene Euphorie in Lausanne unmittelbar bremsen – und hinten deutlich souveräner agieren. Der LHC wird auch morgen Abend zu seinen Chancen kommen, aber es muss verhindert werden, dass diese jedesmal so gefährlich werden, wie in den vergangenen zwei Spielen. Jedenfalls darf sich der Z nicht auf das Spiel von Lausanne einlasen, welches da wohl heissen wird: die Partie lange offen halten, einige Strafen provozieren und denn ZSC endgültig zum Umfallen bringen.

Macht uns morgen den gefallen und haut die Jungs weg! Mir wänd in Halbfinal… es isch no lang nöd Summer!

Zürcher SC!

…und dann ist Feuer im Haus!

HC Lausanne  – ZSC 2:1 (0:0, 2:0, 0:1)

Mit der Niederlage am vergangenen Donnerstag verdiente oder bestrafte sich der ZSC mit einer zusätzlichen Reise ins schöne Lausanne. Diese Reise wäre nun echt nicht nötig gewesen, so auch der Tenor im Lager der Zürcher Fans. Zu fahrlässig und ohne den nötigen Biss wollte man Lausanne offensichtlich im Schongang bezwingen, dass dies nicht funktioniert, musste Crawford und seine Truppe bitter feststellen.

Alles jammern nützte aber heute nichts mehr, der Z hatte einen Job gefasst und zwar ein zusätzliches Heimspiel zu verhindern und sich somit eine kurze Verschnaufpause zu verschaffe. Dafür musste der Z in den ersten Minuten geduldig bleiben, den euphorisierten Lausannern den Schneid abkaufen und möglichst bald in Führung gehen. Einfacher gesagt als getan. Vor allem auch darum, weil der Leitwolf Mathias Seger heute krankheitshalber ausfiel.

Keine Tore zu Beginn
Beim Z war zu Beginn des Spiels kaum Nervosität auszumachen. Sie verfolgten ihren Spielplan und Lausanne kam schnell unter Druck und der Z hatte die eine oder andere Chance. Das Heimteam dagegen beschränkte sich auf das Konter und machte dies, wie wir es uns aus der Serie gewohnt sind, äusserst gefährlich. Mehrere Lausanner Schüsse zischten nur knapp an Flüeler vorbei oder der Schlussmann musste in Extremnis retten.

Eine fünf Minuten Strafe für gar nichts
Von Minute zu Minute wurden die Z Fans nervöser, die eigene Mannschaft brachte keinen vernünftigen Angriff auf die Reihe. Es zeichnete sich ein ungemütliches Spiel ab für den Z, von der 7:1 Gala vom letzten Dienstag war man Meilenweit entfernt. Erster negativer Höhepunkt war das 1:0 für das Heimteam. Flüeler konnte eine Scheibe nicht festhalten und der Abpraller war im Tor. Unzureichende Verteidigung, gepaart mit einem unglücklichen Flüeler waren Ursache für diesen Treffer. Eine fünf Minuten Strafe gegen Bergeron, der Gobbi vermeintlich fair checkte, musste so unter die Dusche. Eine Strafe die so in dieser Form mehr als fraglich war und als ob dies nicht reichte, da musste Shannon auch ein Eigengoal verarbeiten. Es war typisch für dieses Spiel, der Z wirkte eingeschränkt, die Lausanner clever und kämpferischer. Das 2:0 war mehr als ein weiteres Tor, es war ein Wegweiser für diese Partie und vielleicht für diese Serie.

Trotz Anschlusstreffer kaum mehr gefährlich
Die Zûrcher konnten nicht mehr ausreichend veschleunigen, sie scheiterten nicht nur an Lausanne, sondern eben auch an sich selber. An der Qualität mangelte es sicher nicht, aber sehr wohl am Verständnis im richtigen Moment Playoffhockey zu spielen. Das 2:1 von Bärtschi – in der 47. Minute – brachte zwar noch etwas Hoffnung, aber eigentlich auch keine Wende!

Nun, was bedeutet diese Niederlage? Man muss es klar formulieren, wir stehen 60 Minuten vor dem Aus. 60 Minuten vor dem Sommer. 60 Minuten vor der totalen Blamage. 60 Minuten vor dem nichts. Wenn noch irgendjemand die Ernsthaftigkeit der Situation nicht erkannt hat, dann darf er am Dienstag gerne zuhause bleiben. Jetzt braucht es alle! Mir wänd de Halbfinal und nix anders…

Glaubed ned ah Statistike, glaubed ah Eus!

JubelAch, wie viel wurde vor diesem siebten Spiel geschrieben, gesprochen und vor allem spekuliert. Der HCD, welcher noch nie eine „Belle“ verloren hatte und in den letzten vier ungeraden Jahren immer Meister wurde, musste doch gewinnen an diesem Samstagabend. Aber irgendwann brechen halt eben alle Serien und gestern war so ein Abend, wo alles etwas anders war. Wo aus einer Playoffserie eine eigene Geschichte wurde, wo aus einem 1:3 eine 4:3 in der Serie wurde und wo aus Herausforderungen ein Moment geschaffen wurde, welcher zumindest noch einige Tage in positiver Erinnerung bleibt.

Die Entscheidung im zweiten Drittel
Der ZSC war in den vergangenen zwei Spielen jeweils die bessere Mannschaft. Dies sah gestern doch etwas anders aus. Reto von Arx, welcher vom Staff der Davoser bereits vorzeitig für diese Serie abgeschrieben wurde, kehrte auf das Spiel 7 hin zurück. Anscheinend hatten die Bündner doch nicht den Mut, den Poker um von Arx durchzuziehen, nachdem sie zwei Mal in Serie verloren hatten. Aber auch Reto von Arx konnte an den zwei Toren im Mitteldrittel nichts ändern. Es waren jene Treffer, welche diese Serie endgültig in die richtigen Bahnen lenkten. Stellvertretend war das 2:0 für diesen Viertelfinal. Der ZSC kämpfte, Wick eroberte sich in der Ecke der Davoserzone die Scheibe und war seinem Bündner Gegenspieler überlegen. Ein Schuss vor das Tor zu Ambühl und dieser lenkte den Hartgummi in die Maschen.

Es war das nötige Glück, welches sich der ZSC über die gesamte Serie betrachtet verdient hatte. Spiel 3 und 4 gewannen die Davoser, auch wenn sie in diesen Spielen die weniger gute Mannschaft waren. Sie machten in diesen beiden Spielen jeweils zum entscheidenden Moment die wichtigen Tore und brachten den ZSC damit in eine ungemütliche Lage.

Nur noch ein Funke Hoffnung am letzten Dienstag
Es ist gerade einmal sieben Tage her, da war der ZSC eigentlich ausgeschieden. Alle hatten die Zürcher fast auf sicher abgeschrieben und es war nur noch eine Frage zu klären: Wer würde der Halbfinalgegner des HC Davos werden und könnten die Bündner erneut im ungeraden Jahr die Meisterschaft einfahren? Es kam aber alles anders und eine Woche später ist der ZSC im Halbfinal und dort wartet der HC Fribourg-Gotteron.

Aber was hatte diese Wende eigentlich eingeläutet? War es Blindenbachers Check gegen von Arx? War es das Mitteldrittel am vergangenen Dienstag im Zürcher Hallenstadion, wo die Zürcher gleich drei Tore erzielen konnten und damit den Bann des HCD etwas brach? War es die Formsteigerung der kritisierten Lehtonen, Lashoff, Blindenbacher und Co.? Es war wohl eine Mischung aus all diesen Punkten und der Tatsache, dass die Mannschaft zu einer Einheit wuchs, aber nicht nur die Mannschaft, auch die zahlreich mitgereisten Fans hatten ihren Anteil an dieser Wende. Am vergangenen Dienstag forderten sie mit einem Spruchband: „Chered die Serie“ und gemeinsam haben wir es gepackt!

Fribourg wir sehen uns im Halbfinal!

Und dann wurde in Zürich Hockeygeschichte geschrieben

ZSC – HC Davos 2:0 (0:0, 2:0, 0:0)

Letzte Hinweise von Marc Crawford

Letzte Hinweise von Marc Crawford

Es war also angerichtet, das Spiel 7 und die damit verbundene Entscheidung in dieser Serie. Heute gab es nur Sieg oder Niederlage – nicht mehr und nicht weniger. Ein Spiel, welches zwischen Sommer und Winter entscheiden würde, war heute im Zürcher Hallenstadion, dass zum ersten Mal in diesen Playoffs ausverkauft war, angesagt. Die Nervosität entsprechend, vor allem auf den Rängen. Bereits vor Spielbeginn war dieses unglaubliche „Kribbeln“ zu spüren. Noch etwas zusätzliche Emotionen brachte die Rückkehr von Reto von Arx in die Halle – anscheinend war die Sache doch etwas harmloser, als vom Davoser Staff angeben. Für Spiel 7 hatten die Davoser offensichtlich nicht mehr den Mut, den von Arx-Poker durchzuziehen.

Es begann also ein Spiel, welches meine Nerven nicht mehr belasten hätten können. Der Z startete für einmal nicht derart druckvoll, wie noch in den beiden Spielen zuvor. Dies war aber auch durchaus verständlich, ging es doch um zu viel an diesem Abend. So erstaunte es nicht, dass das erste Drittel zwar Chancen beinhaltete, aber keine Tore fielen. Meinen Nerven tat dies zwar nicht gut, aber immerhin hatte ich 20 Minuten dieses Spiels überstanden.

Noch mehr Nerven verloren, aber immerhin in Führung
Was würde Drittel Nummer 2 dieser Belle bringen? Es wurde jedenfalls zum offenen Schlagabtausch in diesem Drittel, welcher der ZSC mehr und mehr in den Griff kriegte. Aber es wären Tore auf beiden Seiten möglich gewesen. Bis zur 32. Minute, dann stand das Hallenstadion Kopf. Shannon versenkte von der blauen Linie, es lief gerade eine Strafe aufgrund übertriebener Härte, und löste Emotionen im prall gefüllten Hallenstadion aus, die es so in dieser Saison noch nicht zu sehen waren. Und nun powerten die Zürcher auf den zweiten Treffer, den ein Vorsprung mit nur einem Tor ist eigentlich nichts. Dies war auch meinen Nerven anzumerken, welche weiterhin gut strapaziert wurden. Ich begann mich trotzdem damit abzufinden, bis ich drei Sekunden vor Drittelsende meinen Emotionen freien Lauf lassen durfte. Wick behauptete die Scheibe und brachte sie vor Genoni, doch Ambühls Stock war schneller und lenkte den Hartgummi ins Tor – Stillstand, Jubel, Bierflug und ein bisschen Erlösung. Aber noch waren 20 Minuten zu gehen.

Davos besser, Zürich weiter
JubelEin Drittel musste noch gespielt werden, es waren 1200 Sekunden die meine Nerven weiter belasteten. Aber Zürich spielte es clever durch und es wurde von Sekunde zu Sekunde zu realistischer, dass wir den Mythos HCD und seine Ungeschlagenheit in der Belle beenden konnten. Was noch auf das Tor der Zürcher kam, wurde von Flüeler in einer Art und Form pariert, wie es ruhiger nicht hätte sein können. Ich erspar Euch die Strafen des HCD, den verschossenen Penalty von Wick und alles Leiden dazu. Ich sag Euch nur etwas: Mir sind im Halbfinal!!!

Wir haben einen 1:3 Rückstand gekehrt, die Geschichte neu geschrieben und allen gezeigt: Glaubed ned ah Statistike, glaubed ah Eus. Züri mir sind Meischter und mir blibeds na! Lasst uns eine Nacht feiern – wir haben es verdient.

Nächster Halt: Spiel 7!

HC Davos – ZSC 2:3 (0:1, 1:2, 1:0)

Der Davoser Samuel Guerra und Roman Wick

Der Davoser Samuel Guerra und Roman Wick

Finalspiel Nummer 2 war am heutigen Abend gegen den HCD angesetzt. Die Bündner mit dem Matchpuck vor eigener Kulisse und der ZSC motiviert, den gewonnen Schwung auszunützen und in eine Belle zu gehen. Es war also angerichtet und die Spannung höher denn je. Solche Spiele zerren schon vor Anpfiff an den Nerven, aber sie sind es auch, welche einem einen Grund geben, so viele Spiele wie möglich bereits in der Qualifikations zu besuchen.

Es war auch den beiden Mannschaften anzusehen, dass es für beide eine extrem wichtige Partie war. Auch der HCD wusste um die Bedeutung dieses Spiel, war aber im ersten Drittel erneut dem ZSC unterlegen und für einmal schien sogar der HCD vom Schiedsrichter benachteiligt. Zwei Strafen gegen die Bündner, aber keine gegen den ZSC. Die erste Strafe brachte noch keinen Ertrag, in der zweiten aber wurden die mitgereisten Z Fans belohnt. Sekunden zuvor wurde Monnet von den Fans gefordert und prompt netzte der Topscorer ein. Sehenswert sein Volleytreffer und gross die Erlösung, welche durch Zürich ging. Natürlich war noch nichts entschieden.

Leichter Ausbau der Führung
Das Drittel startete für den ZSC gut und nach 23 Minuten lag der ZSC mit zwei Toren in Führung. Lehtonen konnte alleine vor Genoni abziehen, dieser lag bereits am Boden und der Finne hievte den Puck in den Engel. Es ging aufwärts – Schritt für Schritt. Doch wie schnell es drehen kann, zeigte die 26. Minute. Ein glücklicher Anschlusstreffer von Schommer brachte die Hoffnung nach Davos zurück. Gleichzeitig startete das Zittern und Bangen wieder beim Z und seinen Anhängern. Aber nach einer kurzen Druckphase von Davos fing sich der ZSC wieder und konnte erneut Druck auf das Tor von Genoni ausüben. Dafür wurden sie in der 28. Minuten auch belohnt. Lehtonen auf Pass von Wick, es lief erneut ein Powerplay für den ZSC, und wieder jubelte die Zürcher. Es war ein Glücksgefühl – kaum zu übertreffen.

Bangen, Zittern und Siegen
Noch ein Drittel zum Sieg und doch war es so knapp. Plötzlich dominierte der HCD diese Partie – teilweise nach Belieben – und lies den Zürcher Anhang erzittern. Lange hielt der Vorsprung, doch in der 54. Minute war der Vorsprung von zwei Toren Vergangenheit. Es mussten harte und nervenaufreibende Schlussminuten her. Aber alles ging auf und sogar eine Unterzahl der Zürcher wurde überstanden.

Ich mag nicht mehr schreiben, aber glaubt mir, wir bringen euch den Punkt sicher nach Zürich. Und am Samstag kommt es zum Spiel der Spiele. Jenes Spiel, welches wir uns gewünscht haben.

Züri miiir läbed na!!!!