Ein Konkordat fernab der Realität

Massnahmen gegen Sportfans zu ergreifen, scheint in einigen Kreisen der Politik zum neuen, täglichen Ritual geworden zu sein. Nach der Diskussion um Feuerwerkskörper, welche durch einige unrühmliche Fälle ausgelöst wurde, die Problematik aber offensichtlich nicht „geregelt“ werden konnte, geht der vermeintlich uneigennütze Kampf in die nächste Runde. Ein Konkordat, welches ab Sommer 2013 in allen Kantonen in Kraft treten soll und die Bewilligungspflicht für Spiele der obersten Eishockey- und Fussballliga vorsieht, hat das Potenzial die Charakteristik von Sportveranstaltungen grundlegend auf den Kopf zu stellen.

Alkoholverbot, Spezialtickets und Sonderbewilligungen
Beim Lesen des Konkordats fühlt man sich kurzfristig wie in einem anderen Land. Das „Wundermittel gegen alle Probleme“: Verbot von Alkoholausschank sticht natürlich heraus. An Risikospielen, die selbstverständlich irgendwie und durch irgendwen bestimmt werden, ist der Verkauf von Alkohol in und um das Stadion Verboten. Wobei nicht ganz, die Logen und V.I.P-Bereiche sind von dieser Massnahme ausgenommen. Oder anders gesagt: Der 1. Rang-Besucher wird als potenzieller Gewalttäter angesehen, der Logenbesucher allerdings nicht. Die Gleichbehandlung also ad absurdum geführt.

Noch etwas realistischer ist dann die Forderung, dass die Gästefans nur mit einem kombinierten Match- und Zugticket, welches selbstverständlich nur in den Extrazügen oder Extrabüssen gültig ist, in den Gästesektor gelangen. Oder anders formuliert: Wir erhalten an alle Auswärtsspiele einen Extrazug, oder nötigenfalls nach Kloten auch Busse, alles auf Kosten der SBB. Die Anreise mit dem Privatauto dagegen wird verboten. Realität sieht einfach etwas anders aus!

Selbstverständlich aber darf auch die Übertragung der Verantwortung nicht fehlen haben. Macht aber auch Sinn: Ideen haben ist günstiger und einfacher, als die Realisierung derselben! Die Clubs müssen also als Folge die Partien bewilligen lassen, müssen dabei sämtliche Anforderungen erfüllen und müssen trotzdem damit rechnen, dass die Partien abgesagt werden. Kosten hierfür tragen selbstverständlich die Clubs.

Gemeinsame Unterschriftensammlung
Die Fans der vier grossen Zürcher Sportclubs haben sich nun zur Sammlung von Unterschriften vereeint. Bereits über 2000 Unterschriften, es werden insgesamt 3000 Unterschriften für das Referendum und eine damit verbundene Abstimmung benötigt, wurden gesammelt. Dazu kommen noch einmal über 500 Unterschriften anlässlich des gestrigen Derbys, an welchem beide Fanlager mit einem Transparent auf die Situation aufmerksam machten.

Natürlich ist es aktuell populär Massnahmen gegen Sportfans zu fordern und vorzuschlagen. Dabei aber nicht zu vernachlässigen ist der Sinn für die Realität und die Betrachtung des Gesamten. Mit dem vorliegenden Konkordat wird masslos am Ziel, der Gewährleistung der Sicherheit, vorbeigeschossen. Es werden oberflächlich Massnahmen ergriffen, die aber keine Auswirkung auf die grundlegende Thematik haben: Die Gewalt rund um das Stadion.

Mehr dazu, unter anderem auch das Formular zur Unterschrift für das Referendum, findet Ihr unter : http://www.kollektivbestrafung-nein.ch/

https://twitter.com/cedricwermuth/status/270878087183470593

7 Gedanken zu „Ein Konkordat fernab der Realität

  1. Wird man am Samstag im Hallenstadion unterschreiben können? Und falls ja, wo? Habe das gestern nirgends gesehen.
    Konkordat-NEIN!

    • war gestern rund um den drz stand. konntest überall unterschreiben. am samstag sicher auch wenn du noch andere kennst die dieser meinung sind geh auf den link und drucke unterschriftsbogen aus und bringe sie unterschrieben mit ins hallensatdion

    • Hallo Simona,
      Auch am Samstag sammeln wir im Hallenstadion Unterschriften. Wie Bettina sagt, wird dies rund um den DRZ-Stand sein.
      Das Komitee des Referendums hat übrigens auch eine Facebook-Seite. Gefällt mir drücken und verbreiten!

  2. Ich verweise auf die Stellungnahme von Ancillo Canepa und Bernhard Heusler zum Thema, die unlängst im FCZ Museum stattfand. Beide Clubpräsidenten zuckten mit den Schultern, wenn man sie nach DEM Rezept fragt. Heusler wie Canepa vertreten die Ansicht, mit Fangruppen zu kommunizieren, was sicher im Ansatz richtig ist. Aber wie die Probleme (welche hier, so denke ich, nicht weiter umrissen werden müssen) lösen? Was tun? Untätig zuschauen geht nicht, das scheint klar. Ergo müssen Pläne erarbeitet und umgesetzt werden. Und, ja richtig, es geht ja tatsächlich nur darum, die kleine Minderheit von Fans, die Schaden anrichtet, ich sage dem mal, „zu zähmen“. Ein enormer Aufwand, wie sich jedermann vorstellen kann.

    Canepa rät vom Referendum ab, da ein solches „absout null Chancen“ hätte vor dem Souverän. (Bin gleicher Meinung.) Darüber hinaus meint er, dass ein diesbezügliches Referendum sogar die Stimmung im Volk gegen (uneinsichtige) Fans noch verschlechtern würde. (Auch möglich.)

    Der Vergleich mit Alkohol konsumierenden Matchbesuchern in den VIP Bereichen der einzelnen Stadions im Sinne der Nicht-Gleichberechtigung ist lächerlich. Dennn in jenen Bereichen, gab es wohl noch nie Proleme wegen Gewalt, Pyros oder dergleichen?

    Wäre ich Polizeikommandant oder engagierter und sportbegeisterter Politiker, ich wüsste ehrlich gesagt – ähnlich Canepa und Heusler – auch nicht, was genau getan werden müsste.

    Wieso erarbeiten nicht Fangruppen unter Mitwirkung möglichst vieler gleichgesinnten ein schlüssiges, griffiges Konzept und suchen den Dialoig mit Politikern, Vereinspräsidenten und/oder Polizeioberen? DAS wäre doch eigentlich die richtige Reaktion und nicht eine Unterschriftensammlung, die von Beginn weg einer Sysyphus-Aktion gleichkommt.

    Und ja, mich würde es extrem nerven, wenn ich im Hallenstadion und Umgebung an einem Matchtag kein Bier mehr bekäme. Andererseits ist ja bei einem ZSC Heimspiel schon Jahre nichts ernsthaftes mehr passiert. Ergo würden wohl unsere Heimspiele als „Nicht-Risikospiele“ eingestuft.

    • es ist trotzdem nicht richtig kollektiv leute zu bestrafen. zudem müsste dann auch bier im 1.bzw 2. rang verteilt werden, die haben auch so viel gemacht wie die logenfurzer.
      ausserdem verknüpft man 2sachen zusammen, die separat geregelt werden müssten. der extrazug-zwang ist so sinnlos wie ein glace auftauen lassen. die preise werden so hoch sein, dass sich kein normaler fan mehr die tickets leisten kann.
      wenn sich die kkjpd mal nur 10min gedanken zu den konsequenzen des konkordats gemacht hätten, wären auch sie darauf gekommen.
      also was bleibt als mittel der fans über?? logisch: referendum!

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