ZSC schreibt Sportgeschichte

Es war weit nach 22 Uhr, die normalen Spiele der NLA wären um diese Zeit bereits vorüber gewesen, doch gestern kochte die Halle noch um einiges länger. Sie sollte in ihren Grundfestungen erzittern und erstarren. Es war ein Abend der mit sehr tiefen Erwartungen begann: „En geile Hockeymatch“,  „äntli mal es NHL Team im Hallestadion“ oder „hoffentli verlüre mehr nöd glich höch wie Davos“ waren die Gesprächsthemen bis kurz vor Spielbeginn.

Nur die grössten Optimisten wagten es von einem verwegenen Sieg gegen die Chicago Blackhawks zu sprechen. Doch bereits beim betreten der Halle lag etwas in der Luft des Hallenstadions. Die Stimmung war bereits vor Matchbeginn am sieden. Jeder Spieler des ZSC wurde frenetisch mit Namen bejubelt und die NHL Spieler waren wohl innerlich etwas „baff“ über diese neue Situation.

Die Zürcher spielten zum Auftakt gut mit und waren frech an der Bande und im Passpiel. Dann aber folgte genau das was alle erwartet hatten: Das 1:0 in der 7. Spielminute sollte der Anfang vom Ende für den Champions League Hockey Sieger sein. Der Anfang des Beweises für die beste Eishockey Liga der Welt!

NEIN – das war es eben nicht, die Zürcher konnten reagieren. Sie blieben konsequent am Gegner und liessen den individuell besseren NHL-Stars keinen Raum um ihr Spiel zu entfalten. Plötzlich ein genialer Pass von Monnet auf den freilaufenden Bärtschi, dieser lief alleine auf Huet zu – eine Täuschung links und rechts sauber eingeschoben. Die Halle war ein Feuerwerk der Emotionen, kaum einer hielt es mehr auf den Sitzen. Die Sensation: Ein Team aus der kleinen Schweiz steckt nach einem 1:0 nicht ein und gleicht verdient aus.

Danach war natürlich die Hölle los in Oerlikon! Der ZSC zeigte sich beflügelt von der Unterstützung und dem Ausgleichstreffer. Auch vom Powerplay der Blackhawks nicht eingeschüchtert, zogen die Zürcher IHR Spiel durch. Es war wohl das intensivste Spiel, das eine Schweizer Clubmannschaft je durchmachte. Ständig waren die Zürcher auf dem Mann und bedrängten den Scheibenführenden.

Die Stimmung verflachte etwas im Mitteldrittel. Der ZSC spielte aber weiterhin auf höchstem Niveau. Zum genau richtigen Zeitpunkt dann das Unfassbare. Der Abpraller bei Huet konnte Grauwiler einschieben und zur Führung in diesem Spiel verwerten. Die knapp 10’000 rieben sich verdutzt die Augen – ist denn sowas möglich?

Die beste Liga der Welt würde sich eine solche Schmach nicht gefallen lassen. („Die chömed jetzt dän grad im dritte Drittel und chehred das no rasch“) Die Minuten zerrannen und das Ergebnis blieb beim 2:1 für den Underdog – für den kleinen, schmächtigen Verein aus der Schweiz, gegen den scheinbar übermächtigen Gegner aus dem Eishockeyland der Superlative.

Als dann Bärtschi drei Minuten vor Schluss einen Penalty zugesprochen bekam, war die Halle vollends hinüber. Zwar verschoss er diesen, aber ab diesem Moment wurde allen etwas bewusster wie nahe der ZSC an der Sensation ist.

Noch einmal versuchte Chicago Druck zu machen und zu diesem Zweck kam ein sechster Feldspieler aufs Eis für Huet. Das nütze aber nichts mehr! Der ZSC völlig überraschend und beflügelt, gewinnt den Victoria Cup und damit den Pokal um die beste Klub-Mannschaft der Welt! Die Spieler verliessen den Rink, in dem sie nun wieder Hockey Geschichte geschrieben haben. Das Hallenstadion hat eine Geschichte mehr zu erzählen.

PS: Da gewinnt der ZSC aufopfernd und grossartig gegen die Blackhawks und was hört man am nächsten morgen: „Ja die Blackhawks händ scho nöd so guet gspielt“, „mehr hät halt scho gseh das die individuell besser gsi sind“ oder „die sind au eifach müed gsi und das isch scho asträngend 2 Spiel und de Flug“…. Was soll man dazu sagen?

Känsch die bescht Club Mannschaft vo de Wält zumindest am gestrige Abig? 😉

ZSC – Chicago Blackhawks 2:1 (1:1, 1:0, 0:0)

Vor dem Spiel:

Wie in allen internationalen Spielen von letzter Saison ist auch heute gegen Chicago Blaine Down wieder im Team. Zusätzlich kommt für dieses spezielle Spiel Andre Signoretti von GCK als Verstärkung in der Defensive.
Es werden wie im Playoff-Final von 2008 gegen Servette wieder im ganzen Stadion Wunderkerzen verteilt. Das Spiel wird gemäss unseren Angaben vor über 9000 Zuschauern stattfinden.

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Der ZSC beginnt mit der folgenden Formation:
Sulander (Flüeler); Suchy, Schelling, Pittis, Sejna, Bastl; Seger, Schnyder, Trudel, Alston, Gardner; Geering, Signoretti, Monnet Bärtschi, Down; Stoffel, Bühler, Grauwiler, Kamber

1. Drittel:
Gibt es einen Unterschied zwischen den NHL-Teams und dem ZSC? – Nein, oder doch? Der ZSC startete viel besser ins Spiel als die Gäste aus Amerika. Jedoch konnten die Zürcher ihre guten Chancen nicht  nutzen und kassierten einen Treffer, den man mit dieser Leistung nicht verdient hätte. Wie es sich als CHL-Sieger aber gehört, kämpft man immer weiter und gibt nie auf. Dies dachte auch Patrik Bärtschi, der alleine auf Chicago-Torhüter lief. Bärtschi liess sich diese Chance nicht entgehen und schloss eiskalt zum Ausgleich ab! Die Halle war am kochen und die Fans hatten wieder Grund zum Lachen. Es kam aber noch besser. Der ZSC, vom Tor beflügelt, griff weiter an und kam zu sehr guten Chancen. Der ZSC tauchte noch ein zweites Mal vor dem Gäste-Goalie auf, der sich aber nicht mehr bezwingen liess.
Der ZSC hatte in den ersten 20 Minuten die besseren Chancen und schoss ein Tor. Wenn sie so weiter spielen und in der Defensive dicht halten, wird es ein sehr gutes Resultat geben.
In diesem Sinne, HOPP ZSC!!

Der erste Treffer für den ZSC

Der erste Treffer für den ZSC

2. Drittel:
Was war denn das im ersten Drittel? SENSATIONELL! Der ZSC zeigte eine souveräne Leistung und war von Beginn weg bereit und zeigte wer im Hallenstadion der Chef ist! Im zweiten Drittel ging es munter weiter! Der ZSC, von der Euphorie nicht zu bremsen, spielte weiter nach vorne. Die Zürcher hatten wie im ersten Abschnitt die besseren Chancen, konnten aber lange nicht in Führung gehen. Bis es dann aber doch klappte und Lukas Grauwiler alle in der Halle überraschte. Der ZSC führte auf einmal gegen den grossen Favoriten aus Chicago. Die Zürcher mussten einige Male in Unterzahl spielen, da es zwei/drei umstrittene Strafen gab, doch dies stoppte die Zürcher nicht. Das Drittel war aber noch nicht zu Ende und die Sieger der CHL wollten noch mehr, doch es blieb beim 2:1 für die Gastgeber – und dies nicht unverdient!
Der ZSC im Höhenflug, hoffentlich geht es so weiter. Hopp Zürcher SC!

3. Drittel:
Der ZSC, nach 40 Minuten in einer sehr guten Ausgangslage, wollte den Stars aus der NHL ein Bein stellen. Es sah um so länger das Spiel dauerte, desto besser aus. Der Hausherr des Hallenstadions hatte mit Konter immer wieder gute Chancen. Als wenige Minuten vor Schluss Bärtschi alleine vor dem Tor beim Abschluss behindert wurde, sprach der Schiedsrichter ein Penalty aus. Der Gefoulte nahm Anlauf und scheiterte.
Chicago versuchte es noch ohne Torhüter, konnte sich aber nicht richtig im Drittel der Zürcher festsetzen. Der ZSC traf aber auch nicht ins leere Tor und so blieb es beim 2:1 für den im voraus genannten Unterdog. Und so durfte Mathias Seger nach dem Meistertitel von 2008 und dem CHL-Titel von 2009 den dritten Pokal innerhalb von 1 1/2 Jahren in die Höhe stemmen!

Die Stars von Chicago waren sehr torgefährlich!

Davos erwischte vor 7252 Zuschauern den etwas besseren Start und tauchte einige Male in der Zone von Chicago auf. Es waren jedoch keine zwingenden Chancen. Als Davos zum ersten Mal im Powerplay spielte, gingen die Amerikaner mit 1:0 in Führung. Mit der Führung im Rücken ging bei Chicago alles viel besser und schneller. Sie konnten noch im ersten Drittel auf 3:0 erhöhen.
Im zweiten Drittel gelang den Bündnern der von ihnen erhoffte Treffer gegen die Gäste. Durch den Anschlusstreffer hatten die Davoser etwas Auftrieb und kamen zu einigen Chancen. Antti Niemi im Tor von Chicago hielt dem kleinen Hoch der Bündner aber stand. Wie erwartet waren es aber wieder die NHL-Stars, welche das Spiel in die Hand nahmen und durch zwei weitere Treffer zum Stand von 5:1 nach 40 Minuten erhöhten.

Im letzten Drittel sah man den Unterschied der beiden Teams gut. Chicago war immer wieder mit schnellen Angriffen und Kontern gefährlich. Die Blackhawks schossen vier Tore zum Stand von 9:1. Ca. 5 Minuten vor Schluss konnte der HCD sein zweites Tor mit etwas Glück erzielen –  und dies in Unterzahl mit einem Konter. Danach geschah nicht mehr sehr viel und die Favoriten gewannen klar mit 9:2!
Das NHL-Team war vorallem mit schnellen Angriffen und Pässen in die Mitte in den Slot gefährlich!
Patrick Kane und Radek Smolenak konnten sich als Doppeltorschützen feiern lassen.

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Letzte Saison am mitfiebern, jetzt selber dabei!

Andri Stoffel war fast die ganze letzte Saison verletzt. Am Ende der Saison war er wieder einsatzfähig und bestritt die letzten Spiele mit der Mannschaft. Während der Champions Hockey League war er nur Zuschauer und fieberte mit dem Team mit. Der ZSC Blog konnte mit Andri Stoffel während dem Apéro im Sihlcity sprechen.

Andri Stoffel

Andri Stoffel

Für Dich ist es jetzt sicher auch speziell, letzte Saison in der CHL verletzt und jetzt kannst Du am Victoria Cup spielen?
Ja die vergangene Saison war nicht einfach, aber ich freue mich jetzt auf das Spiel gegen die Chicago Blackhawks. Das Spiel vom Dienstag ist sicher die Belohnung für den Sieg in der CHL.

Warst Du in der Champions Hockey League am mitfiebern mit dem Team?
Auch bei Verletzungen ist man mit dem Team unterwegs. Ich war auch bei einigen Auswärtspartien dabei und wollte das Team so gut wie möglich unterstützen.

Wie war Deine Vorbereitung auf den Match gegen die Stars aus Amerika?
Ich konnte die ganze Saisonvorbereitung mit dem ZSC ohne Beschwerden bestreiten und bin für den speziellen Match bereit.

Wie heisst Dein Ziel gegen Chicago?
Wir müssen uns nicht verstecken und können ohne Druck aufspielen. Mit etwas Glück können wir auch ein gutes Resultat erreichen.

Besten Dank Andri Stoffel, dass Du Dir kurz Zeit genommen hast, um unsere Fragen zu beantworten.
Der ZSC Blog wünscht Andri Stoffel alles Gute in seiner weiteren Karriere und viel Spass gegen das NHL-Team aus Chicago.