Die Unfassbarkeit einer Niederlage

Die Spiele 3 der diesjährigen Serien des ZSC ähneln sich bedrohlich. Zuerst gab es gegen Biel eine Niederlage mit 3:2 nach Penaltyschiessen – trotz einem Torschussverhältnis von 38 zu 25. Im Halbfinal dann ein noch extremeres Bild, die Zürcher dominierten Genf nach Strich und Faden, bei 40 zu 19 Torschüssen mussten sie sich aber dennoch in der Verlängerung geschlagen geben. Zwei bittere Niederlagen, die dem ZSC aber am Endeffekt nicht im Weg standen um jeweils eine Runde weiterzukommen. Gestern nun die Steigerung der Steigerung, der ZSC dominierte, ja diktierte das Spiel und dessen Tempo nach Belieben. Am Ende stand da ein Schussverhältnis von 54!!! zu 16 in der Statistik und doch jubelten die Akteure rund um Arno del Curto.

Kraft und Moral entscheiden diese Serie
Über das Penaltyschiessen müssen wir wenig diskutieren, es ist eine der wenigen Schwächen des ZSC – ausgenommen Playofffinal letztes Jahr in Kloten – und es ist auch immer Lotterie. Allerdings waren die Abschlüsse von Künzle, Bärtschi und Co. gestern äusserst bescheiden, ja fast schon eine Einladung für den HCD dieses Spiel doch noch zu gewinnen.

Viel mehr muss man über die vorgegangen 80 Minuten und dessen Aufarbeitung diskutieren. An erster Stelle ist da die grandiose Aufholjagd der Zürcher, die nach zwei Drittel schon mit 0:2 Toren in Rücklage waren. Doch sie rappelten auf, konnten Davos zwei Tore einschenken und waren dem Siegestreffer sowohl in den letzten Minuten, wie auch in der Verlängerung deutlich näher. Davos war am Ende, die Linie um Ambühl spielte in der Verlängerung gefühlte 15 von 20 Minuten durch. Der ZSC dagegen drückte und pushte fast bis zum Ende mit vier Linien durch diese Partie. Malgin und Siegenthaler wurden am Schluss dann etwas aus dem Spiel genommen. Trotzdem sind die Kraftreserven, sofern sich der HCD bist am Donnerstag nicht optimal erholen mag, ein ausschlaggebender Faktor für diese Serie – noch so eine Partie dürfte der HCD nicht gewinnen. Er muss also wieder etwas mehr in das Spiel investieren und kann sich nicht nur auf seinen grandiosen Torhüter Genoni verlassen, der gestern aber sicherlich Ursprung des Erfolgs war.

Dann gibt es noch den Faktor Schiedsrichter, nach einer Niederlage zieht man diesen immer gerne als Schuldigen daher. Dem war gestern sicherlich nicht so, aber was sich Wiegand und Co. in den ersten 40 Minuten erlaubten, grenzte an eine absolute Frechheit! Dem 2:0 ging ein klares Hacken voraus, welche nicht geahndet wurde, im Finish hatten die Zebras dann keinen Mut mehr eine Strafe zu auszusprechen, wohl mit der Begründung „keine entscheidende Rolle spielen zu wollen“. Eine absolute Frechheit, entweder man hat eine Linie oder man lässt es besser mit dem Profi-Schiedsrichter und für Herrn Wiegand wäre es Zeit sich wieder dem Amateur-Sport zu widmen, für das NLA-Tempo scheint er nicht geeignet.

Zurück aber wieder zum spielerischen, nun wird es entscheidend sein, wie der ZSC diese Niederlage moralisch verkraftet. Beim HCD werden die Kräfte wohl von Minute zu Minute schwinden, der Z dagegen kann aus dem vollen Schöpfen und es wird mehr eine Kopfsache denn eine der Physis! Wir werden sehen, bereits am Donnerstag gibt’s erste Antworten auf die vielen Fragen.

Nilsson und der goldige Meisterschuss

EHC Kloten – ZSC 1:2 (1:0, 0:1, 0:0, 0:0)

Den ersten Meisterschaftspuck durften die Klotener vor heimischen Publikum abwehren und so verhindern, dass die Zürcher in ihrem Stadion den Titel feiern würden. Ein Umstand der sicherlich mit dem Wort „Höchstbestrafung“ gleichgestellt werden dürfte. Beim ZSC musste man nach dem komfortablen 3:0 aufpassen, dass die Mannschaft und die Fans nicht vom Boden abhoben und bereits zu fest an den gelben, hässlichen Schirmständer dachen – sondern mehr an die noch bevorstehende, harte Aufgabe.

Marc Crawford musste keine weiteren Verletzungen hin nehmen, ja er hätte sogar Marc Andre-Bergeron wieder zurück in die Mannschaft nehmen können. Alle anderen Teammitglieder waren weiterhin fit, es stand einem harten und intensiven Playoffkampf also nichts im Weg!

Intensiv, hart und knapp
Genau ein solcher Playofffight traf dann auch wahrhaftig ein. Kloten hatte den Ernst der Lage verstanden und sie kämpften, wühlten und dreckelten, wohl so hart wie nie zuvor in dieser Serie. Die Zürcher hatten ihre liebe Mühe damit. In der Defensive hingegen wirkten beide Teams fehleranfällig und so kam es bereits früh zu einigen gefährlichen Aktionen vor Gerber und Flüeler. Auf den ersten Eindruck machte dabei Gerber die bessere Falle; er gewährte weniger Abpraller und strahlte mehr Sicherheit aus. Beim ersten Treffer, erzielt durch Kloten, war aber Flüeler chancenlos, er wurde von seiner Verteidigung regelrecht alleine gelassen. Gespielt zu diesem Zeitpunkt neun Minuten. Die Reaktion des ZSC fiel heftig aus, sie drückten auf Gerber zu, aber der hielt in diesem ersten Abschnitt alles. Selbst als Keller und Nilsson fast eine zwei gegen null-Situation fahren konnten. Gerber vernichtete jede Chance der Zürcher, mit viel Können und auch einer grossen Portion Glück.

Der soooo wichtige Ausgleich nach langem Würgen
Genau dasselbe spielte sich im Mitteldrittel ab, der Z drückte auf das Tor von Kloten, aber die Scheibe wollte und wollte nicht in die Maschen gehen. Selbst zwei Zürcher Überzahlsituationen für den ZSC brachten nichts zählbares ein. Kloten ihrerseits hatte da nichts mehr anzubringen und ein Tor lag mehr als nur in der Luft. Mehrere Icings waren die Folge des enormen Zürcher Drucks. Crawford zog erneut mit allen vier Liniem durch, was Hollenstein erneut Schmerzen zuführte. Die Schmerzen mochten sie aushalten, bis zur 39. Minute. Dann gewährte Kloten Baltisberger zu viel freien Raum, welchen er eiskalt ausnutzte und den Hartgummi in den Engel beförderte.

Wick fast mit dem Siegestreffer
Das dritte Drittel verkam zur Nervensache. Kloten erholte sich von der zwischenzeitlichen Druckphase gut und kam so selber zu einigen gefährlichen Chancen. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, mit leichten Vorteilen für den Z. Kloten dürfte mit der Power wohl auf dem Zahnfleisch gelaufen sein, der Z dagegen rotierte noch immer regelmässig durch. Tore fielen keine mehr, aber Wick zwickte Sekunden vor Ende des dritten Abschnittes an das Lattenkreuz, während einer Powerplaysituation, die noch in die Verlängerung weiterlief.

In dieser Verlängerung nun wurden die Klotener müder und müder, der Z wieder fast ausschliesslich vor dem Tor von Martin Gerber. Einige Male war es eng, aber oftmals fehlte auch der letzte Wille in den Aktionen, auch der ZSC wusste, dass jeder Konter zum Ende dieser Partie führen hätte können. Die maximal mögliche Anspannung in dieser Verlängerung war auszumachen. Kloten mit einigen sehr gefährlichen Kontern, welche Flüeler mit Glück und grossem Einsatz verhinderte.

Es musste zum Penaltyschiessen und zur totalen Eskalation der Nerven kommen. Da hatte der Z einen Trumpf und der stach eiskalt, zweimal durfte er anlaufen und beides Mal sass das Ding, war es beim ersten Mal noch die Führung, die Lemm mit dem zweitletzten Penalty noch ausgleichen konnte, so war der zweite Streich gleichbedeutend mit dem Titel und jetzt war es geschafft…

Lasst uns feiern, wir haben es verdient…

Der zweite Streich, folgt sogleich!

EHC Kloten – ZSC 1:2 (1:1, 0:0, 0:1)

Spiel zwei war angerichtet und die Zürcher mit dem Vorteil von Sieg eins in dieser Serie. Das minimale Resultat von vergangenem Samstag zeigte die Nervenstärke der Zürcher eindrücklich auf. Doch der zweite Erfolg in Serie würde eine schwierige Sache werden, dies war wohl auch allen Zürchern Spielern bewusst; nur zu gut dürfte Kloten klar sein, was ein 2:0 in der Serie für ein Handicap wäre. Tabacek spielte erneut für Marc-Andre Bergeron, der offiziell noch immer verletzt war.

Ein animiertes Drittel
Es brauchte nicht viel Anlaufzeit dieses erste Drittel, die Klotener starteten offenensiv und kamen rasch zu ihren ersten Chancen. Vorerst aber konnte Flüeler alles parieren, was auf sein Tor zu fliegen kam. Bis zu einer vier gegen vier Situation in der sechsten Minute, als Kloten in Führung ging. Die Führung eine Erlösung für das Heimteam, für den Zürcher Anhang natürlich ein Schock. Aber der Z reagierte schnell, bereits nach zehn Minuten gab es denn Ausgleich als Kenins durch die Mitte lief und Gerber erwischte. Kein schönes, aber ein enorm wichtiges Tor, vor allem, weil der Z in diesem ersten Drittel das Team war, welches sich hauptsächlich in der Verteidigung befand. Trotzdem ging es mit dem ausgeglichenen Spielstand in die Pause.

Die Kräfteverhältnisse ändern sich
Im zweiten Abschnitt änderte sich dann das Spielgeschehen deutlich, der ZSC nun deutlich aktiver und auch mit mehr Härte am Werk. Kaum ein Check wurde da ausgelassen und Kloten wusste sich das eine oder andere Mal nur mit einem Foul zu helfen, dass die Schiedsrichter aber zu oft grosszügig übersahen. Ein Ärgerniss auch Martin Gerber, der oftmals mit seinem Stock nachschlug. Aber ja, dass sind halt Playoffs, solche kleinen und grossen Provokationen. Einfach geht es nicht in einem Final und Kloten hatte begriffen, dass dieses Spiel vielleicht zur Schlüsselpartie verkommen könnte. Mit allen möglichen Mitteln vereuchte der EHC diesen Sieg zu erkämpfen.

Am Schluss ein knapper Sieg für den Z
Es ging weiter knapp zu und her, beide Teams waren sich im Klaren, dass dies ein vielleicht ein serieentscheidendes Drittel werden könnte. Aber Kloten versuchte und drückte trotzdem, blieben aber immer und immer wieder an Lukas Flüeler hängen. Der 25-jährige hielt alles was nötig war um seinen Vorderleuten den perfekte Rückhalt sicherzustellen. Einen der Konter verwertete Keller in der 48. Minute eiskalt, er zog auf Gerber los, stoppte, zog am Provokateur vorbei und schob ein. Woow! Jetzt war die Hölle los im Zürcher Sektor.

Kloten drückte nun zwar noch mehr, der ZSC phasenweise total unterlegen. Aber eben, Luki hielt alles fest, was nötig war; zuerst verstrichen die Minuten, dann die Sekunden und zum Schluss war es geschafft! Der Sieg in trockenen Tüchern und das 2:0 Tatsache…

Wie unglaublich wichtig dieser Sieg war, wird sich noch zeigen. Am Donnerstag geht es weiter in der Halle!