Fotos: Playoff Viertelfinale Spiel 1 ZSC – SC Bern

Die Zeit ist reif – für den Final

ZSC gegen HC Davos, Arno del Curto gegen Marc Crawford, Tourismus gegen Wirtschaft – egal wie man die ab morgen Abend beginnende Affiche umschreiben möchte, die Ausgangslage bleibt immer gleich. Morgen startet alles bei 0:0. Viele Medien haben sich bereits auf Spekulationen und Prognosen eingelassen, sie werden alle im Laufe der Finalserie ihre Meinung möglicherweise noch ein bis zwei Mal ändern müssen, um am Schluss behaupten zu können, es von Anfang an vorausgesagt zu haben. Damit weg vom Mike Shivas-Kerngebiet, zurück zur Ausgangslage und diese ist klar: Hier der HC Davos, von vielen nach der Qualifikation abgeschrieben und nun bereits fast wieder als Meisterfavorit gehandelt. Wie schnell es im Eishockey gehen kann, zeigte das Team von Arno del Curto in den letzten Wochen auf eindrückliche Art und Weise. Wäre da nicht der letztjährige Quali-Sieger, Meister und diesjährige Quali-Sieger und schon wieder Finalist – die meisten Medien wären sich wohl einig mit den Prognosen. Alleine diese Aufzählung zeigt aber, wo die Favoritenrolle zu suchen ist.

Eine Mischung aus Biel und Genf erwartet
Vom Eishockey her kann man die beiden vorherigen Gegner des ZSC mit dem HCD kaum vergleichen. Etwas von beiden wird aber dabei sein, wenn es ab morgen zum ersten Puckeinwurf kommt. Auf der einen Seite der Schaukampf ausserhalb des Eisfeldes; del Curto wird sich, wie man ihn ja kennt, um keine Gelegenheit zu scheu sein, bereits frühzeitig Druck von seiner Mannschaft zu nehmen, die eigenen Nachteile zu erwähnen und den ZSC in die Favoritenrolle zu drängen.

Auf der anderen Seite werden es Forster und Co. nicht unterlassen, dem ZSC den einen oder anderen Schmerz zuzufügen, diesen einzuschüchtern und ihn so aus dem Tritt zu bringen. Viel Theatralik und Show dürfte dann ebenfalls zu sehen sein – Emotionen wie Wut, Frust und Freude sind also vorprogrammiert.

Warum dies alles? Weil auch die HCD Spieler wissen, dass der ZSC in der morgen startenden Serie zu favorisieren ist und sie alle Mittel nützen müssen, diese von ihrem eigentlichen Spiel abzubringen. Lasst uns also die Spiele beginnen, ich freue mich jetzt schon darauf, dass alle Welt wieder HCD Fan ist, seit immer – Ehrenwort!

Was bleibt aus dem Halbfinal – eine Analyse zur Serie

Es braucht viele Faktoren für einen Sieg in den Playoffs. Viele werden den Wechsel von Bergeron zu Smith als eine symbolische Wende in dieser Serie sehen. Sicherlich war der Einsatz des unspektakuläreren Smith ein wichtiges Zeichen, andere Faktoren spielten aber, wenn man die Gesamtbetrachtung macht, eine durchaus grössere Rolle. Es war aber nicht nur der ZSC selber, sondern auch die Genfer selber, die am Ende eine knappere Serie verhinderten. Die vielen Ausfälle wogen am Ende zu stark ins Gewicht beim Team von McSorley und so half dem extrovitierten Trainer und Clubbesitzer diesmal nicht einmal das physische Element. Nicht annähern konnte er den ZSC ins Wanken bringen.

Flüeler, Schäppi und Seger
Wick, Nilsson und Bärtschi haben in der Halbfinalserie am meisten Skorerpunkte gesammelt, dennoch waren es nicht sie, die diese Serie entschieden haben. Viel mehr war es am Ende die bestechende Ruhe Flüelers, das aggressive Forechecking von Schäppi und Co. und der zurückgekehrte Captain – Mathias Seger. Welche Emotionen der 37-jährige Leitwolf  ins Spiel brachte, sucht seinesgleichen. Spätestens nach der Niederlage in Spiel 3 (bei einem Torschussverhältnis von 40:19 zu Gunsten des ZSC) legte der Captain noch einmal ein Bricket zu. Man sah ihn immer wieder mit hochroten Kopf auf dem Eis, die Gründe dafür waren jedesmal andere. Doch er pushte damit sich und seine Mannschaft auf ein besseres Niveau.

Nahtlos in diese Veränderung ab Spiel 3 passte die Leistung von Flüeler. Entschuldigte sich der 26-jährige Torhüter nach dem Patzer in Spiel 2 noch öffentlich bei der Mannschaft, musste ihm diese spätestens nach dem Startdrittel des 8:0 in Genf ein grosses Dankeschön aussprechen. Selten habe ich Flüeler derart schnell sich verschieben gesehen, auch die Ruhe ist zurück und Abpraller waren in den letzten Partien seltenheitswert. Ein Umstand, welche der kompletten Mannschaft half.

Dann war da noch die immer wieder angesprochene Breite des Kaders, doch wer ist die „Breite“? Es waren jene, die stets auch in der vierten Linie forecheckten, kämpften und den Gegner beschäftigten, während sich die übrigen Zürcher auf der Bank erholten. Einer der auffälligsten „Unauffälligen“ war sicherlich Reto Schäppi, dessen Stock in der gegnerischen Zone fast überall zu finden war. Immer wieder scheiterten die Genfer bereits an ihm – oder eben auch an Neuenschwander, Baltisberger und so weiter.

Im Fazit kann man es schlicht halten, der ZSC war besser, breiter und agiler, aber er musste immer aufpassen sich nicht selber im Weg zu stehen. Erfolg bringt oft Nachlässigkeit mit und dieser wiederum ist dann der grösste Feind des Erfolgs. Im Halbfinal hat der ZSC der Nachlässigkeit keine Chance gegeben und steht deshalb verdient im Final.

Eine lange, geile Meisternacht

Als Robert Nilsson um 23:23 sein Lachen aufsetzte und in Richtung Penaltypunkt anlief, da wussten die mitgereisten Fans – und alle die im Hallenstadion auf die Erlösung warteten – noch nicht, dass für sie gleich eine lange, unvergessliche Nacht beginnen würde. Nilsson versenkte eiskalt und es durfte gejubelt werden, der Schluefweg wurde zum Zürcher Festhaus- was für ein wohl unschönes Gefühl für die Klotener. Unmittelbar nach dem verwandelten Penalty verkam das Stadion zum Tollhaus und die Zürcher Anhänger brachten die Kurve zum Erleuchten. Es wurde gefeiert, gejubelt und gesungen; die Temperatur der Kurve bei massivem Fieber angelangt und dieses kühlte sich nicht ab, bis Bastl den Pokal in die Höhe stemmen durfte unter tosendem Applaus aller mitgereisten Zürcher Fans. Seger war es, der den Pokal erhielt, welcher diesen aber zum erstmaligen Hochstemmen sofort an seinen Assistenten weiterreichte. Eine Geste, die den Teamzusammenhalt unter Beweis stellt, aber vor allem die loyale und gute Führung von Captain Seger. Sollte der Routinier eines Tages seine Karriere beenden, dann wird dies eine grosse Lücke im Kader der Zürcher hinterlassen.

Eine kurze Rückreise und dann ins Festhaus
Meisterfeier im HallenstadionZurück aber wieder zu den aktuellen Ereignissen. Der Meisterpokal also fest in Zürcher Händen und das Fest hatte erst richtig begonnen. Spieler und Fans begaben sich nun in Richtung Oerlikon, dort wo weitere 6000, 7000, ja vielleicht 8000 euphorisierte ZSC Anhänger warteten. Kurz war die Fahrt von Kloten auf Oerlikon, aber sie gab allen Beteiligten Zeit sich kurz zu fassen, zu realisieren was in den letzten zwei Stunden ablief und auf was sie sich noch gefasst machen konnten. Angekommen in Oerlikon gab es einen leuchtenden Marsch vom Bahnhof Oerlikon zum Hallenstadion; so hell war es wohl in der Nach von Oerlikon länger nicht mehr. Ebenso mit der Lautstärke, ganz Oerlikon, ja die ganze Schweiz sollte wissen, wer die Nummer 1 ist im Eishockey und so wurde es abermals laut verkündet: „Meischter, Schwiiiizermeischter… lolololololo“.

Die Mannschaft liess sich etwas länger Zeit für den Weg vom Schluefweg bis zum Hallenstadion. Irgendwann aber fanden auch sie sich an der grössten Sause der Schweiz ein. Einige bereits umgezogen, andere noch fast in der vollen Ausrüstung kamen sie auf die Bühne, wo sie alle herzlich begrüsst wurden. Dem einen oder anderen merkte man die ersten paar Biere bereits etwas an, die Hemmungen sanken. Patrik Bärtschi versuchte sich mit dem „Attacke ZSC“, Mathias Seger wollte absolute Ruhe im Publikum – was übrigens um diese Zeit ein Ding der Unmöglichkeit war -, Ryan Shannon versuchte sich als Capo und versuchte sich mehrmals am „ZeeeettteeeeeSSSSCEEEEE“. Ja und dann war da noch Wick, leicht gezeichnet von seinem ersten Titel, nahm er das Mikrofon in die Hand, ignorierte die gestellte Frage und meinte leicht angetrunken; „Sorry Chloooote, hät leider nöd ganz glanget“, worauf er lachend das Wort wieder dem Speaker übergab.

Meisterfeier im HallenstadionIrgendwann war die Mannschaft dann ausreichend gefeiert worden, es war an der Zeit für die Fans sicher selber zu feiern und sich gehen zu lassen. Wo normalerweise die Eisfläche steht und Tore geschossen werden, da tanzten und feierten jetzt die Zürcher Fans fast grenzenlos. Beendet wurde diese Zustand erst, als die Scheinwerfer im Hallenstadion um kurz vor vier Uhr angeschaltet wurden. Es gab aber noch mindestens eine Station, die da Cheyenne heisst, wo sich Fans und Spieler kurz vor Sonnenaufgang wieder trafen. Bei Sonnenaufgang waren dann viele auf dem Weg nachhause, aber eben nicht ganz alle und diejenigen dürften wohl noch lange gefeiert haben…

Fotos: Meisterfeier

Bilder der Meisterfeier im Hallenstadion, Zürich am 19.04.2014.

De ZSC isch Schwizermeischter!

50 Qualifikationsspiele, 7 Viertelfinalspiele, 7 Halbfinalspiele und 4 Finalspiele mussten sich Fans, Mannschaft, Umfeld und alle Beteiligten gedulden, ehe es endlich soweit war; Mark Bastl durfte als erster den Pokal für den besten Schweizer Eishockeyclub in die Höhe stemmen. Ein Gefühl voller Freude, Entspannung und Überwältigung; wie gross musste der Druck sein, als die Zürcher nach 50 Qualifikationsspielen klarer Sieger der Vorrunde wurden und für Medien und Journalisten der Meister eigentlich schon fest stand. Es kam die Serie gegen Lausanne, die Zürcher waren in Spiel zwei unmittelbar davor, mit 2:0 in Rückstand zu geraten. Doch Nilsson machte den Treffer zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit – der entscheidende Moment in dieser Serie und sicherlich auch für die gesamte Playoffkampagne.

Nun legte der ZSC mit 3:1 in der Serie vor, liess den HC Lausanne aber noch einmal auf 3:3 herankommen, ehe Marc-Andre Bergeron – der sonst nur für seine defensiven Patzer kritisiert wurde – die Zürcher Halbfinalpläne endgültig fixierte.

Auch gegen Genf in die Belle
Als Anhänger des ZSC durfte man hoffen, dass die Halbfinalserie etwas entspannter und lockerer von der Hand gehen würde. Doch weit gefehlt, auch hier bestätigte sich einmal mehr, dass es eben Playoffs sind und die Qualifikations nicht mal mehr als Randnotiz stand halten mag! Es war ein ständiges Auf- und Ab, diese Halbfinalserie gegen McSorley und sein Team; auf einen desolaten Heimauftritt zu Beginn folgte die Reaktion in Genf und als die Zürcher im sechsten Spiel, erneut in Genf, zum Finalpuck ansetzten, folgte wieder eine schlechte, ja fast unterirdische Leistung. Genf glich abermals aus und für den ZSC bedeutete diese Niederlage, dass sie erneut über sieben Spiele zu gehen hatten.

Aber so schnell wie sich das Ganze nach unten drehen kann, geht es eben auch wieder nach oben, so gesehen in Spiel 7 der Halbfinalserie. Gerade mit 4:0 fegte das Team von Crawford die Jungs McSorley vom Eis – nach diesem Sieg waren keine Fragen mehr vorhanden, wer sich den Playofffinal von diesen beiden Teams mehr verdient hatte.

Der erste Derbyfinal seit Playoffbeginn
Lohn für den starken Auftritt in Spiel sieben war der Derbyfinal, denn sich wohl viele Zürcher seit Jahren herbeigewünscht hatten und der nun wahrlich eintraf. Auch hier durfte man eine harte, umkämpfte Serie erwarten und die ersten beiden Spiele gaben diesen Stimmen Recht. Doch der ZSC erzwang in beiden Partien das Glück auf seine Seite, im ersten Spiel war es Bärtschi, der den entscheidenden Schuss ansetzte und drei Tage später durfte sich Keller als Matchwinner feiern lassen. Mit 1:0 und 2:1 waren die Resultate derart knapp, dass selbst nach diesem 2:0 in der Serie noch niemand von einer Vorentscheidung spracht.

Doch es kam anders, vielleicht gerade aufgrund der zwei knappen Resultate mochte sich Kloten nicht genügend steigern und verlor das zweite Spiel im Hallenstadion klar und deutlich mit 5:2. Es war ein Genickbruch, gepaart mit den vielen verletzten und angeschlagenen Spielern bei Kloten, von dem sich die Flieger nicht mehr erholten. Der heutige Sieg im Schluefweg bestätigte nur noch, was sich in den drei Spielen zuvor entweder klar oder knapp zeigte, der ZSC ist und war die über alle Bereiche gesehen deutlich stärkere Mannschaft.

Steigen wir als ein in die Meisternacht, veranstalten wir eine riesen Feier! Als gäbs keis Morn! Uf gahts Züri…

Fotos: Playoff-Spiel 4 EHC Kloten – ZSC

Bilder von der vierten Playoff-Partie zwischen dem EHC Kloten und dem ZSC im Schluefweg, Kloten am 19.04.2014.