Der Lockout ist vorbei: Wer hat welche Abgänge zu verkraften?

Aus aktuellem Anlass widmen wir uns dem heute nacht beendeten NHL-Lockout, den Spielern, welche in der Schweiz tätig waren und was die Teams nach ihren Abgängen zu erwarten haben. Die Abreise der NHL Spieler bringt etwas mehr als 10 Spiele vor Schluss eine neue Ausgangslage. Wie dies immer ist, gibt es dabei Gewinner und auch Verlierer. Auch wenn eine Prognose sehr schwer ist, werden wir uns vorsichtig daran wagen.

1. HC Fribourg-Gotteron:
Nur gerade David Desharnais steht bei Gotteron unter Vertrag. Auch wenn der 26-jährige Kanadier in 16 Spielen vier Mal das Tor getroffen hat und 12 Vorlagen gegeben hat, so wird sein Abgang für Hans Kossmann und Co. verkraftbar sein.
–> kleiner Verlust

2. SC Bern:
Tavares, Streit und Josi waren die drei prominenten NHL-Vertreter in der Hauptstadt. Insbesondere John Tavares punktete zuletzt ganz gross auf. Mit diesen drei Abgangen geht dem SCB einiges an Offensivkraft und defensiver Stabilität verloren. Der SCB verfügt aber über ein grosses Kader, welches einen Teil dieser Abgänge wieder ausgleichen kann.
–> mittlerer Verlust

3. HC Genf-Servette:
Alexander Picard und Yannick Weber sind die zwei noch verbleibenden Lockoutakteure unter Chris McSorley. Logan Couture hat die Genfer schon seit einiger Zeit verlassen. Mit seinem Abgang ging einiges an offensiver Unberechenbarkeit verloren bei Genf. Mit Weber geht nun zusätzlich noch defensive Stabilität. Den Verlust von Picard wird das Team ohne grössere Probleme kompensieren können.
–> mittlerer Verlust

4. EV Zug:
Hoch gepokert und viel gewonnen! Doch nun mit dem Ende des NHL Lockouts und den Abgängen von Brunner, Zetterberg und Diaz fehlt dem Team das Gesicht. Nur noch Linus Omark bleibt von den Stars und andere Spieler, welche der Club vorher verärgerte, sollen jetzt diese Lücke schliessen? Kaum vorstellbar.
–> sehr grosser Verlust

5. ZSC:
Nur gerade Dustin Brown fungiert im Kader der Zürcher aus der NHL. Machte einen soliden Job, aber war keinesfalls eine überragende Verstärkung in dieser Zeit. Dafür stellte er sich gut in den Dienst des Teams und zeigte wenig Starallüren.
–> kleiner Verlust

6. Kloten Flyers:
Aktuell befindet sich kein Lockout-Spieler im Kader der Klotener. Laich war bis Anfangs Dezember unter Vertrag und reiste dann wieder zurück in seine Heimat. Kloten könnte einer der Gewinner sein, welcher aus dem NHL Lockout entsteht.
–> kein Verlust

7. HC Davos:
Joe Thornton, Rick Nash und Loui Eriksson waren die drei tätigen NHL-Spieler für den HCD. Nash fiel schon seit Anfang Dezember aus und stand Arno del Curto deshalb nicht zur Verfügung. Loui Eriksson übernahm seinen Platz. Thortons Verlust dürfte den HCD tief schmerzen, war er doch in den letzten Partien die überragende Figur. Loui Eriksson absolvierte nur gerade sieben Partien und war somit noch nicht definitiv in Davos angekommen.
–> mittlerer bis grosser Verlust

8. HC Lugano:
Zum Schluss stand nur noch Luca Sbisa in den Reihen der Tessiner, nach dem Bergeron vor einigen Tagen die Heimreise in Angriff nahm. Sbisa war Defensiv solide, aber keinesfalls unersetzbar. Da dürfte der Abgang von Bergeron deutlich mehr schmerzen.
–> mittlerer Verlust

9. EHC Biel:
Tyler Seguin und Patrick Kane waren die beiden jungen, klingenden Namen in den Reihen der Bieler. Trotz Rang 9 waren sie dafür verantwortlich, dass die Bieler nicht noch weiter unten sind. Mit den beiden Abgängen ist ein Erreichen der Playoffs nur noch schwer vorstellbar.
–> grosser Verlust

10. Rapperswil-Jona:
Jason Spezza und Michael del Zotto waren die beiden NHL-Verpflichtungen von Harry Roggenmoser. Mit del Zotto haben die St. Galler einen Reinfall erlebt. Der Kanadier zog nach nur 9 Partien bereits weiter, offiziell aufgrund einer Verletzung, aber die Spekulationen tendieren hier eher auf Unzufriedenheit. Spezza dagegen spielte eine starke Rolle, konnte den Abstieg auf Rang 10 aber nicht verhindern.
–> mittlerer Verlust


 

Lockout – Wer finanziert die Spieler?

Spektakel, Spektakel und noch einmal Spektakel herrscht momentan im Schweizer Eishockey. Dank den Lockoutstars fallen so viele Tore, wie schon lange nicht mehr… Die Stadien sind voll, der Hype ist gigantisch und kein Tag ohne einen Artikel über den Lockout… Doch bei all dieser Euphorie und Glückseligkeit geht etwas in Vergessenheit: Wie viel kostet der Spass und wer bezahlt die Geschichte? Da mich diese Frage sehr beschäftigte machte ich sie zum Thema meiner Seminararbeit an der Universität St. Gallen.

Dass ein Lockoutspieler eine sehr kostspielige Sache ist, lässt sich am Beispiel von Jason Spezza, welcher zur Zeit bei den Rapperswil-Jona Lakers spielt, sehr anschaulich zeigen.

  • Spieler der Ottawa Senators (NHL)
  • Vertrag bis 2015
  • Jahresgehalt in der NHL: ca. 7 Millionen US-Dollar (Summe bis 2015: 21 Mio. $)
  • Versicherungssumme ca. 32’500 CHF/Monat
  • Wohnung, Auto, Material und Sozialleistungen <20’000 CHF/Monat
  • Lohnkosten (Versicherungssumme + Wohnung, Auto, Material und Sozialleistungen) vor Steuern: ca. 50’000 CHF/Monat
  • Darauf fallen Quellensteuern von ca. 15’000 CHF/Monat an.
  • Gesamtkosten ca. 65’000 CHF/Monat!

Nimmt man die Zahlen von Spezza, als Grundlage so kostet „unser“ Lockoutstar Dustin Brown ca. 30’000 bis 35’000 Franken im Monat. Bei solchen Summen stellt sich schnell die Frage, wie finanzieren die Klubs diese Sonderausgaben? Um diese Frage zu beantworten, führte ich mit mehren Verantwortlichen von NLA Klubs Interviews durch. Bei diesen stellte sich heraus, dass es drei verschiedene Finanzierungsmodelle gibt:

  • Finanzierung durch Mehreinnahmen

Rapperswil versucht mit Hilfe von mehr Zuschauern und Mehreinnahmen bei den Fanartikeln ihre Lockoutspieler zu finanzieren. Momentan funktioniert dies sehr gut. Doch was passiert, wenn in Rapperswil die Einsicht einkehrt, dass man es wieder einmal nicht in die Playoffs schafft? Kommen dann die „Lockoutfans“ immer noch oder bleiben dann die Mehreinnahmen plötzlich aus? Fragen, welche ungeklärt bleiben und für Rapperswil ein finanzielles Risiko bilden.

  • Durch „Fremdfinanzierung“

Die meisten Klubs finanzieren ihr Lockoutspieler mit Hilfe von „externen“ Geldgebern. Doch bei genauerem Hinschauen stellte sich heraus, dass es sich nicht explizit um externe Geldgeber handelt. In den meisten Fällen sind diese Geldgeber nämlich die (Mit-)Besitzer der Klubs oder sonstige Gönner, welcher in irgendeiner Form beim Klub involviert sind. Dies führt für den Klub zu einem „Klumpenrisiko“. Jene welche bereits Ende Saison die Defizite bezahlen, werden bereits während der Saison finanziell erheblich belastet. Da stellt sich bei der heute instabilen Lage der Wirtschaft die Frage, haben diese Leute Ende Saison noch genug Geld um die Defizite zu decken? Wenn nicht droht ein weiteres Sommerspektakel à la Kloten 2012.

  • Durch bestehendes Budget

Einzig in Bern und Zürich können mit Hilfe des bestehenden Budgets die Lockoutspieler finanzieren. Doch bei beiden ergab sich dies nur durch spezielle Umstände. In Bern wird das Hockey mit Hilfe der 16 Gastrobetriebe quersubventioniert. Und in Zürich ist durch den freiwilligen Abgang von Gilbert Brûlé ein Teil des Budgets frei geworden und kann nun  in Dustin Brown investiert werden. Da man sich bei dieser Variante nicht von anderen Quellen (Zuschauern, Geldgebern) abhängig macht, ist dass finanzielle Mehrrisiko praktisch gleich Null.

Wer mehr zum Thema lesen möchte:
https://www.dropbox.com/s/s5mwg2jt9xqx48s/Lwa%20Arbeit.pdf