Die Leidensgeschichte aus Spiel 2

Mit dem Heimsieg der Berner war die Finalserie so richtig lanciert. Der ZSC verschonte sich in der Folge nicht mit Selbstkritik und die Berner übten sich, wie könnte es nach einem Sieg auch anders sein, mit den Standardphrasen eines Gewinners ab. Dem SCB war aber sehr wohl bewusst, dass er die Zürcher mit dieser Niederlage auf die Generalprobe gestellt hatte, war der Z bisher doch mit acht Siegen in den Playoffs in einen richtigen Lauf gekommen.

Der schmale Grat zwischen Niederlage und Erfolg
Auch in der zweiten Partie, vor einem ausverkauften Hallenstadion, wurde kein übermässiges Spektakel geboten. Die Zürcher, zwar mit vielen Versuchen und Chancen, zeigten viele individuelle Fehler und Unkonzentriertheiten. Vielleicht sind wir zu verwöhnt von den beiden Serien gegen Zug und Davos, aber jener ZSC aus den beiden erwähnten Serien, fehlte mir auch gestern – zumindest lange Zeit. Mit 1:0 schafften sich die Berner sogar jenen Vorsprung, welche der ZSC um jeden Preis zu verhindern versuchte.

Von 0 auf 100 innert einer Sekunde
Es war wohl vielen bewusst, dass falls der SCB diesen Vorsprung verwalten kann, oder diesen sogar noch ausbaut, es zu einer noch viel härteren Aufgabe werden sollte. Genau darum war nach den vielen vergebenen Chancen im Mitteldrittel die Halle auch nicht mehr derart euphorisch. Es war schon ein Anflug von Verzweiflung zu spüren, welcher wohl durchaus auch seine Berechtigung hatte. Bührer hielt alles und machte es so dem Publikum auch nicht leicht. Es brauchte schon das Tor in der 47. Spielminute, um sämtliche Emotionen wieder auf den absoluten Siedepunkt zu bringen und den ZSC und vor allem die Halle zurück im Geschäft. Nun war plötzlich wieder Leben in der Hütte, sowohl auf wie auch neben dem Eis und manch ein SCB-Fan ärgerte sich darüber, dass sein Team es verpasste, den zweiten Treffer nachzulegen.

Partie und auch die Nerven verloren
Auch in den darauffolgenden Minuten stand das Spiel auf der Kippe und der SCB hätte sich mit einem verwandelten Torschuss wieder in eine grossartige Ausgangslage spielen können. Doch die Berner schienen beinahe paralysiert von diesem Ausgleichstreffer und als Monnet Bührer noch Backhand abtrocknete, da war die ganze Arbeit – die während 47 Minuten von den Berner geleistet wurde – vergebens. Die Berner verspielten ihre letzte Chance mit einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Ritchie neun Sekunden vor Schluss. Das Foul des Topscorers an Seger und die anschliessende Reaktion darauf – Stockschlag in den Rücken von Ambühl – zeigten die Gemütslage der Berner deutlich auf: Ein Spiel, welches lange zu ihren Gunsten verlief, gaben die Berner Preis und dürften dieser Chance noch einige Stunden nachtrauern…

Die Reifeprüfung zum Finalauftakt

Die Enttäuschung über die erste Niederlage in den Playoffs sitzt noch immer fest! Aber sie darf zu keiner Schockstarre führen, sondern muss als Weckruf zum richtigen Zeitpunkt gewertet werden. Und vor allem soll sie zur Reifeprüfung des “neuen” ZSC werden, welcher sich deutlich vom Quali-ZSC unterscheidet.

Den Fokus verloren
Kein Spieler würde öffentlich kund tun, dass die Mannschaft den Gegner zu wenig ernst genommen hat oder sogar den Fokus nicht auf der nächsten Partie hatte, sondern eventuell schon beim Meistertitel in 12 Spielen. Aber wenn die Spieler heute Morgen zum Training erscheinen, dann wird der eine oder andere zu dieser Selbsteinschätzung gekommen sein – zumindest im Inneren. Zumindest die Last vom möglichen Titel in 12 Partien haben die Zürcher gestern abgelegt.

Die Mittelzone als Kernproblem
Bisher lief in diesen Playoffs vieles für den ZSC und eine Niederlage ist eigentlich auch kein Problem, besonders mit der am Schluss gezeigten Reaktion. Nach dem 4:2-Anschlusstreffer musste Bührer einige Male mirakulös retten. Und dennoch wird gefordert sein, der Mannschaft die richtigen Analysen mitzugeben. Vor allem das Umschalten von der Defensive in die Offensive klappte nicht mehr nach Wunsch. So landeten viele Scheiben in der stabilen Verteidigung der Berner. Insbesondere gegen einen Gegner, welcher defensiv sehr kompakt steht, ist Kreativität und Flexibilität in der Mittelzone gefragt.

Aus einer Best of 7-Serie, eine Best of 5 machen
Und wie reagiert man am besten auf eine solche Niederlage? Richtig, mit einem postwendenden Konter vor heimischem Publikum und dem unmittelbaren Ausgleich in der Serie. Aber Achtung, auch wenn es schon erwähnt wurde, das morgige Spiel wird noch etwas härter und endet kaum in einer Galavorstellung der Zürcher. Mannschaft und Fans müssen bereit sein und zwar ab der ersten bis zur letzten Spielminute. Denn nur so haben wir die Chance, dass am Schluss unter dem Namen ZSC eine höhere Zahl steht, als beim SCB – und dies ist nun mal der entscheidende Aspekt im Hockey.

Da war es nur noch der SCB

Noch vier Siege trennen den ZSC vom siebten Meistertitel in der Clubgeschichte. Zugegeben, der SCB braucht auch nur noch vier Siege bis zum nächsten Titel in der Clubgeschichte. Die Favoritenrolle zu definieren ist nicht nur schwierig, sondern eigentlich unmöglich. Beide Teams starteten als Aussenseiter, Bern etwas weniger als die Zürcher, und treffen sich nun im Finale zum grossen Showdown.

Byron Ritchie und Jean-Pierre Dumont
Zwei wichtige Stützen beim sind Ritchie und Dumont, die gemeinsam bereits 22 Punkte in den laufenden Playoffs sammeln konnten. Doch die beiden sind nicht alles, was die Berner auf Lager haben. Daneben verfügen die Mutzen mit Furrer, Berger, Gardner und Rüthemann noch über weitere Spieler mit viel Potenzial vor dem Tor. Es wird also eine erneut fehlerfreie Leistung vor benötigen um die Berner bezwingen zu können.

Marco Bührer und Lukas Flüeler mit den wichtigsten Jobs
Ob der SCB oder der ZSC als Meister diese Saison beendet, liegt zu einem grossen Teil an den Torhütern. Gelingt Lukas Flüeler noch einmal eine ähnlich starke Leistung wie in den ersten beiden K.O.-Runden, dann wird der Meisterpokal an Zürich übergeben und zwar am Ostermontag. Sollte dagegen Flüeler etwas nachlassen und Bührer seine Form konservieren können, dann wird der SC Bern den Titel einspielen. Viel wird also auf den hintersten Positionen entschieden.

Das Plus beim Trainer – Hartley vs. Törmänen
Ein Vorteil punkto Routine und dürfte auf der Trainerposition zu finden sein. Mit , dem NHL-Meistertrainer, dürfte mehr Qualität an der Bande der Zürcher sein, als mit Antti Törmänen beim SC Bern. Der Finne wurde im Oktober 2011 – nach einem Spiel gegen den ZSC – zum Cheftrainer befördert, sein erstes Engagement als Cheftrainer. Aber wer sein Team in den Playoff-Final bringt, der hat grundsätzlich einen sehr guten Job gemacht.

Ausgeglichenheit anstelle von Einzelklasse
Im Gegensatz zu den vorangegangenen Viertel- und Halbfinalgegner steht beim SC Bern kein Superstar auf dem Eis. Kein Brunner, kein von Arx oder sonst einen Namen auf dem die volle Verantwortung der Berner liegt und welcher überforciert wird. Beide Trainer werden somit versuchen möglichst alle Linien durchspielen zu lassen. Damit wird das Liniencoaching (welche eigene Formation auf welche gegnerische Formation losgelassen wird) eine bedeutende Rolle erhalten.

Wir dürfen gespannt sein! Der Titel ist greifbar nahe, aber es werden harte und nervenaufreibende Spiele!

Bereit sein für den grossen Schritt

Lassen wir noch einmal das letzte Halbfinalspiel gegen den EV Zug im Kopf Revue passieren. Eine grandiose Stimmung und ein total entfesselter ZSC, der den Innerschweizern bereits früh den Schneid abkaufte und das Hallenstadion endgültig zum Hexenkessel verwandelte. Die Durchsage nach Spielende: “Züri, mir sind im Final”, lässt einem auch sechs Tage später noch lange nicht kalt. Es entsteht Gänsehaut beim Rückblick an die grandiose Atmosphäre im total ausverkauften Hallenstadion.

Spannung halten als Herausforderung
Kurze Serien bedeuten lange Pausen. Mit dem 4:0-Sieg in der Serie gegen den HC Davos und mit der Finalqualifikation in ebenso vielen Spielen hat sich der ZSC erneut eine lange Pause auferlegt. Es wird die Herausforderung sein von und allen Beteiligten, die Spannung im richtigen Moment wieder auf Playoff-Level zu heben. Obwohl das Wetter ausserhalb der Eishalle eher in Richtung Sommer zeigt als nach Frühlingsstart, so ist der Eishockey-Winter noch lange nicht vorbei – zumindest für den ZSC nicht.

Unklare Favoritenrolle
Es gibt aber noch weitere Herausforderungen für das Trainerduo der Zürcher. So ist die Favoritenrolle zum ersten Mal nicht mehr klar geregelt. Bisher war der ZSC stets Aussenseiter. Nun aber, wenn Qualifikation Platz sieben gegen Platz fünf spielt, ist die Geschichte nicht mehr eindeutig und mit den vorausgegangenen Viertel- und Halbfinals, darf der ZSC durchaus als Favorit angesehen werden. Es gilt, sich von dieser Rollenverteilung nicht beeinflussen zu lassen und das eigene Spiel durchzuziehen.

Die Möglichkeit Grosses zu erreichen
Nun, völlig egal wie die Umstände sind, ab dem ersten Puckeinwurf am kommenden Dienstag bietet sich dem ZSC die grossartige Chance auf einen siebten Meistertitel, welcher er sich, spielt er ähnlich wie in den ersten zwei Runden der Playoffs, absolut verdient hat. Es wird aber noch einmal einen Effort brauchen, erneut eine grossartige Stimmung benötigen und wiederum etwas Glück auf der Zürcher Seite sein, damit wir spätestens am 17. April 2012 den Meisterpokal bejubeln dürfen.

Machen wir uns auf, um gemeinsam Grosses zu erreichen!

Yes, we can!

Unauffällig aber wertvoll – Daniel Schnyder

Heute wenden wir uns einem weiteren Verteidiger zu, einem, der für seine Arbeit kaum ein Feedback in der Medienwelt erhält…

hat bisher ausschliesslich für GCK und den ZSC gespielt. Er war vielleicht nicht das grösste Talent, doch er kämpfte sich in die erste Mannschaft. In den vergangen Jahren hatte er auch ein paar Einsätze in der NLB bei GCK. Seine erste Saison mit über 20 Spielen im ZSC-Dress war in der Spielzeit 2005/06. Seine Loyalität ist vorbildlich. Erst im Februar hat er seinen Vertrag um ein Jahr bis 2012/2013 verlängert.

Teamplayer
Die Nummer 18 des ZSC ist ein Spieler, der für keine grossen Schlagzeilen sorgt. Der gelernte Verteidiger taucht weder in der Scorer-Liste, noch in der Strafenliste ganz vorne auf. In diesjährigen Playoffs brachte er es auf 3 Assists und 2 Strafminuten (Tor Ambühl in der Verlängerung gegen den EVZ).

In einem Team wie dem ZSC sind so unscheinbare Typen wie Schnyder enorm wertvoll. Daniel Schnyder bringt der Mannschaft viel. Seine Aufgabe ist klar: keine Gegentore zulassen. Im System von Hartley ist er ein wichtiges Puzzlesteinchen.

Unauffällig
Schnyder ist auch abseits des Eisfeldes eher unauffällig. In einem Interview mit dem zscblog.ch (2011), gibt sich der gelernte Kaufmann ohne grosse Starallüren. Er wirkt sympathisch und offen.
Auch im Internet ist es schwierig etwas über ihn zu erfahren. Sein Facebookprofil ist vorbildlich geschützt, auch über sein Beziehungsstatus ist nichts zu erfahren.=)
In einem Interview mit dem ZSC spricht er über sein Hobby: dem Motorradfahren. Der Verteidiger ist nicht der einzige Profisportler in seiner Familie, er hat noch einen älteren Bruder. Stefan spielte eine Zeit lang in Lausanne zusammen mit Jan Alston, sein jetziger Club heisst EHC Basel in der NLB.

Fazit
So wie es aussieht wird Schnyder auch nächste Saison bei uns spielen. Im Final wird er auch seinen Teil beitragen, vielleicht hat er ja noch das eine oder andere Tor für den SCB aufgespart. Doch wenn er hinten nichts zulässt, ist uns das lieber…

Steve McCarthy – der unermüdliche Arbeiter

Als , am 13. Oktober des letzten Jahres, beim ZSC ins Probetraining einstieg, rieben sich viele komisch die Augen… Edgar Salis und der ZSC wurden von den Medien fast schon mit Hohn und Spott eingedeckt. Als langsamster Verteidiger wurde er betitelt, als einer der auf europäischem Eis noch nie ein Tor erzielt hatte und einer der mehr Zeit auf der Strafbank verbringt, als anders wo (81 Straffminuten in 32 Spielen in Finnland). Die Skepsis der Zürcher Fans war ebenso gross, doch wie die folgenden 6 Monate zeigen sollten völlig unbegründet!

Vielseitig und verlässlich
Denn keines der 3 Anti-McCarthy Argumente bewahrheitete sich. Man muss zwar zugeben, dass Steve nicht gerade der Schnellste ist, aber durch sein hervorragendes Positionsspiel und sein Spielverständnis kommt dies (fast) nicht zur Geltung. Im Kontersystem von nimmt McCarthy eine zentrale Rolle ein, als Mann der die Pucks in der eigenen Zone zurück gewinnt (seine Zweikampfstärke ist fast schon unheimlich) und mit einem starken ersten Pass, den Weg zum Gegnerischen Tor öffnet. Den Meisten wird das Tor von Ambühl, in der Verlängerung von Spiel 3 gegen Zug, noch bestens in Erinnerung sein, welches Steve mit seinem öffnenden Pass auf Jeff Tembellini einleitete. Zudem zeigte sich McCarthy in Zürich sehr diszipliniert und kassiert nur wenige Strafen (12 Minuten in der Qualifikation). Dass er jedoch auch anders kann, bekam im Halbfinale der Zuger Provokateur Rüfenacht zu spüren…

Wenn es an McCarthy was auszusetzen gibt, dann das er teilweise ein bisschen übermütig wird und Dinge versuchte, die er eigentlich nicht kann – Dribblings und Sturmläufe ins gegnerische Drittel.

“Marathon-Mann” der Zürcher Abwehr
Dass der Zürcher SC eine sehr ausgeglichene Mannschaft hat, sollte nach dem Viertel- und Halbfinal allen klar sein, doch gibt es auch beim ZSC Spieler, welche mehr forciert werden als andere. Einer dieser Spieler ist Steve McCarthy – er steht bei praktisch allen wichtigen Moment auf dem Eis – 25 Minuten Eiszeit und mehr sind keine Seltenheit. Steve, dies kann man bereits heute sagen, war genau der Mann, welcher der Zürcher Verteidigung noch gefehlt hat. Eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages, würde darum auch nicht überraschen und wäre, gemessen an seinen Leistungen, auch verdient.

Einen Steve McCarthy in dieser Form, wird auch im Final von Nöten sein, wenn man den Titel nach Zürich holen will…

Zwischen der leeren Halle und dem Eishockeyfieber

Nicht zum ersten Mal verlief die Qualifikation nicht nach Wunsch, aber zum ersten Mal war diesmal die Konsequenzen ersichtlich: ein akuter Zuschauerschwund während den Heimspielen. Mit 6283 Zuschauern gegen Genf-Servette, wurde ein deutlicher Minusrekord erreicht. Auch wenn die Zürcher noch immer den zweithöchsten Zuschauernschnitt haben, war die diesjährige Auslastung des Hallenstadions enttäuschend.

Auftritte mit wenig Emotionen
Für den mageren Zuschaueraufmarsch gibt es natürlich viele Gründe. Einer der Hauptfaktoren ist sicher der eher uninspirierte Auftritt in gewissen Heimspielen. Ebenfalls massgeblich ins Gewicht gefallen sein, dürften die vielen Heimniederlagen zum Auftakt der Qualifikation. Offensichtlich war auch die tiefe Zuschauerzahl an Heimspielen an einem Dienstag, da zogen es vielle offenbar vor, zuhause einen Fussballabend zu machen, anstatt in die Halle zu pilgern.

Viele Dienstagsspiele
Dass es viele solcher Dienstagsspiele gibt – Saison für Saison – hat seinen Ursprung in der Hallenstadionproblematik. Oftmals wird die Halle am Samstag für Konzerte oder andere Events verbucht. Da diese unter dem Strich mehr Profit erwirken und das Eishockey als Lückenfüller optimal scheint, muss der ZSC immer wieder ausweichen.

Sonderfall Playofferfolg
Etwas anders sieht dies in den Playoffs aus. Zwar stellt sich die Problematik der Hallentermine auch dort, doch sie hat einiges weniger Einfluss auf den Zuschaueraufmarsch. Dreimal war die Halle bis auf wenige hundert Plätze ausverkauft und im letzten Spiel der Halbfinalserie sogar zum ersten Mal ganz. Für den Final dürfte die Arena ebenfalls ausgebucht sein, ob gegen Bern oder Fribourg spielt da nicht einmal einen grossen Faktor.

Playoffstimmung auch auf den Rängen
Klassisches Beispiel für die herrrschende Euphorie in der Stadt, war die Welle am vergangenen Samstag. War über weite Strecken der Qualifikation nur der dritte Rang zu hören, sprang der Funken nun auf das gesamte Stadion über. Ob tobender Hexenkessel oder totenstille Eventhalle liegt an zwei Faktoren: An der Zuschauerzahl und dem Erfolg der Mannschaft.

Also los, füllen wir die Halle!

Die letzten drei Jahre im Rückblick

ZSC gewinnt den Victorias Cup

ZSC gewinnt den Victorias Cup

Irgendwie hat es der ZSC geschafft, er ist aus dem negativen Strudel, welcher er sich vor
drei Jahren mit dem CHL-Titel und dem Victorias-Cup selbst erspielt hat, entkommen. Die aktuelle Finalqualifikation könnte mehr als nur eine starke Phase sein, sondern vielmehr eine Trendwende. Trotzdem sollten auch im Erfolg und in der Euphorie, die Vergangenheit und die negativen Erlebnisse nicht ganz ausgeblendet bleiben. Wir drehen das Rad der Zeit deshalb noch einmal zurück und betrachten die letzten drei Saions etwas genauer.

Saison 2008/09 – Qualifkation: 2. Platz / Playoff: Viertelfinal-Out gegen Fribourg-Gotteron
Vor der Saison:
Die Erwartungen zum Auftakt der Spielzeit 2008/09 waren gross. Als amtierender Meister durfte der Titelanspruch durchaus öffentlich ausgesprochen werden. Nebenbei durfte auch noch die neu gegründete Champions Hockey League absolviert werden.
Der Saisonverlauf:
Platz 2 war gut, aber nicht überragend. Vielmehr machten die Zürcher auf internationaler Ebene Schlagzeilen. Der Titel in der Champions-Hockey League bescherte den Zürchern einen Eintrag im Geschichtsbuch. Mit Ryan Gardner war ein erfolgreicher Scorer im Zürcher Team, der insgesamt 25 Tore erzielte. Für die Viertelfinals wartete mit Fribourg-Gotteron ein doch eher leichter Gegner – zumindest auf dem Papier. Wohl mit einer gehörigen Portion übertriebenem Selbstvertrauen erhielten die Zürcher bereits im ersten Spiel die Quittung dafür – 3:1 wurden sie vor heimischem Publikum besiegt. So ein kleiner Ausrutscher zu Beginn konnte doch die Zürcher nicht aus dem Konzept bringen, oder doch? Nun, am Schluss stand es 4:0 und die Fribourger feierten überschwänglich den Halbfinaleinzug.

Saison 2009/10 – Qualifkation: 6. Platz / Playoff: Viertelfinal-Out gegen den EV Zug
Vor der Saison:
Natürlich war das Scheitern im Viertelfinal gegen Fribourg nur ein Ausrutscher und entsprechend hoch waren auch im folgenden Jahr die Ziele. Mindestens der Halbfinal war die Formulierung vor Saisonbeginn und wer die CHL gewinnen kann, der sollte doch auch Meister werden können.
Der Saisonverlauf:
Trotz eines ansprechenden Starts, mit sechs Siegen aus den ersten sieben Partien, wurde den Fans ziemlich schnell klar, dass die Erwartungen und die Realität nicht miteinander korrespondieren. Auch wenn im September 2009 mit dem Sieg über die Blackhawwks noch ein weiterer Meilenstein zur Zürcher Clubgeschichte hinzukam, war nicht alles im Lot. Positive Lichtblicke in dieser Saison waren Bärtschi und Flüeler, die ihre Leistungen abrufen konnten. Mit Platz 6 nach der Qualifikation wartete der EV Zug als Gegner in der ersten Runde. Auch wenn Zug mit Platz 3 eigentlich Favorit gewesen wäre, so sah man dem Gegner aus der Innerschweiz doch eher gelassen entgegen. Das Ergebnis sprach aber eine andere Sprache, nach sieben Partien war Schluss und der ZSC bereits zum zweiten Mal frühzeitig in die Ferien verbannt.

Saison 2010/11 – Qualifkation: 7. Platz / Playoff: Viertelfinal-Out gegen den EHC Kloten
Vor der Saison:
Ganz so klar, wie noch in den Jahren zuvor, waren die Zielsetzungen im folgenden Jahr nicht mehr. Auch wenn die Ansprüche natürlich immer hoch sind, so wurde diesmal wenigstens etwas dezenter kommuniziert. Mit Gustafsson war zudem ein neuer, prominenter Trainer an die Bande gekommen, welche die Mannschaft einen Schritt nach Vorne bringen sollte.
Der Saisonverlauf:
Doch mit ihm und trotz Zuzügen von Murphy, Westcott und Nolan blieb der Erfolg auch in der dritten aufeinanderfolgenden Saison aus. Mit Platz sieben war das Abschneiden noch etwas schlechter, als bereits ein Jahr zuvor. Und wer in den Playoffs auf Besserung hoffte, der tat dies vergebens. Mit dem EHC Kloten war der Gegner zwar lukrativ, aber ebenfalls noch eine Hürde zu gross. Mit 4:1 schickten die Klotener den ZSC in die Ferien.

FINAAAALEEEEE OHO!!!!

Auch gestern fanden die Zürcher Festspiele in den diesjährigen Playoffs kein Ende. Spätestens mit dem zweiten Tor von Reto Schäppi, und dem 4:0 am gestrigen Abend, durfte die Partie und auch die Serie als gewonnen betrachtet werden. Auch wenn dies ein Sportler natürlich nie zugibt, so genoss der ZSC die letzten Minuten und verschonte wohl Zug damit vor noch mehr Gegentreffern, abgesehen vom herrlichen 5:0 im Boxplay durch Jeff Tambellini.

Wertloses Papier - Die Tickets für ein sechstes Halbfinalspiel.

Wertloses Papier - Die Tickets für ein sechstes Halbfinalspiel.

Die Halle und der Stadionspeaker ausser Rand und Band
Giovanni Marti, seines Zeichen Stadionspeaker im Zürcher Hallenstadion, lies seinen Emotionen nach dem Spiel freien Lauf, so wie fast alle ZSC Fans. Immer und immer wieder brüllte er ins Mikrofon “Züri, mir sind im Final!” Und jedes Mal brandete erneut grosse Begeisterung durch das Stadion in Oerlikon. Das Hallenstadion, welches heuer zum ersten Mal ausverkauft war, zeigte sich allgemein von seiner besten Seite am gestrigen Abend. Bereits kurz nach Spielbeginn stand fast die ganze Arena und für einmal dürfte wohl auch der coolste Spieler auf dem Feld Gänsehaut bekommen haben.

Die Einflüsse des
“I’m always happy”, antwortete Bob Hartley auf die Frage nach seinem Gemütszustand, unmittelbar nach dem achten Sieg in Folge. Natürlich war diese Aussage etwas gemogelt, war Hartley doch in der Qualifikation das eine oder andere Mal auch angesäuert vor der wartenden Medienschar aufgetreten. Nun ist dies aber nicht mehr nötig, die Mannschaft hat das Spielsystem von Hartley verinnerlicht und beinahe in Perfektion umgesetzt. Mit grossen Erwartungen wurde der kanadische Trainer beim ZSC empfangen und im absolut richtigen Moment kann er diese nun auch erfüllen!

Die Kontrolle des Gegners als Schlüssel
Schon vor der Serie war klar, der ZSC muss Brunner, Metropolit und Holden in den Griff kriegen. Nun, vier Spiele und fünf Gegentreffer später, darf diese Zielvorgabe definitiv als erreicht gewertet werden. Es war beeindruckend, wie stark die Zürcher defensiv agierten und dies nicht nur mit den Verteidigern, sondern meist auch mit allen Offensivkräften, die auf dem Feld standen. Dies verunsicherte die Zuger Power-Offensive und so versuchte Brunner ab Spiel 2 mit grossen Worten auf und neben dem Eis die Serie noch einmal zu wenden. Doch er blieb erfolglos. Zürich reagierte nur dezent auf die Provokationen des Topscorers und wurde dafür mit dem 4:0 in der Serie gegen den EV Zug belohnt.

Finalgegner Bern oder Fribourg
Egal wer sich der Zürcher Mannschaft im Final entgegenstellt, es darf ein packendes und hartes Finale erwartet werden, bei dem der ZSC noch eine grosse Herausforderung erwarten kann: Wie geht er mit einer Niederlage in einem Playoffspiel um? Es darf nicht erwartet werden, dass der ZSC mit einem erneuten Sweep auch den Final gewinnt und so als erste Mannschaft mit 12:0 Siegen zum Meistertitel durchgeht. Da sich Fribourg aber gestern noch einmal vor dem drohenden Saisonende retten konnte, muss sich der ZSC noch etwas auf den Finalstart gedulden (frühestens am Samstag) und wir können uns noch etwas länger über den unerwarteten Finaleinzug freuen.

Züüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüürriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii, mir sind im Final!

Zuger Provokationen – Zürcher Ruhe

War Zug am Dienstag zumindest nicht bevorteilt durch die Leistung der Schiedsrichter, so dürfte in diesem Bereich nun wieder mindestens Gleichstand herrschen. Nur gerade drei kleine Bankstrafen mussten die Zuger hinnehmen und dies trotz diversen Provokationen und verdeckten Fouls.

Psychologische Spiele der Zuger
Vor dem Spiel packten die Zuger alle Möglichkeiten um das psychologische Momentum ein wenig in die Innerschweiz zu ziehen. Der Topscorer des EV Zug meinte sogar, dass überschätzt werde und nur dank seinen Vorderleuten gross auftrumpfe. Auch die Zuger Fans schlugen in die gleiche Kerbe und versuchten Flüeler zu verunsichern. “De Luki isch nervös”, erklang es aus der Zuger Nordkurve – es klang schon fast gebetsartig. Dagegen gibt es eigentlich nur etwas, einen kurzen Blick auf die Statistik – 96.38% Fangquote sagt dabei eigentlich alles.

“De Brunner isch nervös, de Brunner isch nervös”
Im Spiel zeigte sich dann, dass Lukas Flüeler zwar keine Maschine ist, aber mittlerweile mit einem unglaublichen Selbstvertrauen ausgestattet ist. In den ersten 34. Minuten wehrte er und seine Hintermannschaft alle Angriffsversuche der Zuger erfolgreich ab und selbst als das erste Gegentor fiel, da war die Defensive der Zürcher sofort wieder auf dem Posten. Es folgte die 40. Spielminute und ein Stimmungswandel, wie sie die Hertihalle wohl schon lange nicht mehr erlebt hat. Verzweiflung, Wut und Ratlosigkeit wendeten sich innert Sekunden zu Schadenfreude, Überheblichkeit und Hochmut. Die Aktion, welche diesen Stimmungswandel hervorrief, war das Tor von Fischer. Erst da bemerkte man, wie nervös die Zuger eigentlich sind – Damien Brunner fuhr zu Seger und Flüeler und mischte sich in deren Konversation ein. Wohl um Lukas Flüeler mitzuteilen, dass er eben doch massiv überschätzt werde.

Grosse Reaktion von der gesamten Mannschaft
Aber der 23-jährige reagierte genau so, wie es sich für einen grossen Torhüter gehört. In der Folge liess er noch etwas weniger zu und brachte damit Brunner & Co. in das alte Fahrwasser zurück – viele Chancen, aber kaum Tore. Neben Flüeler wurden natürlich auch andere mit Provokationen eingedeckt, so musste Bärtschi innert weniger Sekunden gleich drei Mal den Handschuh eines gegnerischen Spielers aus seinem eigenen Gesicht entfernen. Doch alle blieben sie ruhig und gaben damit Zug und dem Publikum kaum Angriffsfläche. Was dann in der 64. Minute folgte wissen wir alle, es war wohl der schönste Moment in dieser Playoffkampagne – hoffentlich nicht der letzte schöne Moment!

Auf gehts Zürcher!