Nein zum verschärften Konkordat – Ein Gastbeitrag der Sektion Uruguay 2002 und Crew Eleven

Zuletzt ist es auf diesem Blog zu Diskussionen um die Verschärfung des „Hooligan-Konkordats“ gekommen. Wir begrüssen es sehr, dass es überhaupt zu Diskussionen kommt und sich Fans kritisch mit gewissen politischen Vorgängen, die sie alle betreffen, beschäftigen. Diese Diskussionen würden wir gerne mit einem Gastbeitrag auf dem zscblog aufnehmen und vorantreiben. Die Abstimmung vom 9. Juni über die Verschärfung des Konkordats ist auch für unsere Fanszene von zentraler Bedeutung. Deshalb fordern wir alle Fans auf, sich an dieser Abstimmung zu beteiligen und auch ihr Umfeld, welches sich allenfalls weniger für Eishockeyspiele interessiert, aufzuklären.

An Sportanlässen kommt es immer wieder zu Gewaltvorfällen. Beim ZSC tendieren diese Vorfälle gegen null – dies ist nicht zuletzt einer konstruktiven Fanarbeit zu verdanken, wie sie in den letzten Jahren beim ZSC betrieben wird. Trotzdem: Es bestreitet niemand, dass man gegen die Gewalt Massnahmen treffen muss. Die Frage ist bloss, welche. Die Verschärfung eines Konkordats, dass sich schon in seiner zweijährigen Praxis (seit 2010 ist das Konkordat bereits in Kraft) nicht bewährt hat, gehört nicht zu einer sinnvollen Massnahme. Schlimmer noch, das Konkordat wird vieles zerstören:

1. Den Sport: Bei der Vernehmlassung zum Entwurf der Konkordatsverschärfung warnten die Verbände (die Fans wurden im Übrigen nicht einmal angehört), dass der Spielbetrieb massiv gefährdet ist. Der Spielplan ist jetzt schon dicht gedrängt, was geschieht, wenn Spiele nicht durchgeführt werden können, weil die Bewilligung nicht erteilt werden? Ein normaler Meisterschaftsbetrieb wäre dann nicht denkbar.

2. Die Fankultur: Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) spricht schon heute von Choreo und Fahnenverbot. Wenn man alles verbannen will, das kritisch und wild ist und das man nicht zu 100 Prozent unter Kontrolle hat, wird man die Stimmung, die bei 99.9 Prozent aller Spiele positiv ist und die Spieler und andere Zuschauer so sehr schätzen, aus den Stadien verbannen. Und was am meisten stört: Alle Fans, egal in welchem Sektor sie das Spiel besuchen, werden unter den Verdacht gestellt, Gewalttäter zu sein und werden im Kollektiv bestraft: Das Alkoholverbot gilt für alle Sektoren (ausser der VIP-Loge), alle Fans müssen beim Betreten des Stadions ihre ID vorweisen und sich im Intimbereich durchsuchen lassen und allen, welche ihre Mannschaft auswärts unterstützen wollen, wird vorgeschrieben, wie sie an das Spiel anreisen müssen.

Die Spiele der obersten Eishockey- und Fussball-Liga besuchen jährlich fünf Millionen Zuschauer. Es ist absolut unverhältnismässig, diese fünf Millionen wegen 500 „Gewalttätern“ (siehe Fakten am Ende dieses Beitrages) zu verurteilen.

3. Den Rechtsstaat: Dieser Punkt ist wohl der entscheidendste und verheerendste Punkt, weil er zeigt, dass dieses Konkordat nicht bloss Fans trifft, sondern den Schweizer Rechtsstaat in Frage stellt. Das Konkordat schafft eine Zweiklassengesellschaft, dies zeigt folgendes Beispiel: Sprayt jemand seinen Namen an eine Hauswand und wird dabei erwischt, erhält er dafür gemäss dem Strafgesetzbuch eine Busse. Tut er es aber vor oder nach einem Fussball-/Eishockeyspiel, bezahlt er nicht nur eine Busse, sondern er wird in die Hooligandatenbank eingetragen und somit mit jemandem gleichgesetzt, der andere brutal verprügelt. Er wird ein Rayonverbot von bis zu drei Jahren erhalten und kann sich in allen Schweizer Städten, in denen ein Fussball-/Eishockeyspiel stattfindet für 4 Stunden vor dem Spiel, 2 Stunden während dem Spiel und 4 Stunden nach dem Spiel nicht mehr frei bewegen dürfen (ganz egal, ob er in irgendeiner Form etwas mit dem ausgetragenen Spiel zu tun hat). Zudem erhält er ein zweijähriges Stadionverbot. Er wird also doppelt und dreifach bestraft, weil er Fussball-/Eishockeyfan ist. Das widerspricht Grundsätzen eines Rechtsstaates, in dem Rechtsgleichheit gilt. Weiter schafft das Konkordat die Unschuldsvermutung ab: Die „glaubwürdige“ Aussage eines privaten (!) Sicherheitsdienstes reicht aus, um jemanden in die Hooligandatenbank aufzunehmen und mit entsprechenden Massnahmen (Rayonverbot) zu belegen. Kein Gericht muss einem Fan sein Vergehen nachweisen, im Gegenteil: Er muss vor Gericht beweisen, dass er unschuldig ist und erst dann wird (vielleicht!) das Rayonverbot aufgehoben.

Fakten

– Sicherheitsempfinden der Spielbesucher
Von 4200 befragten FC Basel Fans fühlen sich 95,1 Prozent vor und nach dem Spiel, gar 98,4 Prozent während dem Spiel „sicher“ oder „sehr sicher“. Noch deutlicherer bei den 3000 befragten YB-Fans: 97,2 Prozent vor und nach dem Spiel, 99,0 Prozent während dem Spiel. (Quelle: Sportwissenschaftliches Institut der Uni Bern).

– Zuschauerzahlen
Im Eishockey besuchten in der vergangenen Saison im Durchschnitt 6620 die Spiele – so viel wie nirgendwo sonst in Europa und so viel wie noch nie im Schweizer Eishockey. Im Fussball lassen sich die Zahlen zwar nicht mit den Top-Ligen von Europa vergleichen und dennoch steigen auch da die Zuschauerzahlen seit Jahren stetig an. In der Vorrunde der aktuellen Saison waren es durchschnittlich 12 619 Zuschauer – ebenfalls so viele wie noch nie. Gemäss Aussagen der Vereine kaufen sich immer mehr Frauen Saisonkarten und die Familiensektoren gehören zu den am besten ausgelasteten Sektoren.

– Hooligans
Christoph Vögeli, Chef der Schweizerischen Zentralstelle für Hooliganismus, sagt, dass es in der Schweiz aktuell 100 bis 150 aktive Hooligans gibt.

In der Hooligandatenbank sind aktuell rund 1300 Personen verzeichnet. Davon sind aber lediglich 500 mit Massnahmen belegt (die anderen sind ohne Massnahme drin, weil diese abgelaufen sind oder aufgehoben wurden). Von diesen 500 ist der Grossteil wegen harmloseren Delikten verzeichnet (Einsatz von Feuerwerk, Landfriedensbruch, Beschimpfung, Tätlichkeit, Verstoss gegen das Vermummungsverbot, Behinderung einer Amtshandlung). Die Zahl derjenigen, welche wegen physischer Gewalt (Körperverletzung oder Gefährdung des Lebens) in der Datenbank sind, befindet sich im tiefen zweistelligen Bereich.

Abstimmungsempfehlung
Aus den oben genannten Gründen, weil wir die positive Fankultur erhalten wollen und Fanarbeit statt Repression weiter fördern wollen, empfehlen wir ein klares NEIN zum verschärften Konkordat. Geht stimmen! Überzeugt all jene, die sich nicht mit diesen Themen auseinandersetzen. Es ist wichtig für uns alle: NEIN am 9. Juni!

Abstimmungskampf: Nein zum Konkordat

Jetzt geht es los, in den nächsten Tagen werden in diversen Gemeinden die Stimmzettel für die am 9. Juni 2013 anstehenden kantonalen Abstimmungen verteilt. Damit geht auch der Kampf gegen das erwähnte Konkordat in die entscheidende Phase. Es wird wichtig sein, die Unbeteiligten, jene welche nur die oft überspitzte Wahrnehmung der Medien und vieler Politiker hört, zu informieren, ja gar aufzuklären.

922937_358266204274293_1161636075_nViele Matchbesucher, welche regelmässig Hockey-, oder auch Fussballspiele besuchen, wissen, dass das jetzt geschürte Bild in den Medien nicht der Realität entspricht und durch eine Annahme des Konkordats kein Fortschritt, sondern viel mehr eine Bevormundung und ein Einschnitt in die persönlichen Rechte erfolgt.

Dieser natürlich sehr schwierige Kampf ist bereits im vollen Gange. Flyer wurden verteilt, Informationen wurden gestreut und nun folgen auch noch eine Reihe von Podiumsdiskussionen – quasi „Konkordat on Tour“. Schön wäre es, wenn der eine oder andere von euch ebenfalls an diesen Abenden erscheinen würde. Die Daten dieser Diskussionen findest Du unten.

Denn am Schluss ist klar: Jede Stimme gegen das Konkordat zählt – besonders DEINE!

Weitere Infos zum Komitee gegen das Konkordat findest Du hier:

http://www.kollektivbestrafung-nein.ch/startseite

Natürlich darfst Du uns für Fragen auch ungeniert via Kontaktformular oder per info@zscblog.ch kontaktieren!

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