Sind wir uns der Tragweite bewusst?

Als der Gegner für den Viertelfinal fest stand, der EHC Biel, dürften sich viele gefreut haben, schätzten sie doch Biel als den schwächstes der sieben anderen Teams ein. Nun gut zwei Wochen später, steht es zwar 3:3 in der Serie, aber noch immer nicht wird der EHC Biel ganz ernst genommen, ja teilweise sogar leicht belächelt. Aber die Jungs haben uns nun kurz vor dem Ausscheiden und wenn sie am Samstag noch einen Coup landen, dann sind wir die Affen und die feiern bis in alle Nacht!

Es ist nicht so, dass dieses Verhalten explizit für die Spieler oder Fans gilt. Nein für alle, inklusive Zürcher Medien. Im Einklang ist hier der Tenor: Respekt für Biel und deren kämpferische Leistung auszumachen, aber immer mit einem leicht fahrlässigen Unterton und immer mit dem Gedanken, die Qualität wird sich dann schon durchsetzen. Irgendwann, auf die Länge.

Natürlich, der ZSC ist besser und breiter aufgestellt auf allen Positionen. Doch er verpasst aktuell den Aufsprung auf den Playoff-Express, er verpasst es in diese Kampagne Leidenschaft und Wille zu packen. Es ist wie David gegen Goliath, nur, dass der Riese noch leicht verträumt in der Gegend umherirrt und David auf leisen Sohlen eine der grössten Eishockeysensationen der Geschichte nicht mal mehr plant, sondern kurz vor der Fertigstellung seines Werkes steht.

Wenn nicht alle begreifen, wie gefährlich uns dieser EHCB wurde und noch werden kann, dann stehen wir morgen Abend in der Halle da, wie die Deppen der Nation. Klaus Zaugg darf auf watson schreiben, warum er es schon von Beginn an wusste und Simon Graf und Ulrich Pickel dürfen ihre sachlichen Analysen aufs Papier bringen. Doch dann wäre es bereits zu spät. Es geht morgen um nicht weniger als die grösste Schmach der Eishockey-Neuzeit: Millionen gegen Leidenschaft. Am Sonntag kann die Grillsaison eröffnet werden, der Sommer beginnen, wenn wir nicht alle den EHC Biel jetzt ernst nehmen und uns der Tragweite der morgigen Partie bewusst werden!

Es ist Playoffs und wir machen noch eins

EHC Biel – ZSC 3:1 (0:0, 1:0, 2:1)

Dass es das letzte Zürcher Gastspiel im alten Bieler Stadion sein wird, war schon vor dem ersten Puckeinwurf. Ob es allerdings auch das letzte Meisterschaftsspiel im altehrwürdigen Stadion war, konnte noch nicht abschliessend gesagt werden. Sicher war aber auch, dass der ZSC sich mit dem 3:0 Heimsieg am vergangenen Dienstag in eine deutlich bessere Ausgangslage manövriert hatte und es nun noch eine konzentrierte Leistung benötigte, bis der Halbfinaleinzfug Tatsache war. Zurück auf dem Eisfeld war Mark Bastl, der nach einigem Verletzungspech nun wieder aktiv mit in den Playoffkampf eingreifen kann. Diesmal reisten gut 150 Fans nach Biel um hoffentlich den Einzug in die Halbfinals zu feiern.

Ein guter, aber torloser Start
Das Spiel dann begann so, wie man es erwarten konnte, der Z im Vorteil. Biel oftmals überfordert beim Forechecking des ZSC, aber entweder spielten es die Gäste zu kompliziert oder Rytz hielt stark. Der Torhüter von Biel darf als die Konstante in dieser Serie herausgestrichen. Bis auf wenige Ausnahmen spielte er auf einem klasse Niveau, dass den ZSC beinahe zum Verzweifeln brachte. Doch bereits heute merkte man, dass die Zürcher Spieler den Respekt vor dem Bieler Torhüter etwas ablegten, frecher agierten und auch ab und zu etwas wagten. Dass es am Ende des Drittels dennoch 0:0 stand, war unter der Bedeutung dieses Spiels wenig erstaunlich.

Zürich besser, Biel in Front
Auch im zweiten Drittel bot sich ein ähnliches Bild: der ZSC die stärkere Mannschaft, aber nur besser sein reicht nicht und so kam es, wie niemand hoffte, aber eben viele wohl befürchtete, der EHCB ging in Führung. Ein wunderbarer Spielzug von Biel, der diesen Treffer besiegelte. Er musste sich selber an der Nase nehmen, der Z, hatte er es doch schon lange in der eigenen Hand gehabt. Ja, für Biel kam es noch besser, während vier Minuten hatte er die Chancen nachzulegen. Doch ausgerechnet in dieser Zeit hatte der ZSC die besten Chance. Shannon hatte Rytz schom ausgelassen, versiebte aber. Der nächste Konter dann fuhr Keller, aber diesmal hielt Rytz genial. Er war es, der den EHCB im Spiel hielt und so ging es mit diesem Resultat in die Pause.

Irgendwie die Belle erzwungen
Das letzte Drittel war dann eines, welches ich lieber vergessen würde. Zürich nicht mutig, Biel eben mit dem nötigen Kämpferglück und so stand es am Schluss verdient 3:1 für den EHCB – trotz des Ausgleiches von Geering in der 45. Minute von Geering. Respekt an Biel, wir sehen uns am Samstag zu eurer letzten Partie in dieser Saison. Geniesst es, ihr habt es verdient!

Am Donnerstag in Biel hat er den ersten Matchpuck

ZSC – EHC Biel 3:0 (1:0, 0:0, 2:0)

Seit dem Samstag ist alles wieder auf Null – Künzle sei Dank! Mit einem Sieg in höchster Not konnte das Team von Crawford die Serie wieder ausgleichen und so den Druck wieder etwas von sich nehmen, ansonsten wäre dies heute, bereits die letzte Chance gewesen und der Sommer schon bedrohlich nahe. Nach diesem Sieg sprachen viele bereits von einem Wendepunkt in dieser Serie, dies allerdings glaubte man auch schon nach dem Ausgleich zum 1:1. Nun, dass sollten sich auch alle Fans und Spieler bewusst sein, dass schwierigste Spiel ist immer das nächste und auch wenn es eine alte, ausgelaugte Hockeyweisheit ist, so dürfte sie wohl selten so passen wie an diesem Dienstagabend. Was war die Taktik, seit dem dritten Drittel in Biel checkten die Zürcher mit zwei Spielern vor, eine Taktik die sich auszahlte.

Der Z deutlich stärker, aber mit wenig Ertrag

Bully mit Ryan Shannon und Pär Arlbrandt

Bully mit Ryan Shannon und Pär Arlbrandt

Von Beginn am drückte der ZSC diese Taktik mit zwei forcheckenden Spielern durch. Biel dadurch zumeisz nahe an der Überforderung, kaum Chancen für den EHC Biel. Besonders Wick und Malgin fielen in diesen ersten Minuten auf, Wick durch seine ungemeine Präsenz, Malgin durch seine schnelle, wendige Art. Der EHCB oftmals nur auf Augenhöhe mit Strafen und so kam der ZSC zu einigen Powerplays. Doch ausgerechnet im Überzahlspiel wirkte das Team von Crawford wenig stillsicher – fast so, wie in der Qualifikation. Dennoch, es gab wenig Zweifel darüber, wer die bessere Mannschaft war und nach 17. Minute zahlte sich dies dann auch aus. Cunti tankte sich durch, passte zur Mitte und dort brachte Bärtschi seinen Stock backhand an die Scheibe. Der Hartgummi landete wunderbar im Torengel.

Der Treffer mehr als überfällig und daher auch diskussionslos. Was machte das Team von Schläpfer? Eine Reaktion blieb aber aus, ob im ersten oder zweiten Drittel und so powerte der Z weiter. Manchmal schien es fast so, als würde er das nach Belieben tun. Die dritte Linie der Zürcher erstickte die beiden Bieler Linien sogar, dass einzige was fehlte, waren die weiteren Tore und so war eben doch jede noch so kleine Aktion der Seeländer gefährlich. Zum Glück aber war auch Flüeler und seine Verteidigung in den Playoffs angekommen und so gab es keine Tore bis zur zweiten Pause.

Mit zwei Toren alles klar gemacht

Emanuel Peter gegen Patrick Geering

Emanuel Peter gegen Patrick Geering

Schnell im dritten Drittel machte Keller alles klar, er zog in der 41. Minute von der Seite hinein, Biel machte zu wenig und am Ende versenkte Keller die Scheibe. Wie wichtig dieses Tor war, zeigte sich mit jeder weiteren Spielminute. Biel konnte nicht mehr zusetzen und so erstaunte es wenig, dass es Shannon am Ende ins leere Tor richtete. Es war nicht so, dass alles gut war beim ZSC, aber mit der nötigen Cleverness und den Kräfteverhältnissen war es am Ende eine klare Sache.

Aber sowohl Crawford, wie auch Schäppi waren sich einig, dass zwar vieles besser, aber noch lange nicht alles gut war. Es braucht noch eine sehr gute Leistung und dann darf der Z mòglicherweise feiern, es wäre eine grosse Erleichterung, aber noch ist es lange nicht so weit.

Weitere Bilder neu auf www.faszination-zsc.ch

Eine nicht mehr geglaubte Wende geschafft!

EHC Biel – ZSC 2:3 (0:0, 2:0, 0:2, 0:1) n.V.

Einfach geht es nicht, zumindest nicht beim ZSC. Es scheint fast so als könne der ZSC, egal ob Favorit oder Aussenseiter, egal ob erster oder fünfter, nie einen Auftakt in die Playoffs klar gestalten. So verwundert es dann halt eben wenig, dass bereits heute wieder ein kleines Finalspiel – wohlgemerkt in der Partie vier – ansteht. Nunja, man ist es sich als ZSC Fan beinahe gewöhnt und so nahm man auch diese Herausforderung an.

Ein Abtasten und dann ein Rückschlag
Die Spieler nahmen sie an die Herausforderung, von Beginn an war das Kredo klar: die Defensive hat Priorität uns so hatte Biel dann zwar ein klares Torchancen plus, aber kaum sehr gute Möglichkeiten im ersten Drittel und jene die sie bekamen, machte Flüeler mehr oder weniger souverän zu Nichte. Der Z selber hatte einige gute Chancen, aber auch nicht viele Hochkaräter. So erstaunte es dann nicht, dass das Spiel mit 0:0 in die Pause ging.

Man hatte fast das Gefühl, dass der ZSC da einen Gameplan hatte, doch ziemlich schnell musste ich diese Meinung revidieren. Auch im vierten Spiel dieser Serie war der ZSC nicht bereit, der EHCB dagegen schon. Sie fighteten, machten die Räume eng und der Z war dann, wenn es darauf ankam nicht fähig für eine Reaktion. Ein erstes Mal war dies nach dem 1:0 für Biel in der 27. Minute. Aber statt das Spiel in die Hand zu nehmen, ging es weiter wie bis anhin. Fast lethargisch wirkte das Spiel der Zürcher, ja es war bitter für die rund 300 mitgereisten Z Fans. Besserung? Sie war noch lange nicht in Sicht, denn nach 33. Minuten gab es dann auch noch den zweiten Treffer des Heimteams zu bestaunen – tolle Sache! Der Capo der Bieler rief es aus: „dass isch de Playoff Viertelfinal, mir füehred 2:1 i de Serie und i dem Spiel mit 2:0“. Mehr Blamage ging zu diesem Zeitpunkt nicht, irgendwie war gerade alles wie am Ende.

Eine epische Wende im Mitteldrittel
Es sprach gar nicht viel für den ZSC, ja eigentlich wohl gar nix. Der Z hatte es verspielt, oder doch nicht? Ein leichter Hoffnungsschimmer gab es in der 43. Minute Cunti traf, eigentlich aus dem Nichts, und brachte die Hoffnung zurück. Doch der Z konnte seine Pace nicht halten, da der Schiedsrichter doch etwas kurios pfiff. Dennoch, beim Z ging ein Ruck durch die Mannschaft, sie hatten scheinbar begriffen um was es geht. Doch der Schiedsrichter war stets bemüht, dem Z ein Bein zu stellen, zwei Minuten vor Ende, es war die dritte Strafe wegen zu vielen Spielern auf dem Eis. Es schien alles verloren, doch es war eben noch nicht so, weil es Playoff ist. Flüeler ging vom Eis und Keller löste Orgasmen aus, ja es war eine totale Eskalation im Zürcher Sektor. Alle lagen sich in den Armen und es war geschafft, ein Shorthander führte zum späten Ausgleich. Eine unfassbare Wende!

In der Verlängerung über sich herausgewachsen
Auch in der Verlängerung war der EHC Biel eigentlich die bessere Mannschaft, aber eigentlich ist eben ein Wort, dass für gar nichts ist. Und so kam es, wie es sich die Bieler gar nicht zu gedenken vermochten. Künzle haute die Scheibe in Baseball-Manier zum 3:2 rein! Es war riesig, ein Treffer in die totale Euphorie, mehr brauchte es gar nicht! Wir haben gewonnen und sind zurück in der Serie. Danke für alles!

Konzeptlos, besser, verloren

ZSC – EHC Biel 2:3 (1:2, 1:0, 0:0, 0:0) n.P.

Es ist angerichtet, die Serie wieder ausgeglichen und alles beginnt quasi bei Null. Nicht ganz, denn durch dem Auswärtserfolg des ZSC hat sich das Team von Crawford zumindest einen leichten mentalen Vorsprung erarbeitet, den es aber zuerst einmal heute Abend zu verteidigen gilt. Da das heutige Spiel im TV übertragen wurde, war der Puckeinwurf erst auf 20:15 angesetzt und so mussten sich die Zürcher Fans noch etwas länger, auf die heutige Playoffpartie gedulden. Dabei heute für seine erste Partie in der wichtigsten Phase, Roger Karrer. Neben Malgin und Siegenthaler war er der dritte mit Gitter bei den Zürcher, eine ziemlich beeindruckliche Sache.

Der Auftakt dann weniger beeindruckend
Irgendwie waren alle bereit, ausser die Mannschaft, sie plämperlete bereits in den ersten Minuten wieder auf dem Eis herum. Kein Wunder also, das nach drei Minuten bereits der Führungstreffer für Biel Tatsache war. Peter genoss seine Freiheiten aus und machte den Führungstreffer klar. Das Spiel wirkte konzeptlos, zumindest jenes des ZSC, schon wieder kaum ein vernünftiger Angriff. Von der Anlage her, war es ein ähnliches Spiel, wie am Samstag, bis zur elften Minute, da zog Bergeron ab, Rytz wehrte ab und Malgin machte seinen ersten Treffer. Ein wichtiges Tor, aber konnte der ZSC nachsetzen? Nein, denn Flüeler musste sich nach 16. Minuten wieder geschlagen geben, diesmal im Powerplay. Nun kehrte der Wind wieder, der EHC Biel war cleverer und der ZSC irgendwo, aber nur selten dort, wo er musste.

Dies zog sich weiter, bis weit, weit ins zweite Drittel. Biel immer einen Schritt voraus und so machte es den Anschein, als ob die Favoritenrolle hier eher umgekehrt verteilt war. Da mussten die Z Fans, die aufgrund des Spielverlaufs auch etwas ins Grübeln kamen, zufrieden sein mit dem 2:2 in der 37. Minute. Es lief ein Powerplay, die Zone offen, Nilsson sah dies und sein Pass fand Wick, der alleine vor Rytz stand und die Scheibe in den Engel beförderte. Ein schönes, aber viel mehr ein wichtiges Tor des Z, dessen Bedeutung nicht zu unterschätzen war. Dieses Tor besigelte dann das Pausenresultat für den zweiten Unterbruch.

Es muss die Verlängerung her
Im letzten Drittel dann war es fast ausschliesslich der ZSC, der das Spiel dominierte. Bei Biel merkte man langsam aber sicher, dass sie an ihre spielerischen Limiten kam. Beim Z dagegen spielten Malgin und Siegenthaler bis zum letzten Shift. Trotzdem aber mussten die Z Fans die Entscheidung erdauern, erzittern und ja, sie fiel nicht nach der regulären Spielzeit. Eine Verlängerung musste die Entscheidung bringen, oder doch das Penaltyschiessen?

Die Verlängerung war dann noch mehr Zittern und Bangen, jeder Schuss hätte die Entscheidung sein können. Doch kein Schuss traf ins Tor und so, ja so musste es in das Penaltyschiessen gehen. Die maximale Belastung, die maximale Spannung – mehr geht fast nicht mehr. Loben muss man Tallinder, der das Team immer und immer wieder antrieb, der aber nicht durchkam mit seinen Statements.

Im Penaltyschiessen vorerst schon noch, Shannon und Künzle legten dabei vor, doch danach machte Biel drei Tore und der ZSC keine mehr. So ging Biel, zwar total am Ende, aber eben als verdienter Sieger vom Eis. So wird es schwierig, diese Serie zu gewinnen… Es ist jetzt endgültig fertig mit Warten, jetzt braucht es Charakter. Ade Messi.