Ausführliches Interview zur aktuellen Situation mit Edgar Salis

In Zukunft möchten wir Euch die Ereignisse rund um den Club noch etwas näher bringen. Wir lancieren deshalb ein ausführliches Interview mit einem Exponenten des ZSC, welches in unregelmässigen Abständen erscheint. Es soll jeweils der aktuellen Situation Rechnung tragen, einen Rückblick und einen Ausblick beinhalten. Die Nationalmannschaftspause haben wir genutzt um ein erstes Interview mit unserem Sportchef Edgar Salis zu tätigen.

Edgar Salis

Edgar Salis

Edgar Salis, blicken wir kurz etwas zurück. Ende 2012 durchlief der Z eine schwierige Phase. Mit dem Abgang von Tambellini und der Bekanntgabe der Wechsel von Monnet und Ambühl. Seither aber hat das Team in den letzten zehn Spielen nur gerade drei Niederlagen kassiert und das Feld sieben Mal als Sieger verlassen. Worin siehst Du den Grund für die Steigerung im neuen Jahr?
Am wichtigsten sehe ich die Tatsache, dass ein neuer Trainer Zeit braucht. Zeit dem Team das gewünschte Spielsystem beizubringen und es zu automatisieren. Bob Hartley brauchte im letzten Jahr vier bis fünf Monate und auch Crawford braucht diese Zeitspanne, um die Mannschaft voll und ganz auf sein System ausgerichtet zu haben.

Die Personalentscheide wurden durch die Mannschaft sehr gut aufgefasst. Allerdings waren es mit Monnet und Ambühl auch zwei absolute Profis. Beide gaben nach Bekanntagabe ihres Wechsels noch etwas mehr Leistung und Einsatz. Diesbezüglich legen beide ein vorbildliches Verhalten an den Tag. Natürlich hätten wir beide Spieler gerne gehalten, aber es waren in beiden Fällen private Entscheidungen, die nicht mit Geld kompensierbar sind. Sicher ist aber auch, den beiden gefällt es hier und die wollen einen erfolgreichen Abschluss mit dieser guten Equipe.

Kommen wir kurz zurück zur Anpassungszeit eines Trainers. Wo liegen die grössten Unterschiede zwischen Hartley und Crawford?
Die beiden sind schon von ihren Charakteren her verschieden. Hartley wollte die totale Kontrolle, Crawford dagegen lässt den Spielern etwas mehr Freiraum. In der Defensive lässt Crawford zwar auch die Zone und nicht denn Mann verteidigen, aber die Details machen hier den Unterschied und diese müssen verinnerlicht werden. Offensiv zeigt sich mehr Veränderungen. Bei Crawford können die Spieler kreativer Spielen, sie müssen mehr Entscheidungen selber treffen. Es sind weniger einstudierte Spielzüge. Dies hat aber auch den Nachteil, dass viele Entscheidungen innert Sekundenfrist gefällt werden müssen. Dafür ist das Spiel weniger berechenbar für den Gegner. Auch die einzelnen Spieler müssen sich zuerst in der neuen Rangordnung einfinden und den zum Teil neuen Job innerhalb der Mannschaft kennen lernen.

Im neuen Jahr haben insbesondere die Jungen, wie Cunti, Kenins und Co., mehr Verantwortung erhalten. Wurde das auch von der sportlichen Leitung explizit gefordert oder ist das ein Entscheid, welcher einzig und alleine durch den Trainerstaff gefallen wurde?
Grundsätzlich ist das nicht von uns gekommen, aber wenn wir Cuntis Saisonverlauf betrachten, dann hatte er keine einfache erste Saisonhälfte. In der Vorbereitung war er verletzt und dann ist es nicht einfach dich sofort wieder in das Spiel einzubringen. Dazu kommt, dass der neue Trainer in den ersten Wochen seine Mannschaft geformt hat. Auch wenn er Cuntis Talent von Anfang an sah, so braucht es nach solch einer Verletzung immer Zeit diese Teilchen wieder in eine Mannschaft einzufügen.
Und natürlich sind die jungen Spieler jene, welche unsere Zukunft sind. Am Anfang dieser Saison hatten aber Monnet und Bärtschi, welche in der letzten Saison noch mehr Mühe hatten, einen sehr guten Start und so logischerweise auch etwas mehr Eiszeit erhalten. Für die Entwicklung der aufstrebenden Talente ist es sicher kein Nachteil, dass sie erneut auf die Probe gestellt wurden und dem neuen Trainer den absoluten Willen, genügend Eiszeit in der Meisterschaft zu erhalten, zeigen mussten. Diesen Schritt haben unsere jungen Spieler sehr gut und erfolgreich getan und sie mussten sich natürlich zuerst auch etwas vom Meistertitel erholen. Es ist nicht einfach im April den Pot in die Höhe zu stemmen und zwei Monate später wieder das Bewusstsein zu erlangen, dass dieser Titel der Vergangenheit angehört und alles wieder von Null beginnt. Sie alle durchlebten einen Reifeprozess, welcher ihnen wohl auch aufzeigte, dass man nicht alles und dies auch noch sofort haben kann. Geduld ist im Sport immer ein zentraler Faktor.
Ich glaube wichtig ist, dass eine Mannschaft während der Saison wachsen kann und da zählen insbesondere, natürlich nicht nur, die jungen Mitglieder dazu. Sie müssen auf die arrivierten Spieler im Kader Druck ausüben und so eine Leistungskultur in die Mannschaft bringen. Und hier sind wir auf einem sehr guten Weg, denn die letzten Entwicklungen stimmen mich durchwegs positiv in diesem Bereich.

Die Nationalmannschaftspause endet am Freitag. Ein 13-tägiger Unterbruch zu einem so späten Meisterschaft macht den Fans wenig Freude. Wie sieht das innerhalb des Clubs aus? Kann man dem etwas Gutes abgewinnen?
[zögert lange] Grundsätzlich sind die Pausen für die Nationalmannschaft immer schwierig. Wenn man besser in Form ist, dann sind sie sehr ärgerlich und wenn man eher in einer schlechten Phase ist, kann man noch einmal einen Neustart tätigen. Für uns kam die Pause jetzt eher zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Ich bin… [unterbricht den Satz, zögert] man muss mit dem Spielplan leben. Die Frage ist immer wie gehen wir mit dieser Situation um, was machen wir für eine Planung während dieser Zeit.

Was macht Ihr für eine Planung, beziehungsweise was habt ihr in dieser Pause gemacht? Anscheinend soll das Training extrem hart gewesen sein?
Wir haben nach dem Spiel gegen Genf-Servette mit einer Art „Trainingslager“ begonnen. Dort arbeitete die Mannschaft extrem hart an Kraft und Kondition. Dieses Training haben wir über das Auswärtsspiel in Fribourg durchgezogen und dies bis am 6. Februar so aufrecht gehalten. Danach hatten die Spieler vier Trage frei und heute Montag beginn jetzt die letzte Phase vor den Playoffs. Durch dieses Programm konnten wir auch die Nationalspieler so lange wie möglich in diese zweite Saisonvorbereitung integrieren. Die nach Norwegen gereisten Akteure dürften etwas müde gewesen sein, hatten ja aber etwas Zeit zur Erholung [lacht]. Es waren für die Mannschaft die letzten Tage, ehe dann der Schlussspurt beginnt und nahtlos darauffolgend die Playoffs.

Mikko Lehtonen trainiert ja schon seit längerer Zeit mit Euch. Das Ziel war, dass er am kommenden Freitag auflaufen soll? Seit ihr diesbezüglich im Fahrplan?
Richtig, dass ist das Ziel. Bis heute Montag trainierte er mit, jedoch noch ohne das physische Element. Heute nimmt er nun das Training komplett auf und macht bei allen Übungen mit. Der Junge ist richtig fit, der wurde richtig gefordert und gefördert. Letzte Woche konnte er auch mittun beim Schusstraining und so stehen die Zeichen auf Einsatz am kommenden Freitag in Rapperswil.

Was erwartet ihr vom Finnen aus der KHL? Welcher seine Stärken zweifelsohne im offensiven Bereich hat?
Also wir erwarten als erstes, dass er sich problemlos in die Mannschaft und das Spielsystem integriert. Die ersten fünf, sechs Partien als er hier in Zürich war, sah er nur Siege der Mannschaft und meinte dann einmal zu mir, dass es ihn ja eigentlich gar nicht brauche hier [schmunzelt]. Aber natürlich erwarten wir von ihm offensive Impulse, er ist sehr ein schneller und geradliniger Spielertyp und seine Stärke definitiv in der gegnerischen Zone hat.

Gibt es sonst Spieler, welche verletzt oder angeschlagen sind und eventuell für den kommenden Freitag oder die nächsten Spiele passen müssen?
Abgesehen von Andri Stoffel, welcher für den gesamten Rest der Saison ausfällt und Ryan Shannon, der noch seine letzte Spielsperre abzusitzen hat, sind alle Spieler an Board. Auch von den Spielern aus Norwegen habe ich bis heute noch nichts vernommen, dass jemand angeschlagen oder verletzt war. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir am kommenden Freitag – abgesehen von Stoffel und Shannon – in kompletter Formation auflaufen können. Aber natürlich sind Verletzung ein unkalkulierbares Risiko, welches eine Saisonplanung ordentlich durcheinander bringen kann. Es gab Saisons, da spielten wir fast ohne verletzte Spieler durch und kurz vor den Playoffs erwischte es uns dann mit Verletzungen. Natürlich gibt es auch die umgekehrten Fälle, ich erinnere mich an den Titel 2000, wo wir viele Ausfälle während der Saison zu beklagen hatten, aber im Januar, Februar beinahe komplett agieren konnten.

Verglichen mit der Meistersaison aus dem letzten Jahr, wie beurteilst Du die aktuelle Entwicklung. Siehst Du diesen Aufschwung, welcher im letzten Jahr vor den Playoffs immer mehr zunahm, auch diese Saison unter Crawford?
Definitiv. Es gibt effektiv einige Parallelen zum letzten Jahr, die Mannschaft hat sich entwickelt und gefunden. Die Stimmung in der Garderobe ist sehr gut und für mich das eigentlich Positivste ist der Saisonverlauf. Verglichen mit dem letzten Jahr war des Saisonstart dieses Jahr „einfach“, dafür mussten wir in der laufenden Saison im Dezember unten durch und haben uns nun gefangen. Der Dezember war nicht nur sportlich schwierig, sondern auch mit den Verlusten von Tambellini und zuvor Brule. Nach Aussen und in den Medien hat uns dies nicht unbedingt in ein gutes Licht gerückt und die Folge davon waren Diskussionen um die Stimmung innerhalb des Teams. Doch die Mannschaft hat Charakter bewiesen und sich von diesen „Rückschlägen“ erholt und darauf bin ich sehr stolz.

Zum Schluss noch ein Wort zur Personalie Daniel Schnyder. Sein Vertrag läuft aus und es gibt Gerüchte rund um einen Wechsel nach Langnau? Wie ist dort der aktuelle Stand?
[lacht] Gerüchte heissen Gerüchte, weil sie Gerüchte sind. Von dieser Seite her muss man nicht immer alles glauben, was geschrieben und gesagt wird. Wir wissen was wir an Daniel Schnyder haben und er weiss was er an unserer Organisation hat. Daher ist dort das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Verhandlungen sind im Gange und alles andere wird die Zukunft zeigen.

Interview mit Walter Scheibli vor seinem 80. Geburtstag

Walter Scheibli gehört zum Hallenstadion wie sein Fundament. Der Kultreporter wurde anlässlich des Spiels zwischen dem ZSC und dem EHC Biel vom 14. Oktober 2012 80 Jahre jung. Wenige Tage zuvor stand er uns für ein längeres Interview zur Verfügung. Man merkt der Legende noch immer die Leidenschaft und die Emotionen für seinen ZSC an.