Fotos: ZSC – Genf-Servette HC 4:2 (2:1, 0:1, 2:0)

Was bleibt aus dem Halbfinal – eine Analyse zur Serie

Es braucht viele Faktoren für einen Sieg in den Playoffs. Viele werden den Wechsel von Bergeron zu Smith als eine symbolische Wende in dieser Serie sehen. Sicherlich war der Einsatz des unspektakuläreren Smith ein wichtiges Zeichen, andere Faktoren spielten aber, wenn man die Gesamtbetrachtung macht, eine durchaus grössere Rolle. Es war aber nicht nur der ZSC selber, sondern auch die Genfer selber, die am Ende eine knappere Serie verhinderten. Die vielen Ausfälle wogen am Ende zu stark ins Gewicht beim Team von McSorley und so half dem extrovitierten Trainer und Clubbesitzer diesmal nicht einmal das physische Element. Nicht annähern konnte er den ZSC ins Wanken bringen.

Flüeler, Schäppi und Seger
Wick, Nilsson und Bärtschi haben in der Halbfinalserie am meisten Skorerpunkte gesammelt, dennoch waren es nicht sie, die diese Serie entschieden haben. Viel mehr war es am Ende die bestechende Ruhe Flüelers, das aggressive Forechecking von Schäppi und Co. und der zurückgekehrte Captain – Mathias Seger. Welche Emotionen der 37-jährige Leitwolf  ins Spiel brachte, sucht seinesgleichen. Spätestens nach der Niederlage in Spiel 3 (bei einem Torschussverhältnis von 40:19 zu Gunsten des ZSC) legte der Captain noch einmal ein Bricket zu. Man sah ihn immer wieder mit hochroten Kopf auf dem Eis, die Gründe dafür waren jedesmal andere. Doch er pushte damit sich und seine Mannschaft auf ein besseres Niveau.

Nahtlos in diese Veränderung ab Spiel 3 passte die Leistung von Flüeler. Entschuldigte sich der 26-jährige Torhüter nach dem Patzer in Spiel 2 noch öffentlich bei der Mannschaft, musste ihm diese spätestens nach dem Startdrittel des 8:0 in Genf ein grosses Dankeschön aussprechen. Selten habe ich Flüeler derart schnell sich verschieben gesehen, auch die Ruhe ist zurück und Abpraller waren in den letzten Partien seltenheitswert. Ein Umstand, welche der kompletten Mannschaft half.

Dann war da noch die immer wieder angesprochene Breite des Kaders, doch wer ist die „Breite“? Es waren jene, die stets auch in der vierten Linie forecheckten, kämpften und den Gegner beschäftigten, während sich die übrigen Zürcher auf der Bank erholten. Einer der auffälligsten „Unauffälligen“ war sicherlich Reto Schäppi, dessen Stock in der gegnerischen Zone fast überall zu finden war. Immer wieder scheiterten die Genfer bereits an ihm – oder eben auch an Neuenschwander, Baltisberger und so weiter.

Im Fazit kann man es schlicht halten, der ZSC war besser, breiter und agiler, aber er musste immer aufpassen sich nicht selber im Weg zu stehen. Erfolg bringt oft Nachlässigkeit mit und dieser wiederum ist dann der grösste Feind des Erfolgs. Im Halbfinal hat der ZSC der Nachlässigkeit keine Chance gegeben und steht deshalb verdient im Final.

De Final isch Eus!

HC Genf-Servette – ZSC 1:3 (0:1, 1:0, 0:2)

Die Fahrten nach Genf sind lang und zuweilen beschwerlich, aber die heutige wird auch die letzte sein – zumindest nach Genf. Hoffen wir, dass es noch einige nach Davos sein dürfen. Zuerst gilt es aber, den sich erarbeiteten Matchpuck, nun heute in Genf zu verwandeln. Doch, dass dies einfacher gesagt als getan ist, sollte auch klar sein. Die Genfer würden noch einmal alles in die Wagschale werfen, dies war bereits vor dem ersten Puckeinwurf klar. Unterstützt wurden die Zürcher von den rund 150 mitgereisten Zürcher Fans.

Ein ausgeglichener Start
Genf kam, sie mussten ja auch, und sie erarbeiteten sich im ersten Drittel durchaus gute Chancen. Es war zwar zu sehen, dass der ZSC die bessere Mannschaft wäre, aber sie konnten es noch nicht umsetzen. Es bot sich ein ungewohntes Bild, der ZSC war die physisch aktivere Mannschaft und einige Zweikämpfe waren an der Grenze des erlaubten. Doch der Schiedsrichter sprach keine Strafen aus, ganz zum Unverständnis des Genfer Anhangs. Diese wussten natürlich, dass es heute die letzte Partie hätte sein können.

Obwohl Genf kam, waren es die Zürcher, die zum ersten Mal jubeln durften. In der 29. Minute haute Seger im Powerplay einen Querpass von Wick in die Maschen. Der ZSC und seine Anhänger jetzt natürlich im Freudentaumel. Insbesondere darum, weil der Z auch in der Folge die bessere Mannschaft war. Aber sie vergaben alle ihre Möglichkeiten, Genf dagegen steckte nicht auf und kam knapp eine Minute vor dem Ende zum Ausgleich. Zuvor standen Flüeler und seine Hinterleute derart kompakt, dass da niemand durchkam. Aber ein Tor ist eben nichts im Hockey und so war der Ausgleich nicht unverdient. Die Truppe von Crawford hatte also noch eine Herausforderung zu meistern, wie würde sie diese lösen?

Wir sind im Final!!!.
Ja, der ZSC war auch dieser Aufgabe gewachsen, knapp eine Minute dauerte es, ehe Künzle das 1:2 markierte. Es sollte wegweisend sein. Denn nach 45. Minuten machte Shannon das 1:3, in doppelter Überzahl war es der Amerikaner, der wohl die Entscheidung herbeiführte. Aber Genf versuchte es weiter, nahm bei einer Überzahlsituation sogar den Torhüter raus, scheiterte aber immer wieder. So ging es weiter und am Ende stand der ZSC im Finale. Mehr braucht es gar nicht.

Mir sind im Final!!!!

Am Samstag den ersten Matchpuck für den ZSC

ZSC – HC Genf-Servette 4:2 (2:0, 2:0, 0:2)

In den letzten maximal drei Spielen wird er also gesucht, der Gegner des HC Davos im Playoff-Final. Mit einem sauberen 4:0 setzte sich das Team von Arno del Curto gegen den Mitfavoriten SC Bern durch und meldete damit eindrücklich die Ambitionen auf den Titel an. Beim ZSC ist es noch nicht soweit, sie müssen zuerst einmal den Gegner Genf wegarbeiten, mit dem 8:0 haben sie einen wichtigen Schritt getan, aber es braucht nun den Doppelschlag vor heimischem Publikum um dieser Serie eine Wende geben zu können. Für den ZSC spricht je länger diese Serie dauert, natürlich auch die Breite des Kaders. Bei Genf fällt immer wieder ein Spieler aus, Noah Rod und Alexandre Picard sind die jüngsten Opfer der Verletzungshexe bei Genf.

Erneut ein guter Start
Der Auftakt war wichtig, dies war dann beiden Teams auch anzusehen, fast fünf Minute hatten beide Teams kaum eine Chance. Beide Verteidiger neutralisierten sich nahezu komplett, doch dann machte man dort weiter, wo man am Dienstag aufgehört hatte. Malgin eröffnete das Skore, er verwertete eine starke Vorarbeit von Baltisberger und zeigte damit die Richtung auf. Doch Genf rappelte sich auf, kämpfte und war phasenweise im ersten und ganz sicher im zweiten Drittel die bessere, aktivere Mannschaft. Unterstütz wurden sie dabei von einigen doofen Strafen gegen den Z. Profit konnten sie daraus keinen ziehen, zum einen weil Flüeler stark hielt und zum anderen weil die Zürcher hinten dennoch stark spielten.

Aber es waren die jeweils letzten Minuten, die die Entscheidung brachten. Im ersten Drittel war Cunti am langen Torpfosten und verwandelte dort nach einem Gewühl vor Mayer. Im zweiten Drittel waren es Wick und Bastl, die in der 39. Minuten innert Sekundenfrist zwei Konter verwerteten. Jeder Schuss ein Treffer, so das Motto des ZSC in diesen letzten Sekunden. Zwei Mal hatten die Genfer hinten geschlafen und zwei Mal waren die Zürcher eiskalt. Für Genf dagegen waren es zwei saftige Schläge ins Genick. Sich davon zu erholen dürfte schwierig sein, insbesondere da die Kräfte des Teams von McSorley mehr und mehr nachlies. Dem ZSC spielte dies in die Karten und er musste sich damit im letzten Drittel nicht mehr in den roten Bereich begeben.

Nur noch wenig Gefahr
Das letzte Drittel war dann so, wie man es erwartete. Gennf versuchte noch etwas, konnte aber nicht mehr und der Z wollte nicht mehr. Da halfen auch die zwei Tore von Genf nur wenig, sie brachten etwas Spannung, aber nicht wirklich Gefahr für den Z. Etwas schade war, dass dadurch Lukas Flüeler nach über 100 Minuten wieder ein Tor kassierte. Doch dies dürfte dem ZSC wahrlich egal sein und wie klar die Geschichte effektiv war, zeigt sich daran, dass Exponenten des ZSC und solche des Schweizer Eishockeyverbands darüber diskutierte, dass die Trainerbank der Zürcher nicht regelkonform ist. Der Z wird hoffentlich am Dienstag genügend Zeit haben, dies zu beheben. Wir sehen uns am Samstag in Genf.

Mir wänd no e Rundi witer!

Am Ende hatte etwas von Magie, was der ZSC in der Eishalle von Genf zeigte. Das letzte Drittel hatte maximal noch statistischen Wert, dennoch war es ein Befreiungsschlag für den ZSC. Zu sehen war dies insbesondere am 6:0 von Blindebacher, er lief im Boxplay auf den Ersatztorhüter Dexcloux durch und zwickte die Scheibe unter die Latte. Kaum ein Treffer hatte mehr symbolischer Charakter in dieser Partie, als dieser Treffer in nummerischer Unterzahl. Nicht, dass er resultatmässig von Bedeutung gewesen wäre, aber in den Playoffs war es noch selten die Höhe der Siege, die etwas veränderten, viel mehr die Art und Weise. Dieser Treffer hatte das Charisma für eine solche Bedeutung.

Smith anstelle von Bergeron
Doch bereits vor der Partie hatte Marc Crawford ein Zeichen gesetzt. Eines gegen Spektakel und für Solidarität. Smith durfte den Platz der Nummer 22 einnehmen – bei ebensovielen geliebt, wie gehasst. Smith dankte es mit einer unaufgeregten, aber durchwegs guten Leistung. Es war aber nicht so, das Smith die Partie entschieden hätte. Viel mehr war er gestern jenes Puzzleteil, welches dem ZSC die Richtung wies. Crawfords Spieler hatten verstanden und sie machten auch nach dem frühen Tor von Keller dies, was der Trainer von ihnen erwartete, sie kämpften und verteidigten. Dass es dann noch ein bis zwei Mal eine starke Aktion von Flüeler brauchte, gehört ebenso zu den Playoffs, wie alles andere.

In der USA oder in Kanada gilt oftmals das Motto: „never change a winning Team“. Diesem Kredo dürfe auch Crawford nachkommen, Smiths Platz scheint auch für morgen Donnerstag gesichert. Ob dies allerdings der entscheidende Faktor sein wird, bleibt zu bezweifeln. Viel mehr geht es dann wieder darum, unspektakulär zu zeigen, wo die Differenz zwischen Genf und Zürich liegt – ob mit Bergeron oder Smith. Wo die Differenz liegt, zeigte sich gestern nur zu gut und dies ist ja die eigentlich schöne Geschichte an gestern, in allen Bereichen. Es braucht kein Wick, Bärtschi oder Cunti in Topform, sondern einfach nur eine gute Teamleistung. Eine einfache Sache? Mitnichten, es braucht alle – auch uns, bringen wir die Halle zum Kochen!

Eine Macht-Demonstration in Genf

HC Genf-Servette – ZSC 0:8 (0:1, 0:3, 0:4)

Playoff ist, wenn die Partien knapp sind und es kein „Durchmarsch“ gibt. Der ZSC macht diese Erfahrung wieder einmal in aller Härte durch. Das Team von Crawford wäre eigentlich die besser Mannschaft, doch sie kann die vorhandene Dominanz nicht in Tore und damit auch nicht in Erfolge ummünzen. Dies soll, ja es muss eigentlich bereits heute Abend geändert werden, ein 1:3 in der Serie wäre natürlich nicht unlösbar, aber eine ziemlich unschöne Ausgangslage für die Partie am Donnerstag. Beim Z kehrte heute Smith an Stelle von Bergeron zurück ins Team, ebenfalls war Cunti zurück, nach seiner Verletzung. Mehr brauchte es gar nicht, denn die Wichtigkeit dieser Partie musste ohnehin allen klar sein.

Ein Auftakt nach Mass
Mit einer kleinen, aber feinen Choreo starteten die Zürcher in diese Partie. „Titelverteidiger“ und darüber ein grosser, alter Löwe, verzierten den Zürcher Fansektor in den ersten Sekunden. Angespornt von der 1:2 Rücklage und dem Intro, legte das Team sogleich los. Keine Minute war vergangen, da jubelte Keller, beziehungsweis die gesamte Mannschaft. Der Z auch in diesem Drittel die bessere Mannschaft, aber für einmal setzten die Genfer dagegen und waren dann nach einiger Zeit ebenbürtig. Sie waren besonders dann stark, wenn sie das Spiel in die Breite ziehen konnten und sich in der Zone festsetzten. Aber selbst ein Powerplay, eine halbe Minute vor der ersten Pause gepfiffen, brachte den Genfern kein Erfolg.

Ein noch besseres Mitteldrittel
Der erste Abschnitt war gut, der zweite besser. Von Minute zu Minute wurde das Spiel der Zürcher besser, Genf blieb konstant und so vergrösserte sich der Abstand ab Spielhälfte konstant. In der 30. Minute war es Nilsson, der beim Konter eine Finte ansetzte – mein Nachbar in der Kurve beschwerte sich schon – und da lag die Scheibe in der Kiste. Eine gute Sache so ein 0:2 in Genf. Aber es wurde noch besser, ein Doppelschlag von Wick in der 33. und 35. Minute sorgte für die Vorentscheidung. Nach dem ersten Tor von Wick verliess Mayer seinen Kasten, aber der Ersatztorhüter von Genf hielt sein Tor auch nicht sehr lange rein. Die Anspannung und Nervosität in der Zürcher Kurve macht langsam aber sicher der Zuversicht und Freude Platz. Ein 0:4 ist zwar noch keine Entscheidung, aber es war ein schönes Polster um diesen Sieg im letzten Drittel zu verteidigen und den Ausgleich in der Serie zu bewerkstelligen.

Die Demütigung zum Schluss
Zum Schluss war es dann eine Einweggeschichte. Genf hatte sich aufgegeben und der ZSC machte die Tore fünf bis acht. Zuerst war es Nilsson, der in der 42. Minute einen Konter fuhr, Malgin lief mit, aber der Schwede machte es alleine und entschuldigte sich sogleich bei seinem Gitterkollegen. Vier Minuten später war es Künzle mit dem 0:6. Doch das Schönste kam noch, in Unterzahl lief Blindenbacher durch und zwickte die Scheibe an Descloux vorbei unter die Latte. Zum Schluss gab sich dann noch Neuenschwander die Ehre zum Endstand. Angefangen hatte der Zürcher Erfolg mit der grossartigen Leistung von Flüeler, bei dem heute das Motto herschte: „zu wegen geschlossen“! Alles andere war dann eine tolle Geschichte und das Spiel 6 in Genf damit gesichert, vielleicht die Finalqualifikation für den ZSC? Wir kommen wieder, bis bald Genf…

Erneut ein Charaktertest

Besser zu spielen alleine reicht nicht aus, diese bittere Erkenntnis macht der ZSC aktuell gerade durch. 106 zu 64 abgegebenen Schüssen, die Zürcher geben also 65% mehr Torschüsse ab als die Konkurrenz in dieser Serie und dennoch steht es 1:2 aus Sicht der Zürcher. Ein Umstand, welches ein Team zuerst einmal verkraften und dann aber auch in positive Energie umwandeln muss. Alles spricht für den ZSC, ausgenommen vom Resultat – aber nur dieses entscheidet. Der ZSC hat den besseren Torhüter, er hat mehr Routine in der Verteidigung und er hat die potenteren Stürmer, aber er liegt hinten und hat den Heimvorteil am Samstag in der Verlängerung verspielt. Genf dagegen hat, wenn man die statischen Werte weglässt, einen unsicheren Mayer im Tor, der, wenn es einmal eng wird, zu viele Scheiben nach Vorne abprallen lässt und wenig Sicherheit ausstrahlt.

Mit der Wut im Bauch zum Erfolg
Was also soll Marc Crawford seinen Spielern für das Spiel am Dienstag in Genf einimpfen? Grundsätzlich kann er nur mehr Präsenz vor dem Tor, noch mehr Wille vor dem Tor sich zu behaupten und einigen Korrekturen in der Defensive fordern – alles andere ist gut, ja vielleicht sogar zu gut. Genf dürfte auch morgen, sofern es den ZSC nicht geknickt hat, kaum je zu grossen Spielanteilen kommen. Das Team um Wick ist stilsicher und stets einen Schritt voraus, muss aber aufpassen, dass sie eben in dieser Schönheit nicht ihr Untergang liegt. Vielleicht ist es ja genau das Wissen, dass sie besser sind, welches sie hemmt die Tore „einfach“ zu schiessen und sie es wohl manchmal auch schlicht zu schön machen wollen.
Damit muss allerdings jetzt Schluss sein, denn nur wenn das Team begreift „besser sein, allein reicht nicht“, wird es morgen gewinnen, zurück in die Serie kommen und wenn alles gut verläuft, auch den Finaleinzug – irgendwann dann – erreichen.

Gmeinsam uf Gänf, hole mehr Eus de Sieg!