Der Mahnfinger in der Euphorie ist angebracht

Der positive Teil vorweg: Die Reaktion und die Nervenstärke, die der ZSC gestern an den Tag legte, vermochte zu überzeugen. Angst haben, dass der ZSC das siebte Spiel verlieren würde, musste man nur selten haben. Vielleicht in den ersten Minuten, vielleicht nach dem Anschlusstreffer in der 18. Minute von Haas, aber auch die Reaktion auf die jeweiligen Phasen waren beeindruckend. Für einmal gingen alle, auch Nilsson, der ansonsten in diesen Playoffs bisher matt blieb. Selbst Bergeron blieb solid und erlaubte sich keinen einzigen Fehler.

Dann gilt es aber auch Kevin Schläpfer und seinem Team ein grosses Kompliment auszusprechen. Wie es die Bieler verstanden haben, den ZSC aus dem Spiel zu nehmen und die Nachlässigkeit der Zürcher auszunutzen, verdient grössten Respekt. Kevin Schläpfer hat das Trainerduell gegen Crawford am Schluss verloren, doch der Seeländer wirkte in seinen Aussagen immer etwas agiler, ehrlicher. Wäre das Duell nur zwischen den beiden Trainern ausgegangen, man hätte Schläpfer wohl den Sieg nach Punkten geben müssen. So ist es dann aber eben mal nicht, sondern die Spieler machen den Unterschied und dort hatte der ZSC am Ende eben doch die breitere Schulter und die bessere Qualität.

Die Gefahr des Rückschritts
Natürlich könnten wir uns jetzt alle in den Armen liegen und die Realität versehen. Klaus Zaugg hat es bereits verschrieben, der HC Genf-Servette sei für den ZSC ein „Freilos“. Selbstverständlich ist es Klaus Zauggs Markenzeichen, mit solchen Aussagen zu polarisieren. Richtig ist auch, dass wenn der ZSC sein Potenzial abrufen kann, er gegen Genf gewinnen wird, vielleicht sogar klar. Doch der ZSC hat seine Diva-Seite nur zu oft gezeigt und es würde mich nicht wundern, wenn er am Dienstag schon wieder die nonchalante Seite seiner Klasse zeigt, jene die glaubt, dass alles von alleine kommt und sowieso nicht 100% Einsatz notwendig ist – im Playoff!

Sowohl Künzle, wie auch Bärtschi verneinten, dass sie den EHC Biel unterschätzt hatten – klar müssen sie auch, aber ein Hauch von Selbstüberschätzung war auszumachen. Es ist nun der Job von Crawford den Spielern diese Denkmuster vor dem Halbfinal aus dem Kopf zu bringen und so einen guten Start hinzulegen. Eines ist auch klar, mit jeder Runde wird es schwieriger zu reagieren und Genf hat definitiv die bessere Qualität als der EHC Biel. Dennoch, am Schluss hat es der ZSC in den eigenen Händen ob er erneut um den Titel spielen will!

Die Sensation blieb aus, der Z weiter

ZSC – EHC Biel 5:2 (2:1, 2:0, 1:1)

Die Serie zwischen dem EHC Biel und dem ZSC begann mit einem Paukenschlag, dem 5:0 der Seeländer und der Hollywood-Geschichte rund um die zwei Trainer. Nun sechs Spiele später, nimmt sie ein ähnlich dramatisches Ende, sie wird in der Belle entschieden und es steht nichts anderes als die grösste Eishockey-Sensation der Neuzeit auf dem Eis. Vielleicht wäre ein Sieg der Bieler, mit dem Jahre 1992 zu vergleichen zu gewesen; als der heutige Favorit, den damaligen Favoriten, das Grande-Lugano, eliminierte. Soweit war es aber noch nicht, zuerst lagen noch 60. Minuten vor den beiden Mannschaften – mit prominenter Rückkehr beim ZSC. Mathias Seger streifte sich wieder einmal das Eishockeydress und nicht den Anzug über. Für den Z, selbst wenn der Captain noch nicht bei 100% ist, ein wichtiges Zeichen. Die Nervosität war unaushaltbar, von Minute zu Minute wurde es schlimmer, es war also Zeit, dass die Geschichte endlich geschrieben werden konnte.

Wick und Künzle mit je einem genialen Drittel
Ob es an Segers Rückkehr lag, an der Tatsache des siebten Spiel oder an unserer Kolumne spielt gar keine Rolle, jedenfalls wirkte der Z von Beginn an hellwach und überfuhr die Bieler regelrecht, in den ersten Minuten. Dann nach sieben Minuten wiederspiegelte sich dies auch in Toren, Geering lief einen Konter, passte zu Bärtschi und dieser fand mit seinem Ablenker die Lücke bei Rytz. Der Treffer setzte neue Energien frei, weiterhin gab es fast nur eine Richtung, die es in dieser Partie zu bestaunen gab. Das Heimteam in der Offensive, Biel wehrte sich nach Kräften konnte den zweiten Treffer aber nur bis zur 15. Minute verhindern. Bergeron hatte den scharfen Pass im Powerplay gespielt und Wick hatte den Stock dort, wo ihn ein Stürmer haben muss. Tor, die Halle eskalierte kurzzeitig. Doch das der EHC Biel vielleicht angenockt, aber sicherlich noch nicht am Ende war, zeigte sich in der 19. Minute, da konnte Biel verkürzen.

Es war aber nicht mehr als ein erneuter Weckruf für das Team von Crawford. Es spielte auch im zweiten Drittel fast nur ein Team. Dennoch dauerte es neun Minuten, ehe sich Künzle durchtankte und seine wunderbare Einzelaktion auch noch abschloss. Das 3:1 gab wieder Ruhe und Vertrauen in die Mannschaft und der EHCB nun wahrlich im roten Bereich, selten waren die Angriffe der Bieler geworden, da erstaunte es wenig, dass sich Trachsler nach 31. Minuten auch noch in die Torschützenliste eintragen durfte. Zuvor hatte sich Künzle hinter dem Tor klasse durchgesetzt und auch noch den perfekten Pass angebracht. Was Wick im ersten Drittel war, zeigte die Nummer 73 im zweiten Abschnitt. Das 4:1 zur Pause beruhigte, aber es war natürlich noch nicht durch, diese Serie.

Biel nur noch mit einem kleinen Aufstand
Im letzten Drittel dann versuchte Biel nochmal viel, aber es klappte halt wenig, der Kräfteverschleiss war den Seeländern anzumerken. Das 4:2 in der 48. Minute war nur noch Resultatkosmetik, es änderte wenig am Sieg. Der erlösende Schuss ins leere Tor von Shannon folgte dann aber erst in der 60. Minute. Somit geht es am Dienstag weiter im Halbfinal, zum Glück!

Sind wir uns der Tragweite bewusst?

Als der Gegner für den Viertelfinal fest stand, der EHC Biel, dürften sich viele gefreut haben, schätzten sie doch Biel als den schwächstes der sieben anderen Teams ein. Nun gut zwei Wochen später, steht es zwar 3:3 in der Serie, aber noch immer nicht wird der EHC Biel ganz ernst genommen, ja teilweise sogar leicht belächelt. Aber die Jungs haben uns nun kurz vor dem Ausscheiden und wenn sie am Samstag noch einen Coup landen, dann sind wir die Affen und die feiern bis in alle Nacht!

Es ist nicht so, dass dieses Verhalten explizit für die Spieler oder Fans gilt. Nein für alle, inklusive Zürcher Medien. Im Einklang ist hier der Tenor: Respekt für Biel und deren kämpferische Leistung auszumachen, aber immer mit einem leicht fahrlässigen Unterton und immer mit dem Gedanken, die Qualität wird sich dann schon durchsetzen. Irgendwann, auf die Länge.

Natürlich, der ZSC ist besser und breiter aufgestellt auf allen Positionen. Doch er verpasst aktuell den Aufsprung auf den Playoff-Express, er verpasst es in diese Kampagne Leidenschaft und Wille zu packen. Es ist wie David gegen Goliath, nur, dass der Riese noch leicht verträumt in der Gegend umherirrt und David auf leisen Sohlen eine der grössten Eishockeysensationen der Geschichte nicht mal mehr plant, sondern kurz vor der Fertigstellung seines Werkes steht.

Wenn nicht alle begreifen, wie gefährlich uns dieser EHCB wurde und noch werden kann, dann stehen wir morgen Abend in der Halle da, wie die Deppen der Nation. Klaus Zaugg darf auf watson schreiben, warum er es schon von Beginn an wusste und Simon Graf und Ulrich Pickel dürfen ihre sachlichen Analysen aufs Papier bringen. Doch dann wäre es bereits zu spät. Es geht morgen um nicht weniger als die grösste Schmach der Eishockey-Neuzeit: Millionen gegen Leidenschaft. Am Sonntag kann die Grillsaison eröffnet werden, der Sommer beginnen, wenn wir nicht alle den EHC Biel jetzt ernst nehmen und uns der Tragweite der morgigen Partie bewusst werden!

Es ist Playoffs und wir machen noch eins

EHC Biel – ZSC 3:1 (0:0, 1:0, 2:1)

Dass es das letzte Zürcher Gastspiel im alten Bieler Stadion sein wird, war schon vor dem ersten Puckeinwurf. Ob es allerdings auch das letzte Meisterschaftsspiel im altehrwürdigen Stadion war, konnte noch nicht abschliessend gesagt werden. Sicher war aber auch, dass der ZSC sich mit dem 3:0 Heimsieg am vergangenen Dienstag in eine deutlich bessere Ausgangslage manövriert hatte und es nun noch eine konzentrierte Leistung benötigte, bis der Halbfinaleinzfug Tatsache war. Zurück auf dem Eisfeld war Mark Bastl, der nach einigem Verletzungspech nun wieder aktiv mit in den Playoffkampf eingreifen kann. Diesmal reisten gut 150 Fans nach Biel um hoffentlich den Einzug in die Halbfinals zu feiern.

Ein guter, aber torloser Start
Das Spiel dann begann so, wie man es erwarten konnte, der Z im Vorteil. Biel oftmals überfordert beim Forechecking des ZSC, aber entweder spielten es die Gäste zu kompliziert oder Rytz hielt stark. Der Torhüter von Biel darf als die Konstante in dieser Serie herausgestrichen. Bis auf wenige Ausnahmen spielte er auf einem klasse Niveau, dass den ZSC beinahe zum Verzweifeln brachte. Doch bereits heute merkte man, dass die Zürcher Spieler den Respekt vor dem Bieler Torhüter etwas ablegten, frecher agierten und auch ab und zu etwas wagten. Dass es am Ende des Drittels dennoch 0:0 stand, war unter der Bedeutung dieses Spiels wenig erstaunlich.

Zürich besser, Biel in Front
Auch im zweiten Drittel bot sich ein ähnliches Bild: der ZSC die stärkere Mannschaft, aber nur besser sein reicht nicht und so kam es, wie niemand hoffte, aber eben viele wohl befürchtete, der EHCB ging in Führung. Ein wunderbarer Spielzug von Biel, der diesen Treffer besiegelte. Er musste sich selber an der Nase nehmen, der Z, hatte er es doch schon lange in der eigenen Hand gehabt. Ja, für Biel kam es noch besser, während vier Minuten hatte er die Chancen nachzulegen. Doch ausgerechnet in dieser Zeit hatte der ZSC die besten Chance. Shannon hatte Rytz schom ausgelassen, versiebte aber. Der nächste Konter dann fuhr Keller, aber diesmal hielt Rytz genial. Er war es, der den EHCB im Spiel hielt und so ging es mit diesem Resultat in die Pause.

Irgendwie die Belle erzwungen
Das letzte Drittel war dann eines, welches ich lieber vergessen würde. Zürich nicht mutig, Biel eben mit dem nötigen Kämpferglück und so stand es am Schluss verdient 3:1 für den EHCB – trotz des Ausgleiches von Geering in der 45. Minute von Geering. Respekt an Biel, wir sehen uns am Samstag zu eurer letzten Partie in dieser Saison. Geniesst es, ihr habt es verdient!

Am Donnerstag in Biel hat er den ersten Matchpuck

ZSC – EHC Biel 3:0 (1:0, 0:0, 2:0)

Seit dem Samstag ist alles wieder auf Null – Künzle sei Dank! Mit einem Sieg in höchster Not konnte das Team von Crawford die Serie wieder ausgleichen und so den Druck wieder etwas von sich nehmen, ansonsten wäre dies heute, bereits die letzte Chance gewesen und der Sommer schon bedrohlich nahe. Nach diesem Sieg sprachen viele bereits von einem Wendepunkt in dieser Serie, dies allerdings glaubte man auch schon nach dem Ausgleich zum 1:1. Nun, dass sollten sich auch alle Fans und Spieler bewusst sein, dass schwierigste Spiel ist immer das nächste und auch wenn es eine alte, ausgelaugte Hockeyweisheit ist, so dürfte sie wohl selten so passen wie an diesem Dienstagabend. Was war die Taktik, seit dem dritten Drittel in Biel checkten die Zürcher mit zwei Spielern vor, eine Taktik die sich auszahlte.

Der Z deutlich stärker, aber mit wenig Ertrag

Bully mit Ryan Shannon und Pär Arlbrandt

Bully mit Ryan Shannon und Pär Arlbrandt

Von Beginn am drückte der ZSC diese Taktik mit zwei forcheckenden Spielern durch. Biel dadurch zumeisz nahe an der Überforderung, kaum Chancen für den EHC Biel. Besonders Wick und Malgin fielen in diesen ersten Minuten auf, Wick durch seine ungemeine Präsenz, Malgin durch seine schnelle, wendige Art. Der EHCB oftmals nur auf Augenhöhe mit Strafen und so kam der ZSC zu einigen Powerplays. Doch ausgerechnet im Überzahlspiel wirkte das Team von Crawford wenig stillsicher – fast so, wie in der Qualifikation. Dennoch, es gab wenig Zweifel darüber, wer die bessere Mannschaft war und nach 17. Minute zahlte sich dies dann auch aus. Cunti tankte sich durch, passte zur Mitte und dort brachte Bärtschi seinen Stock backhand an die Scheibe. Der Hartgummi landete wunderbar im Torengel.

Der Treffer mehr als überfällig und daher auch diskussionslos. Was machte das Team von Schläpfer? Eine Reaktion blieb aber aus, ob im ersten oder zweiten Drittel und so powerte der Z weiter. Manchmal schien es fast so, als würde er das nach Belieben tun. Die dritte Linie der Zürcher erstickte die beiden Bieler Linien sogar, dass einzige was fehlte, waren die weiteren Tore und so war eben doch jede noch so kleine Aktion der Seeländer gefährlich. Zum Glück aber war auch Flüeler und seine Verteidigung in den Playoffs angekommen und so gab es keine Tore bis zur zweiten Pause.

Mit zwei Toren alles klar gemacht

Emanuel Peter gegen Patrick Geering

Emanuel Peter gegen Patrick Geering

Schnell im dritten Drittel machte Keller alles klar, er zog in der 41. Minute von der Seite hinein, Biel machte zu wenig und am Ende versenkte Keller die Scheibe. Wie wichtig dieses Tor war, zeigte sich mit jeder weiteren Spielminute. Biel konnte nicht mehr zusetzen und so erstaunte es wenig, dass es Shannon am Ende ins leere Tor richtete. Es war nicht so, dass alles gut war beim ZSC, aber mit der nötigen Cleverness und den Kräfteverhältnissen war es am Ende eine klare Sache.

Aber sowohl Crawford, wie auch Schäppi waren sich einig, dass zwar vieles besser, aber noch lange nicht alles gut war. Es braucht noch eine sehr gute Leistung und dann darf der Z mòglicherweise feiern, es wäre eine grosse Erleichterung, aber noch ist es lange nicht so weit.

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