Ein schwacher Auftritt, der zum Out in der CHL führte

06.10.2015; Zürich; Hallenstadion; CHL; ZSC Lions - HC Sparta Prag; Die Zürcher vor dem Spiel gegen Prag (Foto: Dominik Hew/doem.ch)

Die Zürcher vor dem Spiel gegen Prag

Als Edgar Salis vor dem Spiel mit Petr Briza, seines Zeichen Torhüterlegende von Tschechien und jetzt Geschäftsführer beim HC Sparta Prag, durch das Hallenstadion lief, dürfte dies noch eine erfreute und unterhaltsame Unterhaltung gewesen sein. Ein Eishockeyspiel später dürfte dieser Zustand nur noch bei Briza Bestand vorhanden gewesen sein. Mit dem Gesamtskore von 6:2 warfen die Tschechen den Schweizer Vize-Meister aus dem Turnier. Die Zahlen aber sind nicht das tragische, viel mehr die Art und Weise, nur selten hatte man in diesen 120 Minuten Eishockey das Gefühl, dass es der ZSC wahrhaftig packen könnte. Im Gegenteil, er erhielt eine Lektion in vielen Bereichen.

Direkter, schneller und einfacher

06.10.2015; Zürich; Hallenstadion; CHL; ZSC Lions - HC Sparta Prag; Marc-Andre Bergeron gegen Hlinka Jaroslav (Foto: Dominik Hew/doem.ch)

Marc-Andre Bergeron gegen Hlinka Jaroslav

Beim ZSC ging es fast an allen Ecken und Enden ab. Bereits beim Spielaufbau tat sich das Team von Crawford schwer und wenn sie es dann in die Zone geschafft hatten, dann versauerten sie im Aussenbereich der Zone. Kaum einmal war jemand vor dem Tor, der sich dort freilief um einen Pass im Slot abzunehmen oder einen Schuss abzulenken. Vor dem Tor von Pöpperle wurde fast ausschliesslich Tschechisch gesprochen und so wurde es dann nur selten richtig gefährlich. Ähnliches Bild im Powerplay, oft dauerte es lange bis man sich in der Zone installiert hatte und dann spielte man sich die Scheiben aussenrum oder verstrickte sich sogar in aussichtslose Zweikämpfe in den Ecken. Egal wer auf dem Eis stand beim ZSC, selbst wenn es Matthews war, es wurde zu wenig konsequent in die freien Räume gearbeitet und dadurch Lücken in der Defensivabteilung von Sparta aufgerissen. Vor dem Tor war Sparta zielstrebiger und kaltblütiger, das beste Beispiel dafür bot das 0:1 von Sparta. Ein Fehlpass der Zürcher ermöglichte Netik alleine vor Leimbacher zum Abschluss zu kommen, im Gegenteil zum ZSC, der nach Spielhälfte eine ähnliche Chance liegen lies, verwerteten die Tschechen diese Möglichkeit zur wegweisenden Führung.

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Ins Bild passt auch, dass der vermeintliche NLB-Ausländer Kris Foucault, der Aktivposten war und immer wieder versuchte seinen Speed ins Spiel einzubringen. Er blieb aber einer der Wenigen, die dies taten und so war die CHL-Kampagne des ZSC gestern kurz vor 22 Uhr zu Recht zu Ende. Der nächste Gegner und aktuelle Schweizer Meister übrigens, hat es geschafft Helsinki zu eliminieren und in die nächste Runde vorzustossen. Es geht also.

Die Champions Hockey League im Rückblick

Ja, es hätte keine Meisterleistung gebraucht am gestrigen Abend um die Wiener nach 60 Minuten zu bezwingen, aber etwas mehr Konzentration und Konsequenz dann eben schon. Drei Mal durfte der ZSC vorlegen, drei Mal verpasste es das Team von Crawford nachzulegen und die Führung auszubauen. Als Fraser dann die erstmalige Führung für Wien zu Stande brachte, war es in der 57. Minute bereits zu spät für eine Reaktion und so dürfen sich die Össtereicher – die fünf Siege aus sechs Spielen erreichten – als das Überraschungsteam dieser CHL-Qualifikation feiern. Sie waren am Ende das clevere und physisch auch präsentere Team an diesem Dienstagabend. Was die Zürcher in der Liga vorbildlich durchführen, die gegnerischen Spieler von Lukas Flüeler wegzuhalten und ihm den Weg freizuschaufelnd, klappte gestern so gar nicht. Seger und Co. verpassten es drei Mal, die Sicht für Flüeler freizuhalten und damit sind bereits drei Tore von gestern Abend zu begründen.

Welchen Stellenwert hat die neue Champions Hockey Legaue?
Gross angekündigt und auch ordentlich vermarktet; so zeigte sich die Champions Hockey League vor dieser ersten Austragung. Natürlich ist diese noch lange nicht vorbei, für den ZSC aber schon und damit auch die Gelgenheit ein erstes Fazit zu ziehen. Die Mehrheit der Zuschauer sind vom neuen Produkt noch kaum überzogen, dies zeigte sich dann auch in den Heimspielen der Zürcher. „Der Chreis“ in Dübendorf war noch gut gefüllt, doch für das Hallenstadion reicht das Interesse bei weitem nicht.

Es wird sicherlich zwei bis drei Jahre benötigen, ehe die CHL Fuss fassen dürfte und auch International zu einem angesehenen Wettbewerb avanciert. Unter diesen Umständen und mit der Tatsache, dass die KHL nicht mitmacht, werden viele Clubverantwortliche dieses Format als bessere Vorbereitung sehen. Um über diesen Stellenwert zu kommen, braucht es zudem noch einige organisatorischen Fortschritte. Lange Pausen, wie diese gegen Färjestad BK der Fall waren, dürfen nicht akzeptiert werden und müssen zum Spielabbruch führen. Für viele eher ein Detail am Rande, für die Fans aber ungemein ärgerlich und mühsam, sind die Powerbreaks die es gefühlte fünf Mal pro Drittel gibt. Ein Unding aus der NHL, welches man schnellstmöglich abschaffenn sollte.

Zusammengefasst aber kann durchaus ein positives Feedback gegeben werden. Lustige Reisen, gutes Niveau und viel Körperkontakt für diese Jahreszeit waren die positiven Nebeneffekte der neuen CHL.

Der ZSC ohne Ausreisser nach Oben
Peter Zahner hatte im Vorfeld des CHL-Wettbewerbs die Wichtigkeit dieses Formats für den ZSC unterstrichen. Er lief dann auch immer in Bestbesetzung auf und zumindest von der Aufstellung her, gab es nie Fragen über die Glaubwürdigkeit dieser Aussage. Dennoch konnten einige Spieler, die in der Liga ansonsten ganz anders auftretten, nicht verbergen, dass nicht alle dieser CHL denselben Stellenwert zuweisen. Insbesondere in den beiden Spielen gegen Färjestad BK wurde dies ersichtlich, beides Mal verloren die Zürcher in der Verlängerung und damit im Endeeffekt auch die Chance über Platz zwei weiterzukommen.

Die zwei Pflichtsiege gegen Oslo stellten keine Überraschung dar, aber im Auswärtsspiel wäre der ZSC beinahe um seine drei Punkte gebracht worden. Im Heimspiel gegen Wien hatte man es ebenfalls verpasst drei Punkte abzustauben, da brachte auch der Siegestreffer von Baltisberger wenig. Am Ende hatte man genügend Chancen – trotz der Niederlage von gestern – um weiterzukommen, man verpasste es aber stets die letzte Konsequenz hinter die Aktionen zu bringen und scheidet so wohl durchaus verdient aus dieser CHL-Kampagne 2014/15 aus.

Die Zürcher schlagen sich in Wien selbst

Vienna Capitals 5:3 ZSC (0:1; 2:2; 3:0)

Wick bringt die Zürcher in Führung

Heute stand das letzte Gruppenspiel in der Champions Hockey League in Wien gegen die Vienna Capitals auf dem Programm. Allen war klar, dass nur 3 Punkte das Weiterkommen garantieren würde. Die Vienna Capitals konnten zu Beginn des Spiels in Überzahl agieren, da Cunti für 2 Minuten auf die Strafbank wanderte. In der Folge fanden die Zürcher besser ins Spiel und kamen ebenfalls in den Genuss eines Powerplays. Dieses nutzte Roman Wick mit einem schönen Handgelenkschuss zum so wichtigen 0:1. Mit dem 0:1 im Rücken verliessen sich die Zürcher auf die Defensive, statt das 0:2 zu suchen. Dies klappte zwar sehr gut, sollte sich jedoch im Verlaufe des Spiels als schwerwiegender Fehler herausstellen. Gegen Ende des Drittels wurden die Capitals merklich stärker und die Zürcher Defensive geriet vermehrt unter Beschuss, konnte das 0:1 aber mit wenig Aufwand in die erste Pause retten.

 Das Powerplay der Capitals schlägt zu

Wieder musste zu Beginn des Drittels ein Zürcher auf die Strafbank – Bärtschi sass die Strafe wegen zu vielen Spielern auf dem Eis ab. Die Zürcher Box schien alles im Griff zu haben bis Fraser von der Blauenlinie mit einem wuchtigen Handgelenkschuss ins Lattenkreuz traf. Nun waren die Zürcher gefordert und wieder einmal waren es Cunti und Wick, welche die Zügel in die Hand nahmen. Schöne Kombination durch das Wiener Drittel der beiden Künstler – an dessen Ende Derek Smith die Zürcher wieder in Front schoss. Jetzt wäre es aus Zürcher Sicht an der Zeit gewesen ein drittes Tor zu suchen, doch stattdessen schaltete man wieder einen Gang zurück und zog sich in die eigene Defensive zurück. Und wieder wurden die Zürcher für diese Passivität bestraft, denn die Wiener nützten auch die nächste Powerplaychance, welche sich ihnen, nachdem Foul von Trachsler, bot. Wieder fand ein Geschoss von der Blauenlinie seinen Weg in das Tor von Lukas Flüeler, welcher bei diesem Tor nicht sehr glücklich aus sah, da er freie Sicht hatte. Marc Crawford platzte nun endgültig der Kragen und stauchte seine Mannen so richtig zusammen. Die Wutrede von Crawford im Timeout schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben, die Zürcher agierten nun wieder zielstrebiger und kamen nun vermehrt zu Chancen. Der Zürcher Druck wurde nach 35 Minuten belohnt, als Robert Nilsson den Abpraller zum 2:3 versenkte. Kurze Zeit später bot sich Wien wieder die Chance im Powerplay den Ausgleich zu erzielen, doch dieses Mal konnten die Zürcher schlimmeres verhindern und den Vorsprung in die zweite Pause retten.

Zürcher Passivität wird erneut bestraft

Noch 20 Minuten bis zum Achtelfinal, dachten sich viele der mitgereisten Zürcher Fans, welche das Spiel in Wien in ein Heimspiel für den ZSC verwandelten. Dazu sollte es jedoch nicht kommen. Doch der Reihe nach. Wieder einmal verliessen sich die Zürcher zu sehr auf die Defensive und so trafen die Wiener schon wieder von der Blauenlinie zum 3:3 und wieder hiess der Torschütze Jamie Fraser. Dass dies gegen die Wiener in Hosen gehen könnte, hätte den Zürchern nach 40 Minuten eigentlich klar sein müssen. Wer nun auf die Zürcher Reaktion hoffte, hoffte vergebens, sie kam nicht. Es waren stattdessen die Wiener, die nun die Entscheidung suchten, sie jedoch noch nicht fanden. So bot sich den Zürchern nach 50 Minute im Powerplay die Chance wieder in Führung zu gehen und dem Ziel Achtelfinal wieder einen Schritt näher zu kommen. Doch was die Wiener heute an Aufopferung – gegen einen spielerisch Überlegenen Gegner – boten, zollt höchsten Respekt und so blieb es weiterhin beim 3:3. Und weil bei den Zürchern in der Folge die nötige Frische und Entschlossenheit fehlte musste es kommen, wie es kommen musste: Jamie Fraser versenkte den Puck von der Blauenlinie zum 4:3 und seinem dritten persönlichen Treffer. Nun waren die Zürcher endgültig am Boden und zu keiner ernsthaften Reaktion mehr fähig. Man merkte den Zürchern nun merklich die Belastung des dichten Spielplans der letzten Wochen an. Das 5:3 der Capitals ins leere Zürcher Tor war dann nur noch eine Randnotiz in einem Spiel, dass der ZSC so nie hätte verlieren dürfen. Der Titelverteidiger nach den Gruppenspiel out und Wien als Gruppensieger im Achtelfinal – Wer hätte das zu Beginn gedacht. Schlussendlich muss man sagen: Wer gegen Wien in zwei Spiel nur 2 Punkte holt, hat auf der europäischen Bühne nichts verloren und gehört nach Hause. Den Wiener hingegen muss man ein riesen Kompliment aus sprechen: Sie haben sich mit bescheidenen Mitteln gegen die beiden Übermächtig scheidenden Gegner Färjestad und ZSC durchgesetzt und stehen verdienter massen im Achtelfinale der Champions Hockey League.

Titelbild: Berend Stettler

Ein Zittersieg für den ZSC

Vålerenga Oslo – ZSC 2:3 (0:1, 1:0, 1:2)

Im zweiten Spiel im Norden wartete Valerenga Oslo. Die Eisarena von Oslo hat definitiv schon bessere Zeiten gesehen, sowieso scheint der Hockeysport in Norwegen deutlich im Schatten von anderen Wintersportarten zu stehen. Trotzdem war das Spiel – im Bezug auf das Weiterkommen in der CHL – durchaus von Bedeutung. Wien reiht Sieg an Sieg und Färjestad ist dem ZSC bezüglich dem zweiten Platz auf den Fersen. Die Norweger also ein Gegner, gegen den nicht nur aufgrund der Stärken beider Mannschaften ein Sieg Pflicht war. Bei den Norweger herrschte trotz der alten Halle mehr Eventstimmung.

Es war noch früh und noch nicht alle bereit
Bereits um 14:30 wurde das Spiel begonnen. Man bemerkte nicht nur auf den Tribünen, dass alle etwas Zeit brauchten um in Schwung zu kommen. Die Verteidigung der Zürcher war gelinde gesagt unorganisiert und dies machte sich in diversen Strafen bemerkbar. Mehrmals mussten sich Leimbacher und seine Vorderleute in Unterzahl wehren – vorerst noch erfolgreich. Bestes Beispiel war in der achten Minute ein Vorfall mit dem gebrochenen Stock von Cunti. Kein Spieler auf der Bank machte Anzeichen für ihn einzuspringen und auch der Betreuerstab brauchte mehrerr Sekunden, bis es endlich einen, bzw. gerade zwei Ersatzstöcke gab – was Cunti noch einmal verwirrte. Danach aber gab es eine Minute später sogleich auch noch das spielerische Highlight zu bestaunen. Für einmal agierte Zürich im Powerplay und dort bediente Shannon Nilsson traumhaft durch die gesamte Box und ermöglichte so das erste Tor. Es blieb dann aber der einzige Treffer und das Beste was dieses Drittel zu bieten hatte.

Nur wenig Besserung im Mitteldrittel
Ein ähnliches Bild gab dann auch der zweite Abschnitt her. Man versuchte krampfhaft die spielerische Linie zu suchen, blieb aber fast in allen Fällen erfolglos. Bis zur 25. Minute hätte dies ja noch ausgereicht, doch dann folgte auch noch der Ausgleich von Oslo. Von da an reagierte der ZSC dann etwas, er kam zumindest wieder zu einigen guten Chancen. Aber es fehlte praktisch an allen Ecken und Enden. Es hätte nicht einmal verwundert, wenn Oslo auch noch die erstmalige Führung geglückt wäre. Nach dem zweiten Drittel blieb nicht nur die Entscheidung über den Ausgang offen, sondern auch was mehr verärgerte: das nachlässige Spiel der Zürcher oder die Unfähigkeit von Oslo.

Entschädigung im letzten Drittel
Noch so ein Drittel hätte man dann nicht mehr ausgehalten. Der ZSC nach 47. Minuten mit dem ersten Schritt zur Besserung. Blindenbacher verschaffte sich durch ein Dribbling Raum und verwertete anschliessend allein vor dem Tor. Dieser Treffer verschaffte dem Team von Crawford Aufwind und zwei Minuten später lag die Scheibe wieder im Tor, wieder jubelte der ZSC – diesmal dank Cunti. Wiederum hatte sich Nilsson als Vorarbeiter profiliert. Weitere hochkarätige Chanchen für Baltisberger und Shannon (per Penalty) konnten nicht genutzt werden. Man hätte es entscheiden können, doch durch den Anschlusstreffer in der 51. Minute folgte eine hektische Schlussphase.

Zuerst wurde Seger für ein Foul auf die Strafbank gestellt. Der Norweger blieb liegen und als er nach einigen Augenblicken wieder aufstand, packte er sich Smith und drücke diesen nieder. Doch Smith setzte zum „Hosenlupf“ an und stürtzte seinen Gegner inklusive Schiedsrichter auf den Rücken. Auch ein Loch im Eis galt es dann noch zu flicken, scheinbar sind noch nicht alle Länder bereit für den Winter. Oslo versuchte es bereits fast drei Minuten vor Ende mit einem zusätzlichen Feldspieler. Aber Leimbacher und seine Vorderleute retteten den knappen Vorsprung über die Distanz.

So gab es dann also doch noch den wichtigen Sieg zu bejubeln. Mit den positiven Eindrücken geht es jetzt also zurück in die Schweiz. Allen eine gute Heimreise.