Noch nicht in meisterlicher Form

Zehn Spiele hat der ZSC jetzt in der neuen Saison absolviert. Aktuell steht das Team von Crawford auf dem dritten Rang. Ein Platz, dessen Eindruck zu täuschen vermag, denn der ZSC ist wahrlich nicht glorreich in diese Saison gestartet. Er lies bisher oftmals die fehlende Durchschlagskraft vor dem Tor vermissen und so gingen viele Schüsse neben das Tor oder direkt auf den Torhüter.

Zu viel Fokus auf Matthews?
Mit der Verpflichtung von Auston Matthews ist Edgar Salis und der Rechts-Abteilung des ZSC ein grosser Coup geglückt. Vermutlich wird der Amerikaner im nächsten Jahr als Nummer 1 in die NHL gezogen am NHL Draft. Der 18-jährige Superstar konnte bisher überzeugen, in sechs Spielen gab es vier Tore und zwei Assists zu sehen. Insbesondere seine Puckführung unter Druck vermag zu beeindrucken. Scheinbar wie ein Magnet klebt ihm die Hartgummischeibe am Stock.

Die Geschichte kann aber auch ein Hacken haben. Neben all der spielerischen Klasse wird er zum Einen die Meisterschaft nicht im Allgeingang entscheiden und zum Anderen bereits nächste Saison wieder weg sein. Marc Crawford baut viel Vertrauen auf Matthews auf. Ausser in Unterzahl spielt der Amerikaner fast alles. Dahinter aber spielt zum Beispiel ein Fabrice Herzog, der diese Saison neu zum ZSC gekommen ist, gross auf. Bereits sieben Punkte und eine unheimliche physische Präsenz gab es zu bestaunen. Auch die Auftritte von Pius Suter vermochten durchwegs zu erfreuen. Es hat also hinter Matthews noch viel Talent und Crawford ist gut beraten, wenn er den zukünftigen Superstar nicht zu fest in Mannschafts-Fokus stellt.

Viele Verletzte und kaum Gejammer
Man wusste bereits vor der Saison, dass das Zürcher Kader gross ist und Ausfälle kompensiert werden können. Das nun aber ein ganzer Block ausfällt (Flüeler, Fritsche, Shannon, Baltisberger, Schnyder und Karrer) konnte niemand erahnen. In anderen Eishockey-Organisationen würde dies nun zum kollektiven Katzenjammer führen – beim ZSC nicht. Dennoch wird die Tiefe des Kaders ein Schlüssel sein zu einer erfolgreichen Saison. Dem ZSC steht weiterhin ein zusammengepresster Spielplan bevor, allein im Oktober sind noch 10 Spiele zu absolvieren. Es wäre also wünschenswert, wenn sich die Liste der Ausfälle noch vor Weihnachten deutlich reduzieren würde, damit Crawford aus dem ganzen Schöpfen kann.

Ohne Matthews, dafür in der neuen Kurve gegen den SCB

Es war ein hektischer Sommer in Zürich Oerlikon, in der Schaltzentrale des ZSC in Zürich Oerlikon liefen gleichzeitige mehrere Projekte zusammen. Angefangen vom Dauerbrenner, dem neuen Stadion, welches nun hoffentlich nächsten Sommer vor das Zürcher Stimmvolk kommt. Weiter über die neue ZSC Fankurve, die aus langer Hand geplant war, dann aber doch zu einigen Diskussionen führte. Zum Schluss noch der vermeintliche Super-Transfer rund um den als Nr. 1 Draft gehandelten Auston Mattthews. Neben der Schaltzentrale, nämlich in der Kebo konzentrierte man sich dafür mehrheitlich auf die Vorbereitung der neuen Saison. Nach einem intensiven Sommertraining ging es ins Trainingslager nach Scuol und mit dieser Basis sicherte der ZSC sich sogleich vier Siege in den ersten vier Ernstkämpfen dieser Saison.

Fast all dies wird aber morgen Abend, wenn um 19:45 der Puckeinwurf erfolgt ist, nicht mehr von Relevanz sein. Weder wird der ZSC im neuen Hallenstadion spielen, noch wird Matthews im Kader der Zürcher sein. Erst am Freitag, 18. September 2015 gegen Fribourg Gotteron wird er 18-jährig sein und sein erstes Profi-Spiel in der Schweiz bestreiten dürfen. Nur die Fankurve wird morgen eingeweiht, ein extrem wichtiger Schritt für den Zürcher Anhang, der in den letzten Jahren immer mehr unter der Atmosphäre in der Halle zu kämpfen hatte. 350 Personen passen in den neuen Sektor – zu hoffen ist, dass er bereits morgen Abend gut gefüllt ist. Es wäre ein wichtiges und gutes Zeichen für dieses Projekt, welches es nicht immer einfach hatte.

Abrunden würde die morgige Premiere ein Sieg von Baltisberger, Nilsson und Co. gegen den SC Bern. Bei den Berner müsste in den nächsten Jahren ein Umbruch geschehen, weg Plüss, Bührer, Reichert, Jobin, Gerger und so weiter, hin zu neuen, jungen Spielern wie Kreis, Schwendener, Hischier oder wie sie dann alle heissen. Ob Guy Boucher aber bereits den Mut besitzt, diesen Schritt zu tun, wird sich frühestens im Laufe dieser Saison zeigen. Klar ist aber, dass der SCB mit einem Durchschnittsalter von fast 29 Jahren (Vergleich zum ZSC mit 25.75 Jahren) im oberen Bereich der Liga liegt. Dies aber soll egal sein, wenn morgen Abend endlich wieder die langersehnte Eishockeysaison startet…

ZSC suscht gar nüt!