Mir wänd no e Rundi witer!

Am Ende hatte etwas von Magie, was der ZSC in der Eishalle von Genf zeigte. Das letzte Drittel hatte maximal noch statistischen Wert, dennoch war es ein Befreiungsschlag für den ZSC. Zu sehen war dies insbesondere am 6:0 von Blindebacher, er lief im Boxplay auf den Ersatztorhüter Dexcloux durch und zwickte die Scheibe unter die Latte. Kaum ein Treffer hatte mehr symbolischer Charakter in dieser Partie, als dieser Treffer in nummerischer Unterzahl. Nicht, dass er resultatmässig von Bedeutung gewesen wäre, aber in den Playoffs war es noch selten die Höhe der Siege, die etwas veränderten, viel mehr die Art und Weise. Dieser Treffer hatte das Charisma für eine solche Bedeutung.

Smith anstelle von Bergeron
Doch bereits vor der Partie hatte Marc Crawford ein Zeichen gesetzt. Eines gegen Spektakel und für Solidarität. Smith durfte den Platz der Nummer 22 einnehmen – bei ebensovielen geliebt, wie gehasst. Smith dankte es mit einer unaufgeregten, aber durchwegs guten Leistung. Es war aber nicht so, das Smith die Partie entschieden hätte. Viel mehr war er gestern jenes Puzzleteil, welches dem ZSC die Richtung wies. Crawfords Spieler hatten verstanden und sie machten auch nach dem frühen Tor von Keller dies, was der Trainer von ihnen erwartete, sie kämpften und verteidigten. Dass es dann noch ein bis zwei Mal eine starke Aktion von Flüeler brauchte, gehört ebenso zu den Playoffs, wie alles andere.

In der USA oder in Kanada gilt oftmals das Motto: „never change a winning Team“. Diesem Kredo dürfe auch Crawford nachkommen, Smiths Platz scheint auch für morgen Donnerstag gesichert. Ob dies allerdings der entscheidende Faktor sein wird, bleibt zu bezweifeln. Viel mehr geht es dann wieder darum, unspektakulär zu zeigen, wo die Differenz zwischen Genf und Zürich liegt – ob mit Bergeron oder Smith. Wo die Differenz liegt, zeigte sich gestern nur zu gut und dies ist ja die eigentlich schöne Geschichte an gestern, in allen Bereichen. Es braucht kein Wick, Bärtschi oder Cunti in Topform, sondern einfach nur eine gute Teamleistung. Eine einfache Sache? Mitnichten, es braucht alle – auch uns, bringen wir die Halle zum Kochen!

Ein konzeptloser Meister auf dem Eis

Die Hallenstadion-Uhr zeigte 22:05 an, Severin Blindenbacher kurvte, mit einer Mischung aus Wut und Ungläubigkeit, auf dem Zürcher Eis herum – er musste zum Interviewtermin, nicht ganz freiwillig. Es war ein Sinnbild für die Mannschaftsleistung des ZSC am gestrigen Abend, er hatte von Beginn an kein Konzept in seinem Spiel, brachte während den gesamten 60 Spielminuten keine vernünftige Angriffsauslösung zu Stande und verdiente sich somit die deutliche Startniederlage gegen Biel. Hat der ZSC den EHC Biel unterschätzt? Ist der ZSC nicht bereit für die Playoffs? Oder war es nur ein Ausrutscher zu Beginn dieser heissesten Phase des Jahres. Egal aber was es ist, schlimm am gestrigen Auftritt war die Verarbeitung auf dem Eis, der ZSC nahm kaum Zweikämpfe an, fuhr die Checks nicht fertig und wenn es dann mal zu einem Handgemenge kam, benahmen sich die Zürcher Akteure wie die grössten Weicheier. Ein bisschen Rempeln, ein wenig Ziehen, aber kein richtiger Fight, kein richtiger Zweikampf – und so gewinnt man halt eben keine Playoffpartien.

Das Ambiente hätte gepasst
Dabei wäre alles angerichtet gewesen, die Zürcher Fans hatten seit dem frühen Nachmittag die Choreographie für die Westseite. Über 60 Meter erstreckte sich die Aufmachung der Zürcher Fans – sie sollte am Schluss vorerst vergebens sein. „FÜR ZÜRI AM GLÄNZE, FÜR EUSI FARBE AM KÄMPFE“, stand auf den beiden grossen Transparenten in der Mitte der Westseite. Für den ZSC hatte dies aber stimmte diese Aussage definitiv nicht.

So enthusiastisch die ZSC Fans am Anfang noch waren, so verärgert waren sie nach dem zweiten Drittel. Eine grosse Anzahl von ihnen zog es aufgrund der Leistung der Mannschaft nämlich zum Spielereingang des ZSC – um dort den Spielern von Crawford zu erläutern, dass eine solche Leistung nicht nur unzureichend, sondern auch eine absolute Frechheit ist. Viel Einfluss hatte diese Aktion nicht, zwar kassierte der ZSC keinen weiteren Treffer, aber er brachte eben auch keine Trendwende in dieses Spiel. So schlitterte er in den letzten Minuten fast regungslos in diese Niederlage, die zwar noch kein Weltuntergang ist, die aber schon etwas Grund zur Sorge bietet.

Das eigene Spielkonzept durchziehen
Was also ist die Konsequenz für den nächsten Dienstag? Eigentlich gibt es nur eine; Spiel abhacken, von neuem Beginnen und hoffen, dass ein solcher Auftritt nicht wieder vorkommt. Denn eine Fehleranalyse könnte lang und beschwerlich werden, nach einem solchen Spiel. Was aber klar ist, ohne eine vernünftige Angriffsauslösung wird der ZSC keine Partie gewinnen können. Notfalls mit Gewalt, muss man dem EHC Biel das eigene Spielkonzept aufzwingen und so zum Erfolg gelangen. Denn trotz 31 Torschüssen gestern, hatte man nie wirklich das Gefühl, dass der ZSC eine Druckphase mit vielen guten Chancen hatte.

Zum Glück ist Playoff, dann beginnt nämlich zwei Tage später bereits wieder eine Partie bei Null und wenn man diese gewinnt, ist die Niederlage von gestern schon fast wieder vergessen. Es isch Playoff und jetzt rissed Eu verdammt nomal zäme!

Fehleranalyse der 6:1 Niederlage gegen den HC Davos

Lange mussten wir den Rotstift nicht mehr zur Hand nehmen und die offensichtlichsten Fehler der Zürcher aufzeigen, aber nun ist es wieder soweit. Die 6:1 Niederlage vor heimischem Publikum war zwar in dieser Form gar etwas hoch, da insbesondere im ersten Drittel die Zürcher eigentlich die bessere Mannschaft war. Die Fehler, die hinter den ersten vier Toren – wir haben nur diese Tore ausgewertet – waren zum Teil haarsträubend. Stürmer die nicht genügend konsequent mit in die Defensive gingen und Verteidiger, welche offensichtlich nicht im Bild waren, welches ihr Aufgabengebiet ist, waren die Basis für diese „Klatsche“ gegen den HC Davos.

1. Tor, 09:20 ZSC – HC Davos 0:1:
Es war der Anfang des Endes. Auf ein vermeintliches Offside folgte das 1:0 für den HC Davos. Ausgangslage für den Treffer war ein Stellungsfehler des Captains Matthias Seger…

ZSC - HC Davos, 1. Tor:

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Der ZSC in der Defensivbewegung ungenügend. Die Offsidefrage, welche sich bei diesem Treffer stellte, kann aufgrund dieser Bilder nicht abschliessend geklärt werden.

 

2. Tor, 13:50 ZSC – HC Davos 0:2:
Eine Zwei gegen Eins Situation war hier der Auslöser für den Treffer. Zwar konnte diesem mit gemeinsamen Einsatz entschärft werden, doch dabei ging der Rückraum vergessen und damit auch der Torschütze des 0:2.

ZSC - HC Davos, 2. Tor:

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Bei der Entstehung des zweiten Treffers am gestrigen Abend standen die Zürcher ziemlich neben ihren Positionen. Zwei Davoser sind beinahe auf Höhe der blauen Linie und nur ein Zürcher ist noch verbleibend.

3. Tor, 20:37 ZSC – HC Davos 0:3:
Gespielt waren gerade einmal 37 Sekunden im Mitteldrittel und was folgte, war eigentlich das grösste kollektive Black-Out am gestrigen Abend. Da passte gar nichts und Bürgler nutzte die ihm gewährten Freiheiten aus.

ZSC - HC Davos, 3. Tor

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Zwei Zürcher Spieler kümmern sich um den Davoser mit der Scheibe, dagegen geht Bürgler am rechten unteren Bildrand vergessen.

4. Tor, 21:16 ZSC – HC Davos 0:4:
Und nur Sekunden nach dem dritten Treffer von Davos folgt auch noch der vierte. Erneut in der Defensive ohne Zuordnung und Zuteilung. Es war die frühe Vorentscheidung für die Gäste.

ZSC - HC Davos, 4. Tor

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Die Angriffsauslöung hier war selbst für die TV Kameras zu schnell. Doch die Zürcher sind einfach zu weit von ihren Gegenspielern entfernt...

Quelle der Bilder: Teleclub

Die drei besten Z Tore in der Analyse

Bisher bestanden unsere Analysen aus negativer Kritik am Spielsystem der Mannschaft. Nun möchten wir die Geschichte umdrehen und zeigen, was der ZSC gestern richtig machte und schlussendlich zu den sechs Treffern kam.

Tor 1 – Jeff Tambellini (Andres Ambühl, Juraj Kolnik) – 2:08

Tor 1: Ausgangslage

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Andres Ambühl stört die Davoser Verteidigung erfolgreich, kann die Scheibe übernehmen und anschliessned in die gegnerische Zone fahren. Jeff Tambellini geniesst viele Freiheiten und sieht das freie Eis vor sich.

Tor 3 – Cyrill Bühler (Chris Baltisberger, Reto Schäppi) – 42:48

Tor 3: Ausgangslage

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Chris Baltisberger deckt den Puck erfolgreich ab. Für sein junges Alter spielt die Nummer 41 eine sehr gute Playoff-Serie.

Tor 5 – Patrik Bärtschi (Ronalds Kenins) – 50:29

Tor 5: Ausgangslage

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Ronalds Kenins versetzt den Davoser Gegenspieler mit einer einfachen Finte und verschaft sich somit Zeit und Platz.

Bilderquelle: Teleclubwww.bluewin.ch

Ein Spiel mit Symbolcharakter zum Abschluss

„Schöööni Ferie, schöni Ferie!“ Auch mehrere Stunden nach dem Derbyout gegen Kloten hallt mir das Lied des Schreckens noch immer in den Ohren. Und die Realitet, also das erneut frühe Ausscheiden in der ersten Runde der Playoffs, schmerzt fast mehr als noch gestern. Es war der Beweis für das nie zu glauben wollende: Der ZSC war in dieser Saison nie konkurrenzfähig und schied verdientermassen aus. Dass es in einem Derby geschah, macht die Sache umso bitterer.

Noch nicht an diese Niederlage und schon gar nicht an ein mögliches Scheitern mochte vor Spielbeginn gedacht werden. Und als sich die Nachricht von Sulanders Schweizer Pass, wie eine Welle durch die Kurve, seinen Weg bahnte, da war fast alles wieder mit Hoffnung und Glauben an das Gute versehen. Aber eigentlich war es ein grosser Fehler, denn mit dieser Goalierochade wurde Flüeler quasi degradiert und den Spielern erneut Druck weggenommen. Nichts gegen Sulaner, im Gegenteil, aber es war nicht Flüelers Schuld, dass es 3:1 in der Serie für Kloten stand, sondern jene seiner übrigen Teamkameraden. Erwähnt muss aber auch werden, dass die Leistung von Sulander auch am gestrigen Abend top war – gebracht hat es am Schluss aber trotzdem nichts.

Damit sind wir beim eigentlichen Kernpunkt der Geschichte und dieser war selten zuvor so offensichtlich wie in den ersten Minuten von Spiel fünf. Warum um alles in der Welt dürfen zwei Kloten Spieler auf unseren Torhüter zu stürmen, auf den Abpraller spekulieren, und werden von unserer Mannschaft nicht angegriffen? Warum müssen unsere Spieler immer dann wechseln, wenn einer seiner Kameraden den Puck tief spielt und ein schnelles Forechecking wichtig wäre? Warum sieht es so aus, als hätten sämtliche Gegner mindestens einen Spieler mehr auf dem Eis und somit eine Anspielstation mehr? Und das in einer Playoffserie gegen Kloten, in der es um mehr als nur um sportliche Ziele geht, sondern um die Vorherrschaft im eigenen Kanton und die Schmach mindestens ein Jahr seinem direkten Konkurrenten unterlegen zu sein!

Die Leistung gestern war aber nur noch die Bestätigung einer sich bereits über 50 Spiele abzeichnenden Tendenz, die auch im Playoff nur selten durchbrochen werden konnte. Nach dem 2:0 schienen die Flieger bereits zum Schaulaufen für das Halbfinale aufzulaufen. Und tatsächlich fand der ZSC wieder etwas besser ins Spiel zurück. Doch auch in diesen Momenten schien dem ZSC zu viel für ein Spitzenteam zu fehlen. Zwar schockten die beiden Gegentreffern den scheinbar sicheren Halbfinalisten ein wenig, doch genau dort hätte der Z noch einmal zusetzen müssen – aber er scheiterte auch an dieser Aufgabe. Es fehlte an Spielwitz, an cleveren ersten Pässen und im Allgemeinen an einer kreativen Spielauslösung, die zu gefährlichen Aktionen hätte führen können.

Ganz zum Schluss noch der konditionelle Aspekt: Hat jemand eine gefährliche Torchance für uns in der Verlängerungen registriert? Hat jemand die Blöcke 3 und 4 jemals auf dem Eis gesehen? Bis vor den Playoffs war ich mir sicher, dass die fehlende Kondition kein Grund für das schwache Abschneiden unserer Mannschaft ist. Aber in den letzten beiden Begegnungen wurde ich wohl eines Besseren belehrt. Kraft und saftlos wirkte das Team von Gustafsson (dessen Tage übrigens auch gezählt sein dürften) während genau den entscheidenden Situationen!

Damit waren alle Probleme, mit welchen wir uns während der gesamten Qualifikation abgeschlagen hatten und auf Verbesserungen in den Playoffs gehofft hatten, in einem Spiel vereint. Was wird sich ändern? Wir wissen es noch nicht… Hoffentlich aber einiges. Nur eines bleibt für immer:

„Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser ZSC nicht.
Alles, alles geht vorbei, doch wir bleiben treu.“

Was meint Ihr dazu? Diskutiert über die Saison, die Probleme, mögliche Veränderungen in unseren Kommentaren!