Die Nachwehen der zweiten Niederlage in Bern

Offensichtlich fällt es dem ZSC schwer in Bern eine Partie zu bestimmen und nicht nur in der eigenen Zone auf Konter zu warten. Anders war die zumeist defensive Haltung nicht zu erklären, auch wenn sie dies im ersten Drittel deutlich besser taten, als noch im ersten Spiel in Bern. So war es doch eine Frage der Zeit bis ein Tor fallen würde. Nun, noch ist alles in der Reihe, aber mit jedem Heimsieg der Mutzen steigt der Druck auf die Zürcher, im Hallenstadion ebenfalls gewinnen zu müssen.

Falsche Entscheidungen als Schlüssel
Der ZSC wählte gestern in zu vielen Situationen die falsche Entscheidung. Bestes Beispiel dafür war das 1:0 der Berner. Froideveaux konnte aus der Mittelzone auf das Zürcher Tor losstürmen, hatte die Situation vorerst im Griff und als das Tor kam, musste sich sowohl Froideveaux wie auch Seger entscheiden, wo die Aktion hingeht. Der Berner war entschlossener, zog den Kreis um das Tor von Lukas Flüeler und fand dort eine grosse Lücke neben Flüelers Beinschoner und der Torumrandung. dagegen hatte kurz gezögert, ob er auf ein “Buebetrickli” spekulieren wollte, oder mit dem Berner um das Tor fahren sollte. Und da lag die Scheibe auch schon im Tor. Es sind genau diese Entscheidungen, die gestern das Spiel entscheidend geprägt hatten.

Inexistentes Powerplay von Zürich
Ein weiterer Punkt, der wohl auch in Hartleys Analyse auftauchen wird, ist das schwache Powerplay der Zürcher. Gestern nahmen die Powerplayversuche der Zürcher schon fast wieder die Qualität der Qualifikation an. Problem Nummer eins im Zürcher Überzahlspiel ist die Grundidee, wie die Scheibe so in die Zone gespielt oder getragen werden kann, dass die Formation aufgestellt werden kann. So verspielte der ZSC regelmässig 40-50 Sekunden einer Strafe gegen Bern, ohne einmal im Drittel des Gegners zu sein. So kannst Du diese Serie natürlich nicht gewinnen.

Mehr Leidenschaft, Biss und Herzblut

Cyrill Bühler

Cyrill Bühler

Rechnerisch ist noch alles in der Reihe und sollte der ZSC am Montag tatsächlich erneut Ausgleichen, dann wird der Druck auch wieder auf den SCB übergehen. Aber der ZSC muss dafür wieder mehr Herzblut und Emotionen auf dem Eis zeigen und zwar während der gesamten Spieldauer einer Partie und nicht nur gegen Ende, wenn die Partie eigentlich schon fast entschieden ist. Und dann fällt vielleicht auch so ein Schuss wie jener von Bärtschi in der 45. Minute in die Maschen und bleibt nicht an der Torumrandung hängen.

SC Bern – ZSC 3:0 (0:0, 1:0, 2:0)

Noch 6,9 Sekunden waren auf der Matchuhr, da packte es Kenins. Er zog einen Sprint über das ganze Eisfeld an – warf dabei Stock und Handschuhe in seiner Aggression zur Seite – und wollte hinter Bührer Morant angreifen, welcher vorher übermotiviert einen Zürcher zu Boden drückte. Es war die letzte Aktion in einem Playoff-Finalspiel, das auf beide Seite hätte kippen können.

Bern mit mehr Spielanteilen
Die Zürcher hatten ihre Chancen, besonders im Mitteldrittel, doch genau dort legten die Berner auch den Grundstein für den zweiten Heimsieg. Vor allem der Anfang dieser Niederlage war bitter, erwischte Frodeveaux Flüeler doch per Buebetrickli. Und dies ausgerechnet in einer Phase, in der Zürich langsam die Überhand erkämpfte.

Die Reaktion ohne Tore
Auch im dritten Abschnitt hatte der ZSC seine Chancen, aber das Tor von Bührer blieb verschlossen. Und als in der 49. Minute Scherwey zum zweiten Tor einschob, da war die Geschichte durch. Bern erspielte sich den zweiten Heimsieg in dieser Serie und die Rückeroberung des Momentums! Am Montag muss der ZSC eine Reaktion in der Halle zeigen.

Das Ärgernis von Bern
Noch eine kurze Randnotiz zum Schluss. Neben der Niederlage mussten sich die Zürcher auch noch über die Berner Sitzplatz-Fans ärgern. Beschimpfen sie doch ständig die Gästefans und verlassen das Stadion nach 50 Minuten, doch wehe der führt im Playoff-Final. Dann wird mit provokativen Gesten und anrüchigen Gesichtsausdrücken in den Gästesektor geschaut. All jenen sei gesagt: Die Serie ist noch lange nicht zu Ende und Zürich bereit für den Titel!
Bis am Mäntig i de Halle!

Foto: Dominik Hew/zscblog.ch

Foto: Dominik Hew/zscblog.ch

Den SCB in der eigenen Halle auf die Probe stellen

Nach zwei Partien kann zusammenfassend gesagt werden, dass noch kein Trend zu erkennen ist, wer am Schluss den “Kübel” in die Höhe strecken darf. Beide Teams spielen in der Defensive sehr solide und machen besonders in der Mittelzone die Räume sehr eng für den Gegner. Und dies ist auch in den nächsten Spielen zu erwarten.

Das Break realisieren - so schnell wie möglich
Mit den beiden Heimsiegen haben die Teams auch unter Beweis gestellt, dass sie sich gerne von ihrer Heimkulisse tragen lassen. Nun, wenn das so ist, dann müssen die Zürcher mindestens einmal in Bern als Sieger vom Eis, sonst würde logischerweise der als Meister diese Saison beenden. Damit es nicht so weit kommt, tut die Mannschaft von gut daran, bereits im dritten Spiel dieses Break zu realisieren und so dem eine weitere Hausaufgabe mit zu geben.

Abwarten und auf Konter lauern
Auch beim zweiten Spiel in Bern wird der ZSC nicht alles auf die Karte Offensive setzen, sondern wie eigentlich immer in diesen Playoffs auf die ersten Fehler beim Gegner warten. Um dieses Spiel aber erfolgreich praktizieren zu können, wäre ein früher Treffer von Vorteil. Denn je mehr Chancen die Zürcher vergeben, so wie dies am Donnerstag passiert ist, desto mehr entwickelt sich eine Blockade vor dem Tor und Marco Bührer spielt sich in einen “Rausch”.

Mit dem Extrazug nach Bern
Nachdem beim ersten Spiel in Bern noch einige Zürcher Fans zu spät beim Stadion eintrafen, sollte dies morgen nicht der Fall sein. Denn etwa 500 Fans reisen mit dem Extrazug nach Bern, welcher direkt von Zürich nach Bern fährt. Damit sollte auch einer guten Atmosphäre, welche am Dienstag gefehlt hatte, nichts mehr im Wege stehen. Es dürfte ein ordentlicher Ausflug werden, der hoffentlich von der Mannschaft mit einem erfolgreichen Spiel und dem Sieg honoriert wird!

Nehmen wir die Hauptstadt ein…!

Die Leidensgeschichte aus Spiel 2

Mit dem Heimsieg der Berner war die Finalserie so richtig lanciert. Der ZSC verschonte sich in der Folge nicht mit Selbstkritik und die Berner übten sich, wie könnte es nach einem Sieg auch anders sein, mit den Standardphrasen eines Gewinners ab. Dem SCB war aber sehr wohl bewusst, dass er die Zürcher mit dieser Niederlage auf die Generalprobe gestellt hatte, war der Z bisher doch mit acht Siegen in den Playoffs in einen richtigen Lauf gekommen.

Der schmale Grat zwischen Niederlage und Erfolg
Auch in der zweiten Partie, vor einem ausverkauften Hallenstadion, wurde kein übermässiges Spektakel geboten. Die Zürcher, zwar mit vielen Versuchen und Chancen, zeigten viele individuelle Fehler und Unkonzentriertheiten. Vielleicht sind wir zu verwöhnt von den beiden Serien gegen Zug und Davos, aber jener ZSC aus den beiden erwähnten Serien, fehlte mir auch gestern – zumindest lange Zeit. Mit 1:0 schafften sich die Berner sogar jenen Vorsprung, welche der ZSC um jeden Preis zu verhindern versuchte.

Von 0 auf 100 innert einer Sekunde
Es war wohl vielen bewusst, dass falls der SCB diesen Vorsprung verwalten kann, oder diesen sogar noch ausbaut, es zu einer noch viel härteren Aufgabe werden sollte. Genau darum war nach den vielen vergebenen Chancen im Mitteldrittel die Halle auch nicht mehr derart euphorisch. Es war schon ein Anflug von Verzweiflung zu spüren, welcher wohl durchaus auch seine Berechtigung hatte. Bührer hielt alles und machte es so dem Publikum auch nicht leicht. Es brauchte schon das Tor in der 47. Spielminute, um sämtliche Emotionen wieder auf den absoluten Siedepunkt zu bringen und den ZSC und vor allem die Halle zurück im Geschäft. Nun war plötzlich wieder Leben in der Hütte, sowohl auf wie auch neben dem Eis und manch ein SCB-Fan ärgerte sich darüber, dass sein Team es verpasste, den zweiten Treffer nachzulegen.

Partie und auch die Nerven verloren
Auch in den darauffolgenden Minuten stand das Spiel auf der Kippe und der SCB hätte sich mit einem verwandelten Torschuss wieder in eine grossartige Ausgangslage spielen können. Doch die Berner schienen beinahe paralysiert von diesem Ausgleichstreffer und als Monnet Bührer noch Backhand abtrocknete, da war die ganze Arbeit – die während 47 Minuten von den Berner geleistet wurde – vergebens. Die Berner verspielten ihre letzte Chance mit einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Ritchie neun Sekunden vor Schluss. Das Foul des Topscorers an Seger und die anschliessende Reaktion darauf – Stockschlag in den Rücken von Ambühl – zeigten die Gemütslage der Berner deutlich auf: Ein Spiel, welches lange zu ihren Gunsten verlief, gaben die Berner Preis und dürften dieser Chance noch einige Stunden nachtrauern…

ZSC – SC Bern 2:1 (0:0, 0:1, 2:0)

Hallo Bern, mir sind zrugg i dere Serie!!!

Der heutige Sieg, in einer Partie, in welcher der ZSC ganz nahe an der Niederlage war, ist unfassbar geil!!! Mit einer Pyroshow begrüssten die Berner ihre Mannschaft – zum Glück ist die Lüftung im Hallenstadion besser als jene in der alten Hertihalle.

Das Startdrittel verpennt
Aber vorerst gab es für den ZSC einiges an defensiver Arbeit zu erledigen und dort schienen sie zu Beginn etwas überfordert. Zürich zeigte sich mit vielen Fehlpässen und Abspielfehlern, welche gegen Davos oder Zug noch nicht zu sehen waren. Das änderte sich im Mitteldrittel nur wenig. Der Z war zwar nun etwas besser, aber noch immer nicht mit dem letzten Willen im Spiel und so erstaunte es nicht, dass Vermin die Gäste nach 22 Minuten in Führung brachte.

Das Bangen und Hoffen nach der Führung für Bern
Nun schien Bern auf der Erfolgswelle zu reiten. Zwar hatte der ZSC Chance um Chance, aber immer wieder scheiterten sie an Bührer, der Verteidigung oder am eigenen Unvermögen. Die Stimmung im Hallenstadion schwankte zwischen grenzenloser Euphorie und absoluter Verzweiflung. Es sollte nicht sein, oder doch?

Down und die Bande als Wendepunkt
In der 47. Minute zog McCarthy von der blauen Linie ab, traf aber nur die Bande hinter Bührer. Von dort kehrte die Scheibe – und wohl auch das Spiel – auf die Stöcke der Zürcher zurück. Down konnte Bührer zum ersten Mal an diesem Abend bezwingen. Und nun tobte die Halle: der ZSC spielte den Puck mit dem 1:1 zu den Fans und diese, mit einer guten Stimmung, sofort wieder zurück. Nun war es ein anderes Spiel.

Monnet mit der Erlösung
Mit dem 1:1 war der ZSC durchaus gut bedient, aber sie hatten noch nicht genug. Meinen negativen Vorausahnungen zum Trotz, brachten sie auch noch den zweiten Treffer in die Maschen. Monnet verwertete das Zuspiel von Bastl und löste damit eine grenzenlose Euphorie aus!!! Die Kombination der welschen Linie war herrlich an zu sehen und grossartig abgeschlossen.

Die letzten Minuten waren ein Bangen und Zittern, doch es reichte… Nun steht es 1:1 in der Serie und alles ist wieder offen! Miiiir sind zruggg Zürii!

Blain Down trifft zum 1:1 Foto: Dominik Hew/zscblog.ch

Blain Down trifft zum 1:1 Foto: Dominik Hew/zscblog.ch

Die Reifeprüfung zum Finalauftakt

Die Enttäuschung über die erste Niederlage in den Playoffs sitzt noch immer fest! Aber sie darf zu keiner Schockstarre führen, sondern muss als Weckruf zum richtigen Zeitpunkt gewertet werden. Und vor allem soll sie zur Reifeprüfung des “neuen” ZSC werden, welcher sich deutlich vom Quali-ZSC unterscheidet.

Den Fokus verloren
Kein Spieler würde öffentlich kund tun, dass die Mannschaft den Gegner zu wenig ernst genommen hat oder sogar den Fokus nicht auf der nächsten Partie hatte, sondern eventuell schon beim Meistertitel in 12 Spielen. Aber wenn die Spieler heute Morgen zum Training erscheinen, dann wird der eine oder andere zu dieser Selbsteinschätzung gekommen sein – zumindest im Inneren. Zumindest die Last vom möglichen Titel in 12 Partien haben die Zürcher gestern abgelegt.

Die Mittelzone als Kernproblem
Bisher lief in diesen Playoffs vieles für den ZSC und eine Niederlage ist eigentlich auch kein Problem, besonders mit der am Schluss gezeigten Reaktion. Nach dem 4:2-Anschlusstreffer musste Bührer einige Male mirakulös retten. Und dennoch wird gefordert sein, der Mannschaft die richtigen Analysen mitzugeben. Vor allem das Umschalten von der Defensive in die Offensive klappte nicht mehr nach Wunsch. So landeten viele Scheiben in der stabilen Verteidigung der Berner. Insbesondere gegen einen Gegner, welcher defensiv sehr kompakt steht, ist Kreativität und Flexibilität in der Mittelzone gefragt.

Aus einer Best of 7-Serie, eine Best of 5 machen
Und wie reagiert man am besten auf eine solche Niederlage? Richtig, mit einem postwendenden Konter vor heimischem Publikum und dem unmittelbaren Ausgleich in der Serie. Aber Achtung, auch wenn es schon erwähnt wurde, das morgige Spiel wird noch etwas härter und endet kaum in einer Galavorstellung der Zürcher. Mannschaft und Fans müssen bereit sein und zwar ab der ersten bis zur letzten Spielminute. Denn nur so haben wir die Chance, dass am Schluss unter dem Namen ZSC eine höhere Zahl steht, als beim SCB – und dies ist nun mal der entscheidende Aspekt im Hockey.

SC Bern – ZSC 1:0 – in der Serie

Wenn du die erste Partie in einer Playoffserie verlierst, liegst Du 0:1 hinten. So einfach fällt der heutige aus. Also nicht ganz natürlich. Es gilt dem zu gratulieren, er war über weite Strecken der Partie die bessere Mannschaft und somit auch der verdiente Sieger. Mit Pech und Glück hatte dies heute nichts zu tun. Also beginnen wir gleich mit der Fehleranalyse, denn Zeit bis zur nächsten Partie haben wir kaum.

Den Spielbeginn verschlafen
Mit etwa fünf Minuten Verspätung trafen die Cars der Zürcher Fans beim Stadion ein. Und so agierten auch die Zürcher Spieler auch auf dem Eis, sie schienen nicht bereit für den Final und erhielten dafür die Quittung. Noch einmal: Diese Serie gewinnen wir nicht mit Lockerheit und Show, sondern mit Kampf und Leidenschaft. Beides fehlte den Zürchern heute.

Defensiv zu wenig stabil
An Lukas Flüeler lag es heute nicht, viel mehr an seinen Vorderleuten, die ihre Aufgabe nicht so absolvierten, wie es nötig gewesen wäre. Und wenn dann noch die Offensive nicht alles in die Maschen haut, dann verliert man solche Spiele. Es war keine Domination der Berner, aber eine clevere Auftaktpartie des Heimteams.

Niederlage zum richtigen Zeitpunkt
Nach acht Partien kann der Z seinen Siegeszug nicht fortsetzen. Irgendwie wirkte er nicht mehr mit derselben Konzentration am Werk und dies mag es nicht leiden. Zwei Dinge dürfen dennoch als positiv gewertet werde: 1. Die Reaktion auf das 4:1 und dem Willen diese Partie noch zu wenden. 2. Dass diese Niederlage möglicherweise zum richtigen Zeitpunkt gekommen ist und der Meistertitel nicht mehr an Ostermontag gefeiert werden müsste.

Und der grossen Schadenfreude der Berner gibt es nur ein Lächeln zu entgegnen. Denn in dieser Serie ist noch absolut gar nichts entschieden. Am Donnerstag greifen wir wieder an…

Foto: Dominik Hew/zscblog.ch

Foto: Dominik Hew/zscblog.ch