Eine unfassbare Wende in letzter Sekunde geschafft

Zugegeben, als nach 40. Minuten die zweite Pause anstand, der ZSC 0:2 im Rückstand war und alle für Biel sprach, glaubten nicht mehr viele an eine Wende. Eine Mischung aus Hoffnung, Resignation und Ungläubigkeit war im Zürcher Fansektor auszumachen. Sollte es dies wirklich schon sein? Sollte der ZSC tatsächlich 1:3 in dieser Serie in den Rückstand geraten und am Dienstag schon ein Spiel der letzten Chance anstehen? Solche und andere Gedanken gingen wohl den meisten, au wenn sie dies kaum zugeben mochten, durch den Kopf. Rund 300 Fans waren über den Verlauf des Spiels enttäuscht.

Eine Taktikänderung bringt die Wende
Es war nicht das Resultat alleine, es war viel mehr die Art und Weise, wie sich der ZSC vorführen lies vom EHC Biel – wohlgemerkt vom achtplatzierten der Qualifikation. Marc Crawford dürfte mit seinem Latein schon fast am Ende gewesen sein, als er sich entschied, das Forechecking zu forcieren. Eine, wie sich später herausstellen sollte, clevere und absolut richtige Entscheidung. Neu also mit zwei Spielern attackierten die Zürcher den Spielaufbau des EHC Biel und die Seeländer liessen sich durch diese Massnahme aus der Ruhe bringen. Dem 2:1 von Cunti in der 43. Minute aber folgte viel zu lange keine weitere gute Aktion der Zürcher mehr, im Gegenteil sie behinderten sich selber und nahmen gleich drei Mal eine Strafe für zu viele Spieler auf dem Eis. Eine Tatsache, die keinen Trainer erfreuen dürfte.

Als dann die dritte solche Strafe gegen den ZSC ausgesprochen wurde, beim Stand von 2:1 und zwei Minuten vor Ende, musste man schon ein grosser Optimist sein um noch an einen Sieg zu glauben. Die Mannschaft tat es und als Flüeler das Tor verliess, stürmten die vier Zürcher noch einmal nach vorne, Roman Wick schoss, Rytz lies abprallen und Keller stand dort, wo er zu stehen hat und schoss ein. Es war jener Keller, der letztes Jahr so für seine Playoffqualitäten gelobt wurde und dieses Jahr noch so gar nicht auf Touren kam. Dass er es ausgerechnet war, der den so wichtigen Treffer erzielte, war mehr als verdient, es war der erste Punkt des 31-jährigen Stürmers in dieser Serie.

Der grosse Auftritt von Künzle
Trotzdem war mit diesem Erreichen der Verlängerung natürlich noch nichts geschafft, im Gegenteil, hätte der ZSC in der Verlängerung verloren, der Mentale Knick wäre noch grösser gewesen, als wenn er nach 60. Minuten untergegangen wäre. Biel wirkte auch in dieser Verlängerung gewillter etwas mehr aufzumachen und etwas zu riskieren, dass aber in den ersten zehn Minuten nur gerade sechs Torschüsse abgegeben wurde, zeigt wie fest die Defensive im Vordergrund stand.
Einer dieser sechs Schüsse war es dann auch, der die Entscheidung herbeibrachte. Künzle lief durch die Verteidigung durch, schloss ab, Simon Rytz liess den Schuss nach vorne abprallen. Es war dann wieder Künzle der dort stand und im Stile eines Baseball-Champs die Hartgummischeibe im Netz versenkte. Die Fans und Spieler eskalierten, feierten sich und die ganze Welt!
Doch ganz vorbei war es noch nicht, die Bieler setzten sich provokativ wieder auf die Bank, während der ZSC bereits auf der blauen Linie bereit stand. Warum? Das Schiedsrichter-Quartett wollte sich das Video noch einmal anschauen, aber egal wie oft sie das Video ansahen, der Stock war deutlich unter der Querlatte und somit galt das Tor.

Der Serieausgleich ist von nicht beschreibbarer Bedeutung, ein 3:1 wäre dann wohl eine Niederlage zu viel gewesen, dagegen haben die Zürcher jetzt die Chance, diese Serie mit Würde und Anstand zu gewinnen. Keller und Künzle haben dem ZSC diese Chance ermöglicht, es liegt jetzt an allen, diese zu packen!