Die Zürcher schlagen sich in Wien selbst

Vienna Capitals 5:3 ZSC (0:1; 2:2; 3:0)

Wick bringt die Zürcher in Führung

Heute stand das letzte Gruppenspiel in der Champions Hockey League in Wien gegen die Vienna Capitals auf dem Programm. Allen war klar, dass nur 3 Punkte das Weiterkommen garantieren würde. Die Vienna Capitals konnten zu Beginn des Spiels in Überzahl agieren, da Cunti für 2 Minuten auf die Strafbank wanderte. In der Folge fanden die Zürcher besser ins Spiel und kamen ebenfalls in den Genuss eines Powerplays. Dieses nutzte Roman Wick mit einem schönen Handgelenkschuss zum so wichtigen 0:1. Mit dem 0:1 im Rücken verliessen sich die Zürcher auf die Defensive, statt das 0:2 zu suchen. Dies klappte zwar sehr gut, sollte sich jedoch im Verlaufe des Spiels als schwerwiegender Fehler herausstellen. Gegen Ende des Drittels wurden die Capitals merklich stärker und die Zürcher Defensive geriet vermehrt unter Beschuss, konnte das 0:1 aber mit wenig Aufwand in die erste Pause retten.

 Das Powerplay der Capitals schlägt zu

Wieder musste zu Beginn des Drittels ein Zürcher auf die Strafbank – Bärtschi sass die Strafe wegen zu vielen Spielern auf dem Eis ab. Die Zürcher Box schien alles im Griff zu haben bis Fraser von der Blauenlinie mit einem wuchtigen Handgelenkschuss ins Lattenkreuz traf. Nun waren die Zürcher gefordert und wieder einmal waren es Cunti und Wick, welche die Zügel in die Hand nahmen. Schöne Kombination durch das Wiener Drittel der beiden Künstler – an dessen Ende Derek Smith die Zürcher wieder in Front schoss. Jetzt wäre es aus Zürcher Sicht an der Zeit gewesen ein drittes Tor zu suchen, doch stattdessen schaltete man wieder einen Gang zurück und zog sich in die eigene Defensive zurück. Und wieder wurden die Zürcher für diese Passivität bestraft, denn die Wiener nützten auch die nächste Powerplaychance, welche sich ihnen, nachdem Foul von Trachsler, bot. Wieder fand ein Geschoss von der Blauenlinie seinen Weg in das Tor von Lukas Flüeler, welcher bei diesem Tor nicht sehr glücklich aus sah, da er freie Sicht hatte. Marc Crawford platzte nun endgültig der Kragen und stauchte seine Mannen so richtig zusammen. Die Wutrede von Crawford im Timeout schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben, die Zürcher agierten nun wieder zielstrebiger und kamen nun vermehrt zu Chancen. Der Zürcher Druck wurde nach 35 Minuten belohnt, als Robert Nilsson den Abpraller zum 2:3 versenkte. Kurze Zeit später bot sich Wien wieder die Chance im Powerplay den Ausgleich zu erzielen, doch dieses Mal konnten die Zürcher schlimmeres verhindern und den Vorsprung in die zweite Pause retten.

Zürcher Passivität wird erneut bestraft

Noch 20 Minuten bis zum Achtelfinal, dachten sich viele der mitgereisten Zürcher Fans, welche das Spiel in Wien in ein Heimspiel für den ZSC verwandelten. Dazu sollte es jedoch nicht kommen. Doch der Reihe nach. Wieder einmal verliessen sich die Zürcher zu sehr auf die Defensive und so trafen die Wiener schon wieder von der Blauenlinie zum 3:3 und wieder hiess der Torschütze Jamie Fraser. Dass dies gegen die Wiener in Hosen gehen könnte, hätte den Zürchern nach 40 Minuten eigentlich klar sein müssen. Wer nun auf die Zürcher Reaktion hoffte, hoffte vergebens, sie kam nicht. Es waren stattdessen die Wiener, die nun die Entscheidung suchten, sie jedoch noch nicht fanden. So bot sich den Zürchern nach 50 Minute im Powerplay die Chance wieder in Führung zu gehen und dem Ziel Achtelfinal wieder einen Schritt näher zu kommen. Doch was die Wiener heute an Aufopferung – gegen einen spielerisch Überlegenen Gegner – boten, zollt höchsten Respekt und so blieb es weiterhin beim 3:3. Und weil bei den Zürchern in der Folge die nötige Frische und Entschlossenheit fehlte musste es kommen, wie es kommen musste: Jamie Fraser versenkte den Puck von der Blauenlinie zum 4:3 und seinem dritten persönlichen Treffer. Nun waren die Zürcher endgültig am Boden und zu keiner ernsthaften Reaktion mehr fähig. Man merkte den Zürchern nun merklich die Belastung des dichten Spielplans der letzten Wochen an. Das 5:3 der Capitals ins leere Zürcher Tor war dann nur noch eine Randnotiz in einem Spiel, dass der ZSC so nie hätte verlieren dürfen. Der Titelverteidiger nach den Gruppenspiel out und Wien als Gruppensieger im Achtelfinal – Wer hätte das zu Beginn gedacht. Schlussendlich muss man sagen: Wer gegen Wien in zwei Spiel nur 2 Punkte holt, hat auf der europäischen Bühne nichts verloren und gehört nach Hause. Den Wiener hingegen muss man ein riesen Kompliment aus sprechen: Sie haben sich mit bescheidenen Mitteln gegen die beiden Übermächtig scheidenden Gegner Färjestad und ZSC durchgesetzt und stehen verdienter massen im Achtelfinale der Champions Hockey League.

Titelbild: Berend Stettler