Eine lange, geile Meisternacht

Als Robert Nilsson um 23:23 sein Lachen aufsetzte und in Richtung Penaltypunkt anlief, da wussten die mitgereisten Fans – und alle die im Hallenstadion auf die Erlösung warteten – noch nicht, dass für sie gleich eine lange, unvergessliche Nacht beginnen würde. Nilsson versenkte eiskalt und es durfte gejubelt werden, der Schluefweg wurde zum Zürcher Festhaus- was für ein wohl unschönes Gefühl für die Klotener. Unmittelbar nach dem verwandelten Penalty verkam das Stadion zum Tollhaus und die Zürcher Anhänger brachten die Kurve zum Erleuchten. Es wurde gefeiert, gejubelt und gesungen; die Temperatur der Kurve bei massivem Fieber angelangt und dieses kühlte sich nicht ab, bis Bastl den Pokal in die Höhe stemmen durfte unter tosendem Applaus aller mitgereisten Zürcher Fans. Seger war es, der den Pokal erhielt, welcher diesen aber zum erstmaligen Hochstemmen sofort an seinen Assistenten weiterreichte. Eine Geste, die den Teamzusammenhalt unter Beweis stellt, aber vor allem die loyale und gute Führung von Captain Seger. Sollte der Routinier eines Tages seine Karriere beenden, dann wird dies eine grosse Lücke im Kader der Zürcher hinterlassen.

Eine kurze Rückreise und dann ins Festhaus
Meisterfeier im HallenstadionZurück aber wieder zu den aktuellen Ereignissen. Der Meisterpokal also fest in Zürcher Händen und das Fest hatte erst richtig begonnen. Spieler und Fans begaben sich nun in Richtung Oerlikon, dort wo weitere 6000, 7000, ja vielleicht 8000 euphorisierte ZSC Anhänger warteten. Kurz war die Fahrt von Kloten auf Oerlikon, aber sie gab allen Beteiligten Zeit sich kurz zu fassen, zu realisieren was in den letzten zwei Stunden ablief und auf was sie sich noch gefasst machen konnten. Angekommen in Oerlikon gab es einen leuchtenden Marsch vom Bahnhof Oerlikon zum Hallenstadion; so hell war es wohl in der Nach von Oerlikon länger nicht mehr. Ebenso mit der Lautstärke, ganz Oerlikon, ja die ganze Schweiz sollte wissen, wer die Nummer 1 ist im Eishockey und so wurde es abermals laut verkündet: „Meischter, Schwiiiizermeischter… lolololololo“.

Die Mannschaft liess sich etwas länger Zeit für den Weg vom Schluefweg bis zum Hallenstadion. Irgendwann aber fanden auch sie sich an der grössten Sause der Schweiz ein. Einige bereits umgezogen, andere noch fast in der vollen Ausrüstung kamen sie auf die Bühne, wo sie alle herzlich begrüsst wurden. Dem einen oder anderen merkte man die ersten paar Biere bereits etwas an, die Hemmungen sanken. Patrik Bärtschi versuchte sich mit dem „Attacke ZSC“, Mathias Seger wollte absolute Ruhe im Publikum – was übrigens um diese Zeit ein Ding der Unmöglichkeit war -, Ryan Shannon versuchte sich als Capo und versuchte sich mehrmals am „ZeeeettteeeeeSSSSCEEEEE“. Ja und dann war da noch Wick, leicht gezeichnet von seinem ersten Titel, nahm er das Mikrofon in die Hand, ignorierte die gestellte Frage und meinte leicht angetrunken; „Sorry Chloooote, hät leider nöd ganz glanget“, worauf er lachend das Wort wieder dem Speaker übergab.

Meisterfeier im HallenstadionIrgendwann war die Mannschaft dann ausreichend gefeiert worden, es war an der Zeit für die Fans sicher selber zu feiern und sich gehen zu lassen. Wo normalerweise die Eisfläche steht und Tore geschossen werden, da tanzten und feierten jetzt die Zürcher Fans fast grenzenlos. Beendet wurde diese Zustand erst, als die Scheinwerfer im Hallenstadion um kurz vor vier Uhr angeschaltet wurden. Es gab aber noch mindestens eine Station, die da Cheyenne heisst, wo sich Fans und Spieler kurz vor Sonnenaufgang wieder trafen. Bei Sonnenaufgang waren dann viele auf dem Weg nachhause, aber eben nicht ganz alle und diejenigen dürften wohl noch lange gefeiert haben…