Zürcher Arroganz wird bestraft

ZSC – HC Fribourg-Gotteron 2:4 (1:0, 0:2, 1:2)

Weil sich Lukas Flüeler noch nicht von der Hirnerschütterung, welche er sich vor der Nationalmannschaftspause zugezogen hatte, erholt hat, stellte sich für Marc Crawford die Frage, ob er Tim Wolf oder dem erst 18-jährigen Melvin Nyffeler, welcher in seinen ersten zwei NLA Spielen ungeschlagen blieb, das Vertrauen schenken sollte. Er entschied sich für Nyffeler und belohnte damit seine starken Leistungen vor der Natonalmannschaftspause. Jedoch ist es auch ein Signal an Tim Wolf, dass man scheinbar nicht auf ihn baut und lieber auf den zwei Jahre jüngeren Nyffeler setzt. Zudem fehlte heute Patrick Bärtschi wegen muskulärer Probleme, die er sich in der Nationalmannschaft zugezogen hat.

Blitz Start des ZSC – Gotteron im Tiefschlaf
Was für ein Start für den ZSC – nach 14 Sekunden stand Reto Schäppi alleine vor Conz und bedankte sich für die Freiheiten mit dem 1:0. Auch danach steckten die Freiburger noch im Tiefschlaf, dies hätte Bastl nach einer schönen 3er Kombination fast zum 2:0 ausgenützt – noch keine Minute war da gespielt. In der Folge flachte das Spiel ab, der ZSC beschränkte sich auf die Defensive und von Fribourg kam weiterhin nichts, aber wirklich gar nichts. Erst nach fast 10 Minuten kamen die Freiburger langsam ins Spiel. Der ZSC machte nun deutlich zu wenig, wurde dafür aber nicht bestraft, weil Gotteron im Zürcher Drittel weiterhin sehr harmlos agierte. So gingen es mit der knappen Führung von 1:0 in die erste Pause.

Gotteron nun deutlich stärker
Auch nach der Pause kam vom ZSC offensiv sehr wenig. Man verliess sich weiterhin auf die starke Defensive um den ungeschlagenen Melvin Nyffeler. Wenn sich das nicht noch rächt, wird sich so mancher auf der Tribüne gefragt haben, denn Fribourg wurde nun deutlich stärker und erzeugte nun viel Druck auf das Zürcher Tor. Jedoch blieben die meisten Abschlüsse der Fribourger harmlos. Auch das Zürcher Powerplay konnte man mit diesem Prädikat beschreiben, was aber fast noch eine Untertreibung war. Von den Zürchern war in der Offensiv nichts aber rein gar nichts zu sehen. Und so kam, was kommen musste – der Ausgleich. Martin Ness – ein ehemaliger Junior des ZSC – hatte getroffen. Melvin Nyffeler nach über 150 Minuten Spielzeit in der NLA ein erstes Mal bezwungen. Auch in der Folge blieb Gotteron am Drücker und konnte in der 34 Minute in doppelter Überzahl agieren. Das Zürcher Boxplay funktioniert jedoch hervorragend und so konnte ein weitere Gegentreffer verhindert werden. Dies wirkte sich als eine Art Wachmacher auf die Zürcher aus, welche nun das Zepter wieder in die Hand nahmen und endlich wieder zu Chancen kamen. Die beste davon vergab Robert Nilsson, als er den Puck an den Pfosten setzte. Kurz vor der Pause konnten Zürcher dann noch an im Powerplay agieren, aber wieder war wenig vom besten Powerplay der Liga zu sehen. Ja schlimmer noch 10 Sekunden vor der Pausensirene vertändelte Bergeron in der Mittelzone den Puck, Plüss liess Seger aussteigen und ausgerechnet Thibaut Monnet versenkte den Puck 3 Sekunden vor der Pause zum 1:2. Die Szene war symptomatisch für dieses Spiel: Der ZSC mit der Agroganz, dass man im Powerplay spielt und das Drittel eigentlich schon zu Ende ist – Fribourg mit dem letzten Willen alles für den Sieg zu tun.

 Wo bleibt der Ausgleich?
Der ZSC kam mit viel Drive aus der Pause und suchte sofort den Ausgleich. Wieder vergab Robert Nilsson eine hervorragende Möglichkeit. Die Fribourger wirkten nun in der Defensive extrem sicher. Der ZSC war nun zwar drückend Überlegen, kam aber zu wenigen guten Chancen. Und das Zürcher Prunkstück das Powerplay funktionierte heute überhaupt nicht. So blieb es bis zur 58 Minute beim 1:2 für die Gäste, bis sich Mark Bastl ein Herz faste und den Puck mit einem satten Handgelenkschuss im Fribourger Tor unterbrachte. Alle stellten sich auf die Verlängerung ein, nur Gotteron nicht. Im direkten Gegenzug versenkte Tibuat Monnet den Puck zum 2:3. Wieder wurde die Zürcher Nachlässigkeit, ja Arroganz – man kann es nicht anders sagen – bestraft. Der ZSC war nun stehend K.O. und zu keiner Reaktion mehr fähig. Thibaut Monnet besorgte noch den Rest und versenkte den Puck zum 2:4 im leeren Zürcher Gehäuse. Sein dritter Treffer am heutigen Abend, was für eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte. Der ZSC muss sich heute an der eigenen Nase fassen, dieses Spiel hätte man nie so leichtfertig aus der Hand geben sollen. Mit so einer Einstellung kommt auch die spielerisch beste Mannschaft der Schweiz in den Playoffs nicht weit. Am Freitag steht das nächste Spiel in Lausanne an.