Lockout – Wer finanziert die Spieler?

Spektakel, Spektakel und noch einmal Spektakel herrscht momentan im Schweizer Eishockey. Dank den Lockoutstars fallen so viele Tore, wie schon lange nicht mehr… Die Stadien sind voll, der Hype ist gigantisch und kein Tag ohne einen Artikel über den Lockout… Doch bei all dieser Euphorie und Glückseligkeit geht etwas in Vergessenheit: Wie viel kostet der Spass und wer bezahlt die Geschichte? Da mich diese Frage sehr beschäftigte machte ich sie zum Thema meiner Seminararbeit an der Universität St. Gallen.

Dass ein Lockoutspieler eine sehr kostspielige Sache ist, lässt sich am Beispiel von Jason Spezza, welcher zur Zeit bei den Rapperswil-Jona Lakers spielt, sehr anschaulich zeigen.

  • Spieler der Ottawa Senators (NHL)
  • Vertrag bis 2015
  • Jahresgehalt in der NHL: ca. 7 Millionen US-Dollar (Summe bis 2015: 21 Mio. $)
  • Versicherungssumme ca. 32’500 CHF/Monat
  • Wohnung, Auto, Material und Sozialleistungen <20’000 CHF/Monat
  • Lohnkosten (Versicherungssumme + Wohnung, Auto, Material und Sozialleistungen) vor Steuern: ca. 50’000 CHF/Monat
  • Darauf fallen Quellensteuern von ca. 15’000 CHF/Monat an.
  • Gesamtkosten ca. 65’000 CHF/Monat!

Nimmt man die Zahlen von Spezza, als Grundlage so kostet „unser“ Lockoutstar Dustin Brown ca. 30’000 bis 35’000 Franken im Monat. Bei solchen Summen stellt sich schnell die Frage, wie finanzieren die Klubs diese Sonderausgaben? Um diese Frage zu beantworten, führte ich mit mehren Verantwortlichen von NLA Klubs Interviews durch. Bei diesen stellte sich heraus, dass es drei verschiedene Finanzierungsmodelle gibt:

  • Finanzierung durch Mehreinnahmen

Rapperswil versucht mit Hilfe von mehr Zuschauern und Mehreinnahmen bei den Fanartikeln ihre Lockoutspieler zu finanzieren. Momentan funktioniert dies sehr gut. Doch was passiert, wenn in Rapperswil die Einsicht einkehrt, dass man es wieder einmal nicht in die Playoffs schafft? Kommen dann die „Lockoutfans“ immer noch oder bleiben dann die Mehreinnahmen plötzlich aus? Fragen, welche ungeklärt bleiben und für Rapperswil ein finanzielles Risiko bilden.

  • Durch „Fremdfinanzierung“

Die meisten Klubs finanzieren ihr Lockoutspieler mit Hilfe von „externen“ Geldgebern. Doch bei genauerem Hinschauen stellte sich heraus, dass es sich nicht explizit um externe Geldgeber handelt. In den meisten Fällen sind diese Geldgeber nämlich die (Mit-)Besitzer der Klubs oder sonstige Gönner, welcher in irgendeiner Form beim Klub involviert sind. Dies führt für den Klub zu einem „Klumpenrisiko“. Jene welche bereits Ende Saison die Defizite bezahlen, werden bereits während der Saison finanziell erheblich belastet. Da stellt sich bei der heute instabilen Lage der Wirtschaft die Frage, haben diese Leute Ende Saison noch genug Geld um die Defizite zu decken? Wenn nicht droht ein weiteres Sommerspektakel à la Kloten 2012.

  • Durch bestehendes Budget

Einzig in Bern und Zürich können mit Hilfe des bestehenden Budgets die Lockoutspieler finanzieren. Doch bei beiden ergab sich dies nur durch spezielle Umstände. In Bern wird das Hockey mit Hilfe der 16 Gastrobetriebe quersubventioniert. Und in Zürich ist durch den freiwilligen Abgang von Gilbert Brûlé ein Teil des Budgets frei geworden und kann nun  in Dustin Brown investiert werden. Da man sich bei dieser Variante nicht von anderen Quellen (Zuschauern, Geldgebern) abhängig macht, ist dass finanzielle Mehrrisiko praktisch gleich Null.

Wer mehr zum Thema lesen möchte:
https://www.dropbox.com/s/s5mwg2jt9xqx48s/Lwa%20Arbeit.pdf

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