48 Tage, 15 Spiele, 12 Siege und 1 Titel

Als wir am 1. März 2012 zum ersten Auswärtsspiel nach Davos reisten, da waren viele optimistisch eingestellt, hatten aber durchaus die Realität nicht verloren. Gegen den amtierenden Schweizermeister wäre es schön, wenn Zürich ein drittes Heimspiel erreichen könnte. Zu mehr würde es wohl nicht reichen. 48 Tage war die Welt auf den Kopf gestellt und aus dem vermeintlichen Verlierer der Saison wurden die Helden dieser Eishockeysaison. Wir haben noch einmal Serie für Serie resümiert und die entscheidenden Aktionen herausgestrichen.

Der Meister in vier Spielen eliminiert
Im Viertelfinal ging es eigentlich nur um eine Frage: Wie lange braucht der HCD um in die Halbfinal zu gelangen? Nebenbei wurde noch über die Verletzungssorgen der Davoser gesprochen und damit hatte es sich gleich einmal. Dass noch ein Gegner auf dem Eis stand, wurde weder in Davos selber, noch in den Medien realisiert.

Und als der ZSC auch noch die erste Partie gewinnen konnte, da spielte neben den vielen Verletzten auch noch der Faktor Glück eine grosse Rolle. Die Niederlage ein Ausrutscher und spätestens in Partie zwei würde Arno Del Cutos Team die Wende einleiten. Denkste, die Zürcher gewannen auch vor heimischem Publikum und versetzten die Davoser so kurzfristig in eine Schockstarre. Mit der „Verletzung“ von Reto von Arx war ein zusätzlicher Nebenschauplatz gefunden, welcher von der eigentlichen Serie und dem Gegner ablenkte. Von Arx spielte, zum Erstaunen aller Medien, in Spiel Nummer 3 und sollte so quasi zum Heldenstatus in diesen Playoffs gelangen. Leider Nein – muss hier gesagt werden. Auch die dritte Partie war eine Beute der Zürcher.

Noch immer wurde nicht realisiert, zumindest in der breiten Öffentlichkeit, dass der ZSC vielleicht doch etwas besser spielte, als erwartet und so lief der damals noch amtierende Meister auch noch in die vierte Niederlage in Serie hinein. Im Nachgang betrachtet, darf dieser Seriegewinn als verdient und nicht als glücklich bezeichnet werden.

Die ausbleibende One-Man-Show
In der Halbfinalserie wartete der Qualifikationssieger EV Zug, welcher über die beste Offensivabteilung verfügte und mit Holden, Metropolit und Brunner über drei absolute Top-Shots verfügte. Nach dem überraschenden Viertelfinalsieg gegen die Davoser, wurde Bob Hartleys Team zwar etwas mehr zugetraut, doch ein Finaleinzug war nicht wirklich thematisiert.

Viel mehr sollte es zur grossen Abschiedsshow von Damien Brunner kommen, welcher im Sommer in die NHL wechseln würde. Doch die Euphorie der Zuger wurde mit dem 1:7 vor heimischem Publikum ziemlich schnell zerstört. Erarbeitete der ZSC sich doch diesen Sieg in einer Art und Weise, wie es normalerweise der EV Zug tat. Nach dem ersten Heimspiel in dieser Halbfinalserie stand die Siegesserie der Zürcher bereits bei 6 Partien in Folge und die Frage war: Wann geht diese Serie zu Ende?

Nun beim zweiten Auftritt in der Hertihalle war es noch nicht soweit und dies obwohl Lukas Flüeler beim 2:2 Ausgleich durchaus eine Teilschuld auf sich nehmen muss. Doch die Reaktion der Mannschaft war meisterlich, denn Ambühl schoss die Zuger in der Verlängerung in das Verderben. Es stand schon wieder 3:0 in einer Serie und der Finaleinzug war auf einmal ganz nahe.

In Spiel 4 kam es erneut zu einer ZSC-Show, diesmal aber im Hallenstadion und vor ausverkauften Rängen. Auch an diesem Samstagabend blieb die Show von Brunner & Co. aus. Viel mehr regierte der ZSC vor heimischem Publikum und zog mit einem 5:1 in den Final ein.

Platz 5 gegen Platz 7 im Final
Zum Schluss kam noch der vermeintlich „einfachste“ Gegner, doch wer im Final steht, hat es verdient und bereits zwei Gegner eliminiert. So traten die Berner auch auf und es waren die Mutzen, welche Spiel 1 bestimmten und so am Ende auch als verdienter Sieger vom Eis gingen. Der Ausgleich zwei Tage später vor den eigenen Fans war ebenso verdient, wie auch nötig um nicht bereits früh in Rücklage zu geraten.

Aber Bern wirkte einfach gewillter und aktiver in dieser Serie. Die Partien 3 und 4 waren die Beute der Berner, welche sich damit einen scheinbar komfortablen Vorsprung in der Serie erarbeiteten. Es folgte der 12. April 2012 und alle Zeichen standen auf Meister, der SCB und seine Anhänger bereit für eine lange, intensive Nacht. Zugegeben, sie hätten es auch verdient gehabt diesen Titel einzufahren, doch der ZSC steigerte seine Kadenz im richtigen Moment – ab der 50. Spielminute – und wurde in der Verlängerung belohnt. Mathias Seger hielt die Meisterträume der Zürcher aufrecht.

Beim nächsten Matchpuck erwartete ich eigentlich das noch härtere Spiel, aber die Berner schienen noch etwas geknickt vom ersten vergebenen Meisterpuck und mussten in Zürich schnell einem 3:0 Rückstand nachlaufen. Sie starteten zwar eine erfolgreiche Aufholjagd, wurden aber immer kurz vor dem Ausgleich wieder mit einem Gegentreffer abgestraft. Vielleicht war es dieser Umstand, welche den Berner den letzten Glauben und Willen an den Titel beraubte.

Spiel 7 war also angerichtet und die Berner erneut bereit für eine Meisternacht, diesmal nicht mehr ganz so zuversichtlich wie noch fünf Tage zuvor, aber doch noch guten Mutes. Was die Spieler den heimischen Fans zeigten, machte auch einiges an Hoffnung. Es waren die Bären, welche über zwei Drittel lang den Zürchern zeigten, wer heute mehr Meister werden will. Vom zwischenzeitlichen Rückstand liessen sie sich nur wenig beirren und glichen zwei Minuten später wieder aus. Es gab ein Fotofinish und als bereits das letzte Drittel zur Hälfte gespielt war, da drehte der ZSC auf – aus dem Nichts. Auf den Rängen war zu spüren, dass hier noch etwas geht. Plötzlich waren alle in der Kurve Arm in Arm vereint, als müsste die Geschlossenheit der Mannschaft, auch bei den Fans demonstriert werden.

Ganz egal warum dies passierte – es half und so traf Steve McCarthy 2.5 Sekunden vor Saisonende zum zweiten und letzten Mal an diesem Abend in das Tor von Marco Bührer. Die Saison vorbei – der Meister erkoren.

8 Gedanken zu „48 Tage, 15 Spiele, 12 Siege und 1 Titel

  1. schöne geschichte. nur nebenbei: das erste 1/4-final-spiel ereignete sich am 1. März und nicht am 1. April.

  2. Muen immer wieder a de Moment denke wo de Steve d’Schiibe iieghaue hed und d Kurve explodiert isch. De Abig in Bern und den d Nacht in Züri isch eifach unbeschrieblich gsii!
    Danke Mannschaft, Danke Fans für die geil Saison und no die geilere Playoffs.
    Uf gahds id Mission Titelverteidigung 😀

  3. @Meischterhans: Danke. Habe das wichtige „Detail“ angepasst…

  4. Die Playoffs (und natürli de Meischtertitel) sind eifach nur eis gsi: HAAAAMMERGEIL!! Danke Jungs für die unglaublich supertolli Ziit.
    Bin so stolz en (langjährige!!) Z-Fan dörfe z si 🙂

  5. das hebe ide letste paar minute vo spiel 7 isch irgendwie wükli mystisch gsi:) ohni jeglichi ufforderig und jensti lüüt unabhängig vonenand, uf eimal all arm in arm, grossartig!

  6. Schöni Gschicht isch das… bin no total hin und weg vo dere Wuche. Danke am Team vom zscblog für das „Tagebuech“. Han nomal jede Match im Geischt Revue passiere la… vom verschneite Davos, vom nervige Zug (IItrittskontrolle under jeder Sau) bis zum mystische letschte Match in Bern… herrrrrrlich…
    und btw… guet gschriebe isch es au no 😉

  7. Es war ein unglaublicher moment. Diesse Moral wo in diessen team steckt wow. Verdient respekt!

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