Schubiger – Ein einsamer Kampf

Hier noch ein Beitrag aus dem Tagesanzeiger vom 14.1.2010.

Schubiger hörte der Reihe nach AC/DC,Linkin Park,Bon Jobi, Spin Doctors,Aerosmith,Lenny Kravitz und Blur. Auch wenn ihm die eingespielten Songfetzen eigentlich alle gefielen, Schubiger ärgerte sich darüber. Er war nicht für ein Rockkonzert ins Hallenstadion gekommen, sondern für einen ZSC-Match gegen Zug.
Er prüfte die Aufdrucke auf seiner Saisonkarte, aber auch da stand nichts von einer Sportveranstaltung mit musikalischer Unterhaltung. Schubiger überlegte sich, ob das ein Fall für den Konsumentenschutz wäre, zweifelte aber daran dass man seinem Anliegen die Ernsthaftigkeit schenken würde, die es auch verdiente. Und er fragte sich, ob er nicht doch Facebook-Mitglied werden sollte um eine Gruppe Gleichgesinnter zu bilden. Unter dem Namen : “ Wir schneiden dem Hallenstadion-ZSC-DJ das Stromkabel durch „.
Schubiger hörte auch Offpsring, Bryan Adams, Krokus. Queen, Nickelback,Steppenwolf, GunsNRoses. Und er verpasste Bärtschis 2:1, weil er gerade darüber nachdachte, von wem nun das beim jüngsten Spielunterbruch eingespielte Stück war. Das steigerte seinen Unmut über diese Amerikanisierung des ZSC, die mit der Lionisierung begonnen hatte, die sich immer weiter ausbreitete und daran war, dem ZSC seine Seele noch ganz zu nehmen.
Natürlich erinnerte sich Schubiger in diesen Momenten an die alten, epischen Hallenstadion-Nächte getaucht in Rauch,Hitze und Schlachtrufe. Seine Wehmut aber mischte sich schnell mit der Angst, dass sich die anderen 7341 Zuschauer dieses Abends längstens hatten einlullen lassen von der Maxime der beliebigen Abendunterhaltung. Dass sie es sich bequem gemacht hatten in ihrer Rolle der Konsumenten. Dass sie sich nicht mehr wehren mochten gegen den DJ, diesen Feind des 3.Rang links, diesen Verhinderer aller Fan-Gesänge. Schubiger war bereit,sich dagegen aufzulehnen. Er schrie: „ZSC,ZSC,ZSC!“
Er fühlte sich zwar etwas alleine. Er fühlte sich aber auch voller Mut.

Quelle: Tagesanzeiger – 14.1.2010

Danke an Matthias Epprecht

3 Gedanken zu „Schubiger – Ein einsamer Kampf

  1. ich bin der meinung da MUSS sich sehr schnell etwas ändern…

    doch sogar wenn der ganze 3. rang “scheiss DJ“ singt, kapiert er es nicht …

  2. Endlich mal wieder ein vernünftiger Bericht eines Journalisten. Erinnert mich irgendwie an den „Kroll“ von früher. Nur, dass dessen Berichte meist auch etwas Positives hatten. Aber mal ehrlich. Man fühlt sich doch nur noch verarscht als Z-Fan.- Auch einem wehmütig „Ewig-Gestrigen“ wie mir ist es klar: So wie früher wird es nie mehr. Aber diese Pseudo Chilbi-Konzert Atmosphäre während einem Heimspiel ist doch nur noch peinlich. Ein Stadion DJ, der regelmässig die eigenen Fangesänge niederringt. Ein Werbeband, das Augenkrebs auslöst. Grossartig auch das völlig emotionsfreie Introvideo, das wohl von einem Blinden und einem Tauben zusammengeschnitten wurde. Einziges Highlight dabei ist das „Foto“ (!) von Vladimir Krutov (ah, was für eine Zeit). Ich denke auch nicht, dass das Fehlen von Stehplätzen ein Grund für die zumeist schlechte Stimmung in der Halle ist. Früher gab es auch nur wenig Stehplätze (hinter dem 3. Rang) und die Stimmung war bombastisch und suchte europaweit seinesgleichen. Der wahre Grund für die schlechte Stimmung liegt doch ganz einfach in der Tatsache, dass die Verantwortlichen im Vorstand kein Interesse an guter Stimmung haben und alles unternehmen auch den letzen Rest des alten Geist des Z zu demontieren. Begonnen hat alles damit, dass man den Fans vorschreiben wollte, dass sie keine Schmährufe gegen den Gegner mehr tätigen sollten. (Einspielen eines Songs, wenn ein Gegner auf die Strafbank fährt.) Eine Bevormundung, die leider so langsam zum Alltag in den Schweizer Sportstadien wird. Als nächster Schritt wurde durch das rigorose Durchsetzen des Rauchverbots viele ehemalige Fans aus dem Stadion vertrieben, die heute wohl lieber in der Südkurve stehen, als im der Halle zu explodieren. Ein weiterer Grund ist die katastrophale Akkustik im neuen Hallenstadion. Jeder, der mal an einem Konzert dort war, weiss wovon ich spreche. Grossartig im neuen Hallenstadion ist auch die Idee, dass man die Halle während da Spiel läuft nur betreten darf, wenn nicht gespielt wird. Ich vermute dahinter den Versuch den Proletensport Eishockey endlich auf das Niveau des ach so schönen Elitesport Tennis zu hieven. Na ja, den letzten Spielen zu Folge hat man diesen Schwachsinn wenigsten im oberen Rang aufgegeben. Den grössten Affront des Klubs gegenüber seinen treuen Fans leistete man sich jedoch in der Championsleague. Wie kann es sein, dass der Klub es nicht schafft seine treusten Fans mit der Möglichkeit eines Vorverkaufs zu belohnen? Nein, da komme ich (Bin seit über zwanzig Jahren mit einer Saisonkarte dabei) nur mit Mühe und dank eines Luganofans an ein Ticket für den Final, und dann stehe ich voller Vorfreude in einer Stehkurve umzingelt von Personen in Fribourg-, Genf- und Davosleibchen, die sich auch noch partout weigerten auch nur ein Lied mit zu singen.

    Sehen wir es doch ein. Der Vorstand des ZSC hat kein Interesse an echten Fans. Es wäre ihnen bestimmt lieber, wenn niemand mehr singen würde. Oben im 3. Rang könnte man dann einen Cüplibereich einführen, in dem sich die Besucher der Logen während den Pausen aufhalten könnten. Ich kann mir lebhaft den Dialog eines MIllionärs mit seinem Sohn vorstellen: „Weisch, da sind früehner die Drogeabhängige und Assoziale gsi, aber jetzt isch alles besser.“ Hörbar in der Halle sind nur noch die Kristallgläser, die überall aufeinander stossen, und irgendwo auf der anderen Seite winkt ein Mann in einem gelben Pullover doch niemand winkt zurück.

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